{"id":4079,"date":"2026-06-05T14:23:02","date_gmt":"2026-06-05T12:23:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/?p=4079"},"modified":"2026-06-05T14:27:05","modified_gmt":"2026-06-05T12:27:05","slug":"die-erschaffung-der-ich-kraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/die-erschaffung-der-ich-kraft\/","title":{"rendered":"Die Erschaffung der Ich-Kraft"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4080\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/88F8048C-01C2-45C2-BE29-387D7CE222A1_4_5005_c.jpeg\" alt=\"\" width=\"155\" height=\"178\" \/><\/p>\n<p>In der Vorrede zur Neuauflage der <em>Philosophie der Freiheit<\/em> von 1918 formuliert Rudolf Steiner zwei Wurzelfragen der Erkenntnis. In der ersten geht es darum, ob es eine Anschauung der menschlichen Wesenheit gibt, die in allen Lebensfragen in allen Erkenntnisfragen eine Sicherheit gibt, die nicht angezweifelt werden muss. Die zweite handelt von der Willensfreiheit des Menschen und ihre Beantwortung h\u00e4ngt davon ab, welche Antwort auf die erste Frage gegeben werden kann.<br \/>\nEs geht um eine Antwort, die als solche nicht gelernt werden kann, sondern die man immer, wenn man ihrer Bedarf, neu lebendig aus der Aktivit\u00e4t der Seele hervorbringen muss. Als Gegebenes ist das menschliche Bewusstsein heute so, dass es in Objekt- und Subjektbewusstsein gespalten ist. Die Erkenntnis zerf\u00e4llt so in Ich und Welt, Form und Materie.<br \/>\nDas Denken hat als Anschauung zun\u00e4chst was die Sinne ihm geben, es ist insofern an die Sinne gebunden. Das gilt sowohl f\u00fcr die ganz triviale Alltagserkenntnis, als auch f\u00fcr die wissenschaftliche Erkenntnis, nur dass diese im Verh\u00e4ltnis zur ersteren viel exakter und methodischer vorgeht. Der Mensch kommt hier sozusagen nur als Problem vor, das m\u00f6glichst ausgeklammert wird, insofern es um die Erkenntnismethode geht. Der Mensch als erkennendes Ich wird so dem wissenschaftliche Streben nach Objektivit\u00e4t geopfert.<\/p>\n<p>Bei Rudolf Steiner geht es aber um eine Anschauung der menschlichen Wesenheit selbst. Er r\u00fcckt gerade das erkennende Ich ins Zentrum der Frage nach der Wirklichkeit. Was ich in der Sinnenwelt anschaue, ist in der Erg\u00e4nzung seines Begriffs das angeschaute Ding, die Anschauung. Wende ich den Erkenntnisblick um und suche die Anschauung des Ich, erfahre ich zun\u00e4chst eine tiefe Ohnmacht. Da ist nichts, was anzuschauen w\u00e4re, da ist erschreckende Leere. Was doch da ist, sind die Vorstellungen der sinnlichen Anschauungen. Es sind Erinnerungen an Erkenntnisvollz\u00fcge des Ich, in denen es sich selbst verga\u00df. In anderen Worten: Es gibt keine Substanz des Ich, die angeschaut werden k\u00f6nnte.<br \/>\nDas Bindeglied zur Erschaffung der Ich-Substanz ist das reine Denken. Wenn das Ich rein denkt, hat es einerseits einen reinen, d.i. sinnlichkeits- und erinnerungsfreien Inhalt, andererseits ist es selbst die T\u00e4tigkeit des reinen Denkens. Wenn ich rein denke, bedeutet das, dass ich nichts anderes denke als genau das, was ich mir vorgenommen habe. Es ist Denken als Tat! Es erschafft sich als Geistsubstanz und \u00fcbersteigt damit seine bisherige Selbstheit in einem nicht gekannten Ausma\u00df. Meditativ kann ich dann erkennen, dass das reine Denken die Form des Ich ist und seine Materie ist Liebe. Die Liebe ist das einzig g\u00fcltige und wirksame Motiv f\u00fcr diese Erkenntnistat. Das Ich befruchtet sich mit der Erkenntnis des reinen Begriff\u2019s des Ich und lebt als individuelles Ich in seinem Begriff. Es ist ICH. Seine Bestimmung ist die Erkenntnis, seine Form ist menschliche und kosmische Intelligenz, es ist ganz Liebe.<br \/>\nDamit wird deutlich, dass die Erschaffung der Ich-Kraft Liebe ist, sie ist kosmische Liebe.<br \/>\nDie Freiheit sie zu erringen, ist nur auf der Erde m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Wie er von Liebe nur beweget<br \/>\nSich ganz uns hingegeben hat,<br \/>\nund in die Erde sich geleget<br \/>\nZum Grundstein einer Gottesstadt.<\/p>\n<p>Novalis, <em>Geistliche Lieder<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Vorrede zur Neuauflage der Philosophie der Freiheit von 1918 formuliert Rudolf Steiner zwei Wurzelfragen der Erkenntnis. In der ersten geht es darum, ob es eine Anschauung der menschlichen Wesenheit gibt, die in allen Lebensfragen in allen Erkenntnisfragen eine Sicherheit gibt, die nicht angezweifelt werden muss. 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