{"id":4070,"date":"2026-06-05T14:07:06","date_gmt":"2026-06-05T12:07:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/?p=4070"},"modified":"2026-06-05T14:10:05","modified_gmt":"2026-06-05T12:10:05","slug":"suche-das-licht-das-im-abendlande-aufgeht-eine-hommage-an-das-buch-von-mieke-mosmuller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/suche-das-licht-das-im-abendlande-aufgeht-eine-hommage-an-das-buch-von-mieke-mosmuller\/","title":{"rendered":"Suche das Licht, das im Abendlande aufgeht &#8211; Eine Hommage an das Buch von Mieke Mosmuller"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4073\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/042A9B8A-2561-4361-92CC-93FE5C399781_4_5005_c-262x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"282\" height=\"323\" srcset=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/042A9B8A-2561-4361-92CC-93FE5C399781_4_5005_c-262x300.jpeg 262w, https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/042A9B8A-2561-4361-92CC-93FE5C399781_4_5005_c.jpeg 299w\" sizes=\"(max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><\/p>\n<p>Vor genau 30 Jahren erschien 1994 das erste deutschsprachige Buch von Mieke Mosmuller mit dem Titel <em>Suche das Licht, das im Abendlande aufgeht<\/em>. Es stellt die erkenntnistheoretische Grundlage f\u00fcr ihre weiteren B\u00fccher dar. Man findet darin keine abstrakte Theorie, sondern nachvollziehbare Schritte zum Erkennen des eigenen Selbst. Der Verstand, der seine Gr\u00f6\u00dfe im \u00e4u\u00dferen wissenschaftlichen und technischen Wissen zeigt, steht zweifelnd und fragend vor der eigenen Spiritualit\u00e4t. Zwar hat dieser abendl\u00e4ndische Verstand seinen Ursprung bei griechischen Philosophen und in christlichen Klosterschulen, er kann aber keine Br\u00fccke zur wirklichen Geistigkeit schlagen. Wie das geht, wird in dem Buch ausgef\u00fchrt. Seine Bedeutung f\u00fcr die spirituelle Auferstehung des erstarrten abendl\u00e4ndischen Geistes ist deshalb nicht hoch genug einzusch\u00e4tzen. Nachfolgend sollen die wichtigsten Stationen dieser Transformation skizziert werden. Am Anfang stehen Erstaunen, Zweifel und Fragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Prolog<\/strong><\/p>\n<p>Ich begebe mich in die Haltung des Staunens, um mit meinem unbefangenen Verstand die erste Frage zu suchen:<\/p>\n<p><em>\u201eWenn ich jedoch all meine Meinungen, Vorz\u00fcge, Erkenntnisse au\u00dfer Acht lasse, wenn ich nur das R\u00e4tsel anschaue, wo ich mit meinen Fragen anzusetzen habe, dann habe ich bereits eine erste Frage gesehen, eine Frage, die noch vor der ersten Frage liegt, n\u00e4mlich: Mit welcher Frage f\u00e4ngt eine Philosophie im Erstaunen an?\u201c<\/em> (S. 20)<\/p>\n<p>Wenn ich nicht willk\u00fcrlich eine Frage aus meinem Subjekt holen will, muss ich versuchen mein gesammeltes Wissen und meine subjektiven Urteile zu vergessen und mein Bewusstsein inhaltsleer zu machen. Doch so komme ich nie zu einer Frage und ich beginne zu zweifeln:<\/p>\n<p><em>\u201eSo muss ich erkennen, dass ich als Fragende ohne Fragen zu einem ewigen Sein im Nichts verurteilt bin; ich kann keinen Schritt machen, ohne der Willk\u00fcr zu verfallen; ich muss im v\u00f6lligen Frage-Sein zur\u00fccktreten und kann mit meinem Denken niemals einen Anfang machen.