
Im März 2018 fand das erste Wochenende statt, an dem Mieke und Jos Mosmuller einen Kurs für Ärzte gaben. Einige Jahre zuvor hatten Ärzte, die an Miekes Vorträgen teilnahmen, gefragt, ob Mieke auch einen medizinischen Kurs geben möchte. Ihre Antwort war sofort „Ja!“, und sie ergänzte: ‘Das werde ich zusammen mit Jos machen’, und ‘Es wird um die Metalle als Heilmittel gehen’. Dann bat sie uns, so viele Kollegen wie möglich zu finden, die mitmachen wollten.
Letzteres erwies sich als nicht einfach; am Ende starteten wir mit sieben Ärzten. Im Jahr 2019 folgten zwei weitere Wochenenden. In der Gruppe gab es Veränderungen; wir sind jetzt wieder sieben Kollegen.
Jos und Mieke Mosmuller führten 25 Jahre lang gemeinsam eine Hausarztpraxis. Sie entdeckten homöopathische Arzneimittel und suchten nach einer Erklärung für deren wundersame Wirkungen. Hinweise darauf fanden sie im Werk von Rudolf Steiner. Gemeinsam studierten sie insbesondere die Wirkung der sieben Hauptmetalle und wandten sie an.
Die Wochenenden begannen jeweils mit einer Einführung von Jos in die Geschichte der Medizin, sowohl aus den historisch bekannten Fakten als auch aus vergangenen religiösen und kulturellen Ansichten. In diesen Geschichten wurde eine Linie sichtbar, die die alte Medizin, die aus den Mysterien hervorging, mit dem Wunsch und der Suche nach einer neuen spirituellen Medizin heute verbindet. Dabei ist das Aufkommen der wissenschaftlichen Medizin eine notwendige Phase, die unter Beibehaltung der guten Errungenschaften jetzt erweitert werden kann.
Dazu ist eine innere Entwicklung notwendig, und diese ist für den Arzt, wie für jeden geistig strebenden Menschen, von Mieke vorangegangen und beschrieben. Die erste Voraussetzung für einen spirituell gesinnten Arzt ist, das Leben zu kennen. Es macht keinen Sinn, von einem Ätherleib zu sprechen, wenn er nicht im eigenen Wesen und damit im anderen erfahren werden kann. Der Weg dorthin wurde bereits im ersten Kapitel des Buches von Rudolf Steiner und Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,(1) beschrieben. Konzentrationsübungen und Meditationen sind notwendig, ja ein meditatives Leben. Dann wird es möglich, aus dem physischen Bewusstsein herauszukommen und die Lebenskräfte zu erfahren.
Was motiviert uns, diesen Weg zu gehen? Rudolf Steiner sprach vom „Heilerwillen“ des Arztes. Der Wille zum Heilen war zu seiner Zeit nicht selbstverständlich, die therapeutischen Mittel waren begrenzt und das Studium beruhte auf rein (natur-)wissenschaftlichem Interesse.
Daraus ergab sich für eine junge Ärztin, die Rudolf Steiners Vorträge folgte, die Frage: Wie finde ich das Gute?
Mieke wies uns auf das Lukasevangelium in der Bibel hin. Dieses ist mit seinen vielen Heilungen das Evangelium für den Arzt. Rudolf Steiners Zyklus dazu(2) setzt dies in Beziehung zu Buddhas Lehre: der Weg des Mitleids und der Liebe. Das Kommen Christi auf die Erde hat es möglich gemacht, aus dem Ich heraus einen Liebesimpuls in den Heilwillen zu bringen.
Rudolf Steiners Antwort auf die Frage nach dem Guten war die Wärmemeditation.(3)
Diese Meditation betrachtet die Elemente Wasser, Luft und Wärme im eigenen Körper; das Ich lebt in der Wärme, in dieser kann das Gute gewollt werden. In der Wärme spüre ich meine Menschheit, das allumfassende Menschsein. Wärme stammt aus der alten Saturnphase der Erde. Der Wärme-Äther ist der Übergang zu den anderen Ätherqualitäten. In der eigenen Wärme können dann das Licht (aus der alten Sonnenphase, der Lichtäther), der Ton (aus der alten Mondphase, der chemischen Äther) und das Leben (aus der Erdentwicklung, der Lebensäther) meditativ im Körper gespürt werden. Rudolf Steiner sagte später, dass dies für den Arzt der Weg zu Christus sei. Dieser Spruch wurde bis in die 1980er Jahre nur den Ärzten gegeben.
