Schiller. Schiller?

WimVelmansIn Zeist (NL) arbeiten wir in der Meditations-Arbeitsgruppe mit Mieke u.a. an den Bildern aus Goethes „Märchen“ von der grünen Schlange und der schönen Lilie und an Schillers „Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen “. Lieke van der Ree fragte mich, ob ich nicht einmal erzählen wolle, wodurch ich so begeistert geworden bin, als wir in dieser Arbeitsgruppe mit Mieke in Zeist Schillers „Briefe“ zu lesen begannen. Mieke erzählte von der Freundschaft zwischen diesen beiden Dichtern und dem Zusammenhang zwischen diesen beiden Werken. Beide bringen eigentlich den gleichen Inhalt, Schiller als abstrakte Überlegung und Goethe in den Bildern eines Märchens.

Wie kam es nun, dass ich, abgesehen von dem Verstehen, immer begeisterter darüber wurde? Oft zeigte sich: Was Schiller abstrakt argumentierend brachte, bringt Goethe in Bildern. Und auch: Wir dürfen das abstrakte Nachdenken nicht vernachlässigen und nur in den Bildern leben.

Wir begannen nicht irgendwo ganz am Anfang, wo Schiller zunächst sehr anekdotisch über die Fragestellung und Notwendigkeit des Themas erzählt, sondern gleich am Übergang vom zehnten zum elften Brief, wo er die zentrale Frage stellt: Was ist das eigentlich Menschliche – und ist die Schönheit damit verwandt, oder ist dies eine subjektive Hinzufügung? Schiller wollte bei der Antwort nicht mehr so vorgehen, wie er es aus der Geschichte kannte, oder sie nur aus der persönlichen Erfahrung ableiten, sondern er wollte rein denkend das rein Menschliche – in Bezug zur Schönheit – bestimmen. Das stellte er sich zur Aufgabe, und wir versuchten, ihm darin zu folgen.

Friedrich Schiller ist 1759 geboren, zu Beginn der Sturm-und Drang-Zeit. Es war eine Zeit, in der die Sehnsucht nach einem selbständigen Denken und Handeln und danach, auf sein eigenes Inneres zu hören, aufzuleben begann. Die Französische Revolution entartete in Barbarei, weil der Mensch nicht seine Mitte zwischen „Tier und Engel“ bewahren konnte. … Dies wurde alles wieder lebendig, als wir mit Schiller wirklich anfingen. Ich wollte es nun wirklich verstehen! Was ich früher in der Mittelschule zum ersten Mal berührt hatte und später in der Waldorfpädagogik besser kennenlernen konnte, begann wieder zu „brodeln“. Die wirkliche Begeisterung entstand dadurch, dass in dieser Gruppe und mit Miekes Arbeitsweise nun tatsächlich eine unmittelbar auf die fast unergründlichen Inhalte der Briefe gerichtete Aufmerksamkeit möglich wurde. Nie war es vorher dazu gekommen, gerade diese Inhalte wirklich ernst zu nehmen und nicht nur mit den Highlights zufrieden zu sein, die immer zitiert werden. Mein Enthusiasmus hatte sehr wohl eine Grundlage in der Vergangenheit – eine halbbewusste Liebe zur Person und dem Werk Schillers als Dramatiker und Dichter. Nun zeigte er sich als reiner Denker und Freund Goethes.

Nun konnte ich wirklich versuchen, seine wesentlichen Gedanken aufzunehmen und diese auch selbst denken zu lernen. Die Arbeitsweise, die Mieke uns für das reine Denken ans Herz legt, begann, zu wirken. Absatz für Absatz wurde durchgearbeitet, oft noch ohne Resultat eines wirklichen Verstehens oder Erkennens seiner Absicht, des Zieles, auf das er hinauswill.

Den Text lesen lernen, als völlig neu, unter Zurückhaltung aller eigenen Assoziationen; die Worte zu verständlichen Sätzen formen; was sagt er hier; was macht er; was bringt er miteinander in Zusammenhang. Allmählich erschließt sich sein Gedankengang und empfindet man die Mühe, die er sich gibt, um so genau wie möglich Schritt für Schritt seine Darlegung fortzusetzen (ein schönes Beispiel dessen, was auf der ersten Seite von Mieke’s Buch „Suche das Licht…“ steht). Schiller kommt zu einem Menschenbild, in dem der Mensch in Entwicklung ist, fortwährend die Mitte suchend zwischen dem klaren Denken – das für sich genommen zu Erstarrung führen würde – und dem Sinnlichen, Wahrnehmbaren – das für sich genommen den Menschen völlig in Beschlag nehmen würde. In einem labilen Gleichgewicht balanciert der Mensch auf seinem Weg.

Ein großes Ideal, das im Laufe der Zeit vergessen wurde und doch so aktuell ist, in solcher Weise miteinander zum Leben erwecken! Dann tut man doch etwas, auch wenn man auf seinem Stuhl sitzt?

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Wer ist Mieke Mosmuller?

Mieke Mosmuller ist Ärztin, Schriftstellerin und Philosophin. Sie schreibt über aktuelle Themen, die ihren philosophisch-spirituellen Entwicklungsweg berühren, den sie 1983 begann,…

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30.03.2026 bis 01.04.2026
In der Woche vor Ostern werden wir unter der Leitung von Mieke Mosmuller die Kathedrale von Chartres besuchen. Wir übernachten im Gasthaus St. Yves, das sich direkt neben der Kathedrale befindet.

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