\u201c<\/em> (S. 23)<\/p>\n<p>Wenn ich mit der Philosphie beginnen will ohne von meinen subjektiven Urteilen auszugehen, muss es also eine erste Frage geben, die aus sich heraus die erste Frage ist:<\/p>\n<p><em>\u201eKann ich die erste Frage in der Gewissheit stellen, dass es keine andere Frage vor dieser ersten Frage gibt?\u201c<\/em> (S. 24)<\/p>\n<p>Wie komme ich zu dieser Frage? In der Naturwissenschaft habe ich gelernt, dass es keine endg\u00fcltige Wahrheit geben k\u00f6nne. Jedes Wissen sei nur hypothetisch und vor\u00fcbergehend g\u00fcltig, solange bis eine passendere Erkl\u00e4rung gefunden w\u00e4re. Der Wissenschaftler geht von der Pr\u00e4misse aus, dass unsere innere Vorstellungswelt nie ganz mit der \u00e4u\u00dferen Wirklichkeitswelt \u00fcbereinstimmen k\u00f6nne, sondern dass es lediglich Ann\u00e4herungen zwischen unseren Vorstellungen und der Wirklichkeit geben solle. Der Zweifel ist so fester Bestandteil der wissenschaftlichen Grundhaltung. Setzt der Naturwissenschaftler den Zweifel als absolut, so sieht der spirituell Suchende diesen als vor\u00fcbergehend an:<\/p>\n<p><em>\u201eZweifel als Geduld, als ehrliches Nicht-Wissen, als Bewusstsein, dass man eine Frage hat, worauf die Antwort noch nicht deutlich ist.\u201c<\/em> (S. 32)<\/p>\n<p>Ausgehend vom Zweifel richte ich mein Bewusstsein nach innen und finde zun\u00e4chst meine Vorstellungswelt.<\/p>\n<p><em>\u201eIch selber lebe in Aktivit\u00e4t oder Passivit\u00e4t in diesen Bildern; Ich selber bin derjenige, der in diesen Bildern etwas zustande bringt, etwas erf\u00e4hrt, sich an etwas erinnert; alles bezieht sich auf mein Ich, und zu gleicher Zeit erlebe ich wie die Vorstellungen sich ohne mein Zutun aneinanderreihen.\u201c<\/em> (S. 38)<\/p>\n<p>Auch wenn sich die Vorstellungen in meinem Innern auf mein Selbst, auf meine Gedanken, meine Gef\u00fchle und meine Taten beziehen, bin ich an ihrem Zustandekommen unbeteiligt. Sie treten wie von selbst, ohne dass ich aktiv werde, als Erinnerungen und Assoziationen in mir auf. Sogar in meinen aktiven \u00e4u\u00dferen Handlungen, wo Handlungsimpuls und Ergebnis greifbar und konkret sind, bleibt der gesamte Ablauf des Willens zwischen Entschluss und Tat im Unbewussten. Die Innenschau zieht so ein gewisses Ohnmachtsgef\u00fchl nach sich:<\/p>\n<p><em>\u201eMit diesen drei Gebieten meines Bewusstseins ist meine menschliche Ohnmacht charakterisiert: Was ich vollbewusst wei\u00df \u2013 das Denken \u2013 das kann ich nicht tun. Was ich tue bzw. wie ich es tue \u2013 das Wollen \u2013 das entzieht sich meinem Bewusstsein. Zwischen beiden Polen lebt meine wechselnde Freude und mein Leid.\u201c<\/em> (S. 40)<\/p>\n<p>Die Ohnmacht resultiert daraus, dass ich mich im gew\u00f6hnlichen Innen-Bewusstsein nur als gespiegelte Vorstellung, wie virtuell, erlebe und nicht als unumst\u00f6\u00dfliche Realit\u00e4t. Die inneren Vorstellungen sind ohne meine eigene Aktivit\u00e4t zustande gekommen. Sie liegen zwar klar vor mir, aber wie sie entstanden sind, dieser Prozess liegt zun\u00e4chst im Dunklen.<\/p>\n<p><em>\u201eWir haben unseren Blick nach innen gelenkt und nehmen wahr, was als gegebener Inhalt, der nicht durch eigene Aktivit\u00e4t zustande gekommen ist, in unserem Bewusstsein lebt. Wir schauen dann unsere Ohnmacht, unsere Unfreiheit an. Aber, beim Wahrnehmen entschl\u00fcpft auf diese Weise immer die Aktivit\u00e4t selber unserer Aufmerksamkeit. Denn unsere Aufmerksamkeit ist auf das Wahrnehmen des Bewusstseins gerichtet&#8230; Doch die Aktivit\u00e4t selber, das Richten der Aufmerksamkeit selber, das innerliche Wahrnehmen, der Wahrnehmer selber, entschl\u00fcpft unserer Aufmerksamkeit.