Ein Zugang zum Erleben des Lebens ist auch der Beginn der neunten esoterischen Stunde.(4) Dort wird der Meditierende aufgefordert, die festen Teile im Körper innerlich zu „ertasten“ und so die Erdwesen als Stütze zu erfahren. Dann folgt die Aufforderung, dieses „Tasten“ zu erleben; man tritt dann in die Kraft des Wassers ein, der Wasserwesen, die die Organe „formen“. Das sind hochbewegliche Kräfte, Lebenskräfte schlechthin. Man spürt dann dieses „webende Leben“; hier wirken die Luftwesen als Pfleger. Dieses Fühlen kann gedacht werden; dabei kann man die Feuerwesen als Helfer spüren. Das Feuer, die Wärme, gibt den Anreiz zu wollen, zu handeln.
Im Mysterium Magnum verweist Mieke Mosmuller bei der Beschreibung der Formkraft der Wasserwesen auf das Kapitel „Der Bewegungssinn“ in ihrem Buch Das menschliche Mysterium.(5) Hier werden die verschiedenen Bewegungen, die im Körper stattfinden, beschrieben und mit den planetarischen Wirkungen in Verbindung gebracht. Dabei erwähnt die Autorin auch den Spruch „Weltentsprossenes Wesen“, ein Spruch, der in den Mysterien von Ephesus erklungen ist. Darin werden die planetarischen Einflüsse auf den Menschen präzise zusammengefasst.(6)
Weltentsprossenes Wesen, du in Lichtgestalt,
Von der Sonne erkraftet in der Mondgewalt.
Dich beschenkt des Mars erschaffendes Klingen,
Und Merkurs gliedbewegende Schwingen.
Dich erleuchtet Jupiters erstrahlende Weisheit
Und der Venus liebetragende Schönheit —
Daß Saturns weltenalte Geist-Innigkeit
Dich dem Raumessein und Zeitenwerden weihe!
In Das menschliche Mysterium hat Mieke also bereits den Zusammenhang zwischen den Lebenskräften und dem Wirken der Planeten aufgezeigt.
Mieke erzählte uns in dem Kurs, dass das Kennenlernen der planetarischen Wirkungen bei ihr zu einem totalen Verständnis der Seele geführt hat, zu einer Einsicht in die Einseitigkeit, in die Extreme; der Mensch hat die Ganzheit verloren, und das gibt Unruhe und Streben nach dem Gegenteil. Dies drückt sich kosmisch in den Planeten aus, wobei die obersonnigen Planeten, Mars, Jupiter und Saturn, den untersonnigen Planeten, Venus, Merkur und Mond, entgegengesetzt sind. Die Sonne bringt das Gleichgewicht, hebt die Gegensätze auf. Für Mieke war diese Erkenntnis auch ein Einblick in das Rätsel von Gesundheit und Krankheit: Ein Ungleichgewicht dieser Kräfte führt zu Krankheit. Die erhabene Sphäre der beweglichen Planeten erstreckt sich über den gesamten Kosmos; auf der Erde materialisieren sie sich in den Metallen Gold, Eisen, Zinn, Blei, Kupfer, Quecksilber und Silber. In dynamischer, homöopathischer Aufbereitung können diese zu Heilmitteln werden.
Jos Mosmuller hat diese planetarischen und metallischen Qualitäten in seinem Buch Die sieben Metalle(7) ausführlich beschrieben. Darin treten die damit verbundenen Seelentypen deutlich und auch überraschend in ihren Gegensätzen hervor, ebenso wie die medizinischen Anwendungen der Metalle.
An den Wochenenden im März und August 2019 hat Mieke die Erkenntnisse über die Planeten- und Metallwirkungen weiter vertieft. Neben dem räumlichen Aspekt der wandernden Planeten zeigte sie auch den Zusammenhang mit der zeitlichen Entwicklung auf. Rudolf Steiner gab im Kurs für junge Ärzte(8) Sprüche zu Saturn, Sonne und Mond. Diese beziehen sich auf die früheren Erdphasen alter Saturn, Wärme, Geist; alte Sonne, Rhythmen, Seele und alter Mond, Form, Körper. Dieser Zusammenhang findet sich auch in den Namen der Wochentage wieder. So wuchs das Bewusstsein für die Größe der Planetenwelt und das außergewöhnliche Potenzial der Metalle für die Heilung.
Mieke brachte auch andere Bereiche des spirituellen Wissens zur Sprache, die zum Teil bereits in Das menschliche Mysterium beschrieben wurden. Dieses Buch, eine spirituelle Menschenkunde, erwies sich als Vorläufer dieses weiterführenden medizinischen Inhalts. Jos ergänzte oft, auch mit praktischen Beispielen. Mieke hat immer wieder Anleitungen zur inneren Schulung eingeflochten, denn vor allem ist die Spiritualisierung des Denkens notwendig.