\u201c<\/em> (S. 41)<\/p>\n<p>Unsere Aufmerksamkeit ist immer auf den Inhalt gerichtet und nie auf den Akteur, der innerlich wahrnimmt und denkt.<\/p>\n<p><em>\u201eDiese Form der Selbstwahrnehmung nun ist uns nicht von Natur aus gegeben, wir m\u00fcssen diese selbst entwickeln wollen. Man kann leben und sterben, ohne diese Selbstwahrnehmung je angewendet zu haben. Man braucht diesen Schritt nicht zu machen, und doch ist gerade dieser Schritt notwendig, wenn man seine Menschlichkeit wirklich kennenlernen will.\u201c<\/em> (S. 41)<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst f\u00e4llt es schwer, diesen Schritt nachzuvollziehen, weil dieses Richten der Aufmerksamkeit auf den inneren Akteur v\u00f6llig ungew\u00f6hnlich ist. Kann ich mich in meinem Denken selbst beobachten? Nur durch intensives \u00dcben l\u00e4sst sich diese Schranke \u00fcberwinden und ich kann den inneren Akteur kennenlernen:<\/p>\n<p><em>\u201eHier findet der Mensch das Gebiet, in dem das Denken wirklich lebt; er erlebt die Quelle, aus der alle Aktivit\u00e4t entspringt.\u201c<\/em> (S. 43)<\/p>\n<p>Meine Innenschau ergibt folgendes Bild: Mein Bewusstsein ist erf\u00fcllt mit Vorstellungen von Gedanken, Gef\u00fchlen und Willensimpulsen ohne sich bewusst zu sein, woher diese kommen und wie sie entstehen. Dann entdecke ich einen Aktivit\u00e4tspunkt in mir selbst, der im allt\u00e4glichen Bewusstsein unbeobachtet war. Mit diesem kann ich den ganzen Vorstellungsinhalt aus meinem Bewusstsein entfernen und eine Vorstellungsleere in mir hervorrufen. Mir wird bewusst, dass nur ich selbst einen Anfang setzen kann. Ich muss den Mut aufbringen, mich selbst aus der Unschuld der Leere, des Nicht-Erkennens heraus zu geb\u00e4ren und muss mein Denken in Gang setzen. Doch kann ich meinem Denken vertrauen, das ich bisher immer nur von au\u00dfen erlebt habe? Diesen Zweifel am Denken kann ich \u00fcberwinden, wenn ich es vollst\u00e4ndig und von innen heraus erkennen kann.<\/p>\n<p><em>\u201eDie erste Frage muss also die Frage nach dem Denken selbst sein.\u201c<\/em> (S. 53)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Philosophia<\/strong><\/p>\n<p>Das Ziel ist aber nicht eine Theorie \u00fcber das Denken, so wie die Naturwissenschaft mit Hypothesen arbeitet, denen immer eine gewisse Unsicherheit anhaftet. Nur wenn sich im Erkennen des Denkens alle Zweifel aufl\u00f6sen, kann ich mir meines Denkens sicher sein. Dabei hilft mir die Vorstellung, dass sich das Wesen des Denkens vom Wesen alles \u00dcbrigen unterscheidet und ich stelle mir die Frage, welche Stellung mein Denken in allem \u00dcbrigen hat?<\/p>\n<p><em>\u201eDazu versetze ich mich nochmals in den Punkt des \u00dcbergangs zwischen dem Nicht-Denken und dem Ingangsetzen des Denkens. Meine Assoziationen, mein \u00fcbliches Gedanken und Vorstellungsleben wollen diese Denkleere sofort ausf\u00fcllen. Diese dr\u00e4ngen sich mir auf und st\u00f6ren mein Gef\u00fchl der Freiheit in der Wahl zwischen Nicht-Denken und Denken. Dieses sich mir aufdr\u00e4ngende Denken ist also nicht das eigentliche freie Denken.\u201c<\/em> (S. 57)<\/p>\n<p>Durch Anstrengung kann ich dieses assoziative Denken fernhalten und die Entscheidung treffen, aktiv denken zu wollen. Doch welchen Inhalt soll ich denken? Wenn ich einen Inhalt aus allem \u00dcbrigen denke, besteht das Problem, dass das Verh\u00e4ltnis des Denkens zu allem \u00dcbrigen bisher nicht gekl\u00e4rt ist. Da es mir jetzt aber nicht um das Erkennen alles \u00dcbrigen geht, sondern um die Beobachtung des Denkens bei dessen Ingangsetzen, kann ich einen willk\u00fcrlichen Inhalt w\u00e4hlen. Ich setze mein Denken z.B. in Gang, indem ich den Begriff des Kreises denke und versuche zu beobachten, was in meinem Bewusstsein passiert.<\/p>\n<p><em>\u201eHier habe ich den Punkt gefunden, in dem ich selber der Sch\u00f6pfer bin. Es ist zwar nicht mehr als nur ein Punkt, aber es ist der Punkt, in dem ich mir bewusst bin: Hier habe ich mein eigentliches Mensch-Sein gefunden, ich erkenne meine ureigene Denkf\u00e4higkeit. Von diesem Moment des Findens an ist nichts mehr so, wie es vorher war.\u201c<\/em> (S. 69)<\/p>\n<p>Der Zweifel, der im Verstandesdenken so stark herrscht, ist verschwunden; denn mein Ich macht beim Ingangsetzen des Denkens die Erfahrung, dass es nur das denken kann, was es in voller Klarheit bereits erkannt hat. Da gibt es dann keinen Zwiespalt mehr zwischen Objekt und Subjekt, zwischen Denker und Gedachtem. Mein t\u00e4tiges Ich verwandelt sich in den Begriff des Kreises und ich kann mich zu gleicher Zeit dabei beobachten. Denken und Wahrnehmung f\u00e4llt zusammen.<\/p>\n<p><em>\u201eWenn das Licht des Denkens sich selbst beleuchtet, wird es aus der Finsternis, wo es immer als Schein erlebt wird, erl\u00f6st und es wird zur neuen wahrnehmbaren Substanz, die immateriell ist, &#8230; Das Denken, als Metamorphose des Ichs, wird zum Sein.\u201c<\/em> (S. 72)<\/p>\n<p>Mieke Mosmuller schreibt nicht theoretisch \u00fcber die Sch\u00f6pferkraft dieses neuen Denkens, sondern f\u00fchrt diese Denkkraft in ihrem gesamten Buch praktisch vor. Es ist eine selbstst\u00e4ndige Philosophie des Denkens \u00fcber das Denken. So wird die Kategorienlehre von Aristoteles weitergedacht, indem die Kategorien von Wesen und Erscheinung aus dem Denken des Ich entwickelt werden:<\/p>\n<p><em>\u201eWeil nun das Ich zur gleichen Zeit Sch\u00f6pfer und Betrachter ist, ist dies eine Aktivit\u00e4t, durch die das Ich sich selbst als Wesen in Erscheinung bringt. Hier begegnen wir den zwei fehlenden Kategorien in der Aristotelischen Kategorienlehre, n\u00e4mlich den zwei Kategorien, nach denen das Denken selbst gedacht werden <\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/occident-media.com\/de\/boeken\/suche-das-licht-das-im-abendlande-aufgeht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><em><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4071\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3B9F35EF-22A8-409D-815D-E946EA9E5EC8_4_5005_c-191x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"357\" height=\"561\" srcset=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3B9F35EF-22A8-409D-815D-E946EA9E5EC8_4_5005_c-191x300.jpeg 191w, https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/3B9F35EF-22A8-409D-815D-E946EA9E5EC8_4_5005_c.jpeg 311w\" sizes=\"(max-width: 357px) 100vw, 357px\" \/><\/em><\/a><\/p>\n<p><em>kann. Die zehn Aristotelischen Kategorien liefern die Buchstaben des Alphabets, wodurch die Welt, alles \u00dcbrige, beschrieben, verstanden, durchdacht wird. Diese zwei Kategorien \u2013 