Auf Miekes Anregung hin bildeten wir Teilnehmer eine Studiengruppe und trafen uns monatlich. Wir begannen diese Abende immer mit der Lektüre des Lukasevangeliums, sowohl des Buches der Bibel als auch des Zyklus von Rudolf Steiner. Wir übten das erste Kapitel von ‘Grundlegendes’ und versuchten, uns Kenntnisse über die Wirkungsweise der Metalle anzueignen. Für die homöopathisch und anthroposophisch Ausgebildeten war dies naheliegender als für die nur regulär ausgebildeten Kollegen. Wir schlossen gewöhnlich mit der Wärmemeditation ab.
Wenn Wochenenden mit Mieke und Jos nicht mehr möglich waren, einigten wir uns auf Studiensamstage oder Sonntage. Mieke ergriff dann die Initiative, diese Tage durch eine aufgezeichnete Sitzung für uns zu gestalten. Wiederum war der erste Aufruf, den sie machte, die Erkenntnishaltung, das Bewusstsein, mit ‘Grundlegendes’ umzuformen. Es folgte ein neuer Durchgang durch die Planeten mit dem Spruch „Weltentsprossenes Wesen“ als Grundlage. Raphaela Kühne, die zusammen mit Ruth Mosmuller die „Logos-Eurythmie“ initiiert hatte, hatte uns diesen Spruch schon einmal eurythmisch sichtbar gemacht. Nun kam aus der Gruppe die Anfrage, mit uns selbst Eurythmie zu machen. Seither gibt es etwa siebenmal im Jahr Mittwochvormittage, an denen Raphaela uns Eurythmie nach diesem Spruch mit den von Rudolf Steiner gegebenen Gebärden der Planeten und der entsprechenden Form gibt. Zu unserer Überraschung wurde dies mit neuen Gebärden, nämlich für die Metalle, erweitert, die Ruth Mosmuller zusammen mit Mieke gefunden hat. Diese neue und die bestehende Eurythmie, zusammen mit Miekes Einführungen, in denen sie auch Musikstücke zu den betreffenden Planeten spielte, gaben eine starke Vertiefung unserer Erfahrung der Planetengebärden.
In der Zwischenzeit wurde ein Buch veröffentlicht, in dem Jos Mosmuller eine Umhüllung von Schönheit für diesen Impuls skizziert: Ein Krankenhaus, das als Bauwerk heilt.(9)
Wir Studenten sind bestrebt, mehr und mehr zu einer Meditationsgruppe zu werden. Der Weg zur spirituellen Medizin ist lang. Aber, wie es einer von uns ausdrückte: „Als engagierte Gruppe arbeiten wir daran, den menschlichen Kern der Medizin wieder ins Bewusstsein zu rücken“. In dem „Lehrgang“, den Mieke und Jos uns geben, wird dieser menschliche Kern in kosmische Weite ausgedehnt. Wahre Mysterienmedizin liegt noch in weiter Ferne, aber der Weg ist gewiesen.
Wenn Sie nun das Nachwort in ‘Grundlegendes’ lesen, werden Sie sehen, dass Jos und Mieke Mosmuller die Intention von Rudolf Steiner und Ita Wegman, die nicht mehr verwirklicht werden konnte, aufgegriffen und weiterentwickelt haben.
Wir möchten interessierte Kolleginnen und Kollegen einladen, sich uns auf diesem Weg anzuschließen. In den Worten eines anderen Teilnehmers: „Als Gruppe können wir dazu beitragen, wahres Arzt-Sein in die Welt zu bringen“.
1 Rudolf Steiner und Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, GA 27
2 Rudolf Steiner, Das Lukas-Evangelium, GA 114
3 Mieke Mosmuller, Lebendiges Denken, Occident 2015, S. 105
Peter Selg, Die “Wärme-Meditation”, Verlag am Goetheanum, 2018
4 Mieke Mosmuller, Mysterium Magnum, Occident 2016.
5 Mieke Mosmuller, Das Menschliche Mysterium, Occident, 2014.
6 Rudolf Steiner, Mysterienstätten des Mittelalters, GA 233a.
7 Jos Mosmuller, Die sieben Metalle, Occident 2023.
8 Rudolf Steiner, Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst, GA 316.
9 Jos Mosmuller, Ein Krankenhaus, das als Bauwerk heilt, Occident 2024.