Wesen und Erscheinung \u2013 die von Hegel eingef\u00fchrt worden sind, liefern die Buchstaben, mit denen wir den Namen des Ichs schreiben d\u00fcrfen; und w\u00e4hrend wir ihn schreiben, bringen wir uns selbst als Wesen in Erscheinung. Der Mensch, der im Alltag hingegeben allem \u00fcbrigen Inhalt lebt, geb\u00e4rt sich selbst, wenn er sich als Wesen im Denken in Erscheinung bringt. Ein neuer Mensch, ein zweiter h\u00f6herer Mensch wird geboren. Diese zwei Kategorien sind das ultime transzendente Kriterium: Der Alltagsmensch transzendiert sich im selbstbewussten Ich.\u201c<\/em> (S. 73)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Westliches und \u00f6stliches Denken<\/strong><\/p>\n<p>Welchen Anfang haben andere Philosophen gefunden? Wie haben Hegel, Heidegger, Krishnamurti und Rudolf Steiner ihre jeweilige Philosophie begonnen? Mieke Mosmuller erl\u00e4utert Zitate aus deren Schriften und stellt diese in Beziehung zu ihrer Darstellung des Ingangsetzen des Denkens. Dabei steht der als Brahmane geborene Krishnamurti im Kontrast zu den westlichen Denkern; f\u00fcr ihn ist das Denken nur ein zu \u00fcberwindendes Problem. Er will <em>\u201eden Weg zur\u00fcck zur Unschuld des Nicht-Wissens\u201c<\/em> (S. 106) zeigen. Dieser Weg entspricht nicht dem abendl\u00e4ndischen Menschen, der die \u201eMission der Abstraktion\u201c zu verwirklichen hat:<\/p>\n<p><em>\u201eIm Denken lebt der Mensch vollbewusst, wenn auch das Denken ganz abstrakt ist. In diesem Denken muss er den Punkt finden, wo wahrhaftige Selbsterkenntnis ankn\u00fcpfen kann, damit er in \u00fcberschaubarer Sicherheit seinen Weg gehen kann. Dieses umstrittene Denken muss er lieben lernen und es liebend erkennen lernen.\u201c<\/em> (S. 106)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Wissenschaft<\/strong><\/p>\n<p>In einem weiteren l\u00e4ngeren Kapitel wird der <em>\u201e\u00dcbergang zwischen dem sich selbst verstehenden Denken und dem in Wahrheit Verstehen alles \u00dcbrigen\u201c<\/em> (S. 119) gesucht. Wurde bis hier die Sicherheit und Wahrheit im eigenen Denken gefunden, kommt jetzt die Frage auf, ob und wie man zur wahrhaftigen Erkenntnis der Welt kommen kann? An dieser Stelle tritt wieder ein Zweifel am eigenen Denken auf, der dem westlichen wissenschaftlichen Denken schon lange anhaftet. Zun\u00e4chst verschwand in der kopernikanischen Wende die Bedeutung des Menschen, indem er zum Staubkorn in einem leeren Kosmos mutierte, dann wollte Francis Bacon den Menschen als Subjekt aus dem Erkenntnisprozess ausschalten und schlie\u00dflich konstruierte Kant einen Abgrund zwischen dem Menschen und dem Erkennen der Wirklichkeit. Dieser Zweifel kann nicht theoretisch, sondern nur durch empirische Beobachtung \u00fcberwunden werden. So stelle ich fest, dass mein im Denken t\u00e4tiges Ich w\u00e4hrend einer Sinnesbeobachtung nicht wahrgenommen wird. Ich bin so stark mit dem Sinnesinhalt verbunden, dass das Denken meiner Aufmerksamkeit entgeht. Dass mein Ich bei der Bildung einer Sinnesvorstellung t\u00e4tig ist, wird gew\u00f6hnlich erst hinterher erinnert. Wenn das Bewusstsein des t\u00e4tigen Ich, wie ich es beim Ingangsetzen des Denkens erfahren konnte, auch bei der Sinneswahrnehmung aufrechterhalten werden k\u00f6nnte, dann k\u00f6nnte der Zweifel, der Abgrund zwischen Mensch und Welt \u00fcberwunden werden. Daf\u00fcr stellt die Selbstbeobachtung des Denkens den Keim dar, der in jedem Menschen potentiell veranlagt ist und der entwickelt werden muss. Das ist m\u00f6glich durch meditative Denk\u00fcbungen, die dazu f\u00fchren sollen, die eigene Denkkraft wahrzunehmen und zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<p><em>\u201eBei einer fortw\u00e4hrenden St\u00e4rkung des Denkens durch Meditation kommt einmal der Moment, an dem w\u00e4hrend des konzentrierten Gebrauchs der Sinne diese Denkkraft wahrgenommen wird. &#8230; Die bewegende, flutende Denkkraft ist die Vereinigung zwischen dem Ich mit seinen Begriffen und der Welt mit ihren Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, weil sie beide ist. Sie lebt sowohl in den Begriffen als auch in den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten als wahrnehmbare Wirklichkeit. Im menschlichen Bewusstsein begegnet die Welt sich selbst.\u201c<\/em> (S. 148 ff)<\/p>\n<p>Wenn die Denkkraft in der Wahrnehmung erlebt werden kann, wird klar, wie das Denken immer unbewusst mit dem Wahrnehmen verbunden war. Im Denken sind es die Kategorien des Aristoteles, die das Chaos der Sinneseindr\u00fccke zu sinnvollen Vorstellungen gestalten. Diese formenden Denkkategorien leben aber nicht nur in unserem Denken, sondern gestalten auch als schaffende Kr\u00e4fte die Materie. Die Denkkraft wiederum lebt einerseits in der Wahrnehmung und beleuchtet auf der anderen Seite die Kategorien in unserem Denken.<\/p>\n<p><em>\u201eWenn die Denkkraft spricht, sehen wir die \u00dcbereinstimmung zwischen innen und au\u00dfen. Durch die sprechende Denkkraft werden die Begriffskategorien zum Schl\u00fcssel f\u00fcr das Tor, das den Geist und die Welt scheidet.\u201c<\/em> (S. 151)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Liebe<\/strong><\/p>\n<p>Diese schaffende Denkkraft gibt auch dem menschlichen Handeln seine Form. Auch hier geht es darum, den Zweifel zu \u00fcberwinden und Sicherheit in seinem T\u00e4tigsein zu entwickeln.<\/p>\n<p><em>\u201eK\u00f6nnen wir je sicher sein, dass wir das Gute tun?\u201c<\/em> (S. 180)<\/p>\n<p>Die Liebe verwirklicht sich auf verschiedenen Ebenen, z.B. als Liebe zu Dingen, Liebe in der Familie oder Liebe zum Volk. Dar\u00fcber gibt es eine h\u00f6here Form der Liebe, die Liebe zum reinen Denken:<\/p>\n<p><em>\u201eMan erlebt das in Sch\u00f6nheit schaffende Ich, das sich von den Banden der Sinne losgel\u00f6st hat und sich so gereinigt hat, dass es im sinnlichkeitsfreien Denken sch\u00f6pferisch t\u00e4tig werden kann.\u201c<\/em> (S. 188)<\/p>\n<p>Wie oben beschrieben, kann dieses reine Denken als bewusstgewordene Lebenskraft erlebt werden. Es steht also nicht abstrakt neben dem k\u00f6rperlichen Leben, sondern durchdringt alles Sinnliche auf geistige Weise. Wenn es gelingt, seine Handlungsimpulse aus dieser reinen Denkwelt zu sch\u00f6pfen, dann hat man das Mittel zur L\u00e4uterung der Instinkte und zu einem Handeln aus liebendem Denken oder denkender Liebe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor genau 30 Jahren erschien 1994 das erste deutschsprachige Buch von Mieke Mosmuller mit dem Titel Suche das Licht, das im Abendlande aufgeht. Es stellt die erkenntnistheoretische Grundlage f\u00fcr ihre weiteren B\u00fccher dar. Man findet darin keine abstrakte Theorie, sondern nachvollziehbare Schritte zum Erkennen des eigenen Selbst. 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