{"id":3958,"date":"2025-06-22T20:11:27","date_gmt":"2025-06-22T18:11:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/?p=3958"},"modified":"2025-06-22T20:11:27","modified_gmt":"2025-06-22T18:11:27","slug":"von-der-organischen-dreigliederung-zum-dreigliedrigen-sozialen-organismus-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/von-der-organischen-dreigliederung-zum-dreigliedrigen-sozialen-organismus-1\/","title":{"rendered":"Von der organischen Dreigliederung zum dreigliedrigen sozialen Organismus (1)"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3005\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/A9B535D3-D306-40EE-9CF1-6C76B842322A_4_5005_c.jpeg\" alt=\"\" width=\"252\" height=\"296\" \/><\/p>\n<p>Mit der organischen Dreigliederung ist der nach Kopf, Rumpf und unteren Menschen gegliederte menschliche Organismus gemeint. Dieser wurde von den G\u00f6ttern erschaffen, um den Menschenseelen das irdische Dasein zu erm\u00f6glichen. Als soziales Wesen lebt der irdische Mensch in einer sozialen Struktur, die in der Vergangenheit ebenso gottgegeben war. So erhielt die alt\u00e4gyptische Theokratie ihre soziale Struktur von der Priesterkaste \u00fcber g\u00f6ttliche Eingebungen. In den folgenden zwei bis drei Jahrtausenden wurden diese gesellschaftlichen Einrichtungen mehr oder weniger tradiert und beginnen sich seit der Neuzeit aufzul\u00f6sen. Jetzt liegt es in der Sch\u00f6pferkraft der Menschen, sich eine neue selbstgeschaffene soziale Struktur zu geben. Diese kann sich an der Betrachtung des naturgem\u00e4\u00dfen Organismus schulen und dann den sozialen Organismus nach dessen eigenen Gesetzen entwickeln. Bereits lange vor Rudolf Steiners Ausf\u00fchrungen zum sozialen Organismus war es \u00fcblich, von einem solchen zu sprechen. Bereits im Jahr 1860 erschien das Buch <em>Social Organism<\/em> vom englischen Soziologen Herbert Spencer. Ein Jahr vorher, 1859, war Darwins Hauptwerk <em>\u00dcber die Entstehung der Arten<\/em> erschienen, in dem er die Evolution der Arten unter den Gesetzen von Anpassung, Auslese und Kampf ums Dasein beschreibt. Spencer pr\u00e4gt den Begriff \u00absurvival of the fittest\u00bb und \u00fcbertr\u00e4gt diesen analogisierend ins Menschenreich. Die tierischen Instinkte werden zum Gewinntrieb im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf gemacht. Darwins Evolutionstheorie wird so zum Sozialdarwinismus, ohne dar\u00fcber nachzudenken, ob im Menschenreich nicht andere Gesetze als im Tierreich wirksam sind.<br \/>\nSteiner kann die Darwinschen Erkenntnisfortschritte \u00abauf allen Gebieten menschlichen Denkens als segensreich\u00bb w\u00fcrdigen, wenn diese dem darwinistischen Geiste gem\u00e4\u00df angewendet werden. (2) So ist die <em>Philosophie der Freiheit<\/em> (3) \u00abganz im Sinne des Darwinismus geschrieben\u00bb. Steiner schildert dort die verschiedenen Motivationsebenen der menschlichen Handlungen. Instinkte und Triebe stellen eine untergeordnete Sph\u00e4re dar, wo der Mensch in seinen Handlungen nicht frei ist, weil er noch von seiner biologischen Natur bestimmt wird. Dar\u00fcber liegt die Sph\u00e4re der Normen und Pflichtgebote. Dazu geh\u00f6rt zum Beispiel Kants kategorischer Imperativ, durch den sich der Mensch zwar nicht von Trieben, aber von eingepflanzten Normen bestimmen l\u00e4sst. Freiheit gibt es erst im Reich des reinen Denkens und dort sollte es keinen \u00abKampf ums Dasein\u00bb geben, weil: \u00abEin sittliches Missverstehen, ein Aufeinanderprallen ist bei sittlich freien Menschen ausgeschlossen. Nur der sittlich Unfreie, der dem Naturtriebe folgt, st\u00f6\u00dft den Nebenmenschen zur\u00fcck, wenn er nicht dem gleichen Instinkt und dem gleichen Gebot folgt. Der Freie lebt in dem Vertrauen darauf, dass der andere Freie mit ihm einer geistigen Welt angeh\u00f6rt und sich in seinen Intentionen mit ihm begegnen wird.\u00bb (4) Der tierische Kampf ums Dasein wandelt sich also beim nach Freiheit strebenden Menschen zum inneren Kampf mit den niederen Sph\u00e4ren der Triebe und Pflichtgebote. Nur durch deren \u00dcberwindung \u00f6ffnet sich der Weg zu moralischen Intuitionen als Voraussetzung eines friedlichen Zusammenlebens von freien Menschen. Die Evolution nimmt hier einen ganz anderen Verlauf als bei der Entstehung der tierischen Arten.<\/p>\n<p><strong>Staat als Organismus?<\/strong><br \/>\nDie Organismus-Analogie taucht in diversen Variationen auf. Ein Zeitgenosse von Steiner namens Sch\u00e4ffle (5) stellt zum Beispiel die These auf, der Staat sei ein Organismus und der B\u00fcrger dessen Zelle. Der Mensch ist aber weit mehr als nur Staatsb\u00fcrger. Er steht sogar au\u00dferhalb der staatlichen Einrichtungen von Gesetzen, Polizei und Milit\u00e4r, indem er sie selbst gestaltet als geistiges, sch\u00f6pferisches Wesen: \u00abdenn es entwickelt sich der Mensch \u00fcber alles Staatsleben hinaus, er kann nicht aufgehen wie die Zellen im einzelnen Organismus in diesem Staatsleben, sondern muss heraus. Das hei\u00dft, es muss Gebiete geben in der menschheitlichen Entwicklung, die nicht in den Staat fallen k\u00f6nnen. Man wird sehen, dass der Mensch hinausreichen muss in ein geistiges Gebiet, dass der Mensch nur in seiner unteren Verankerung in das Staatsleben hineinragen kann, aber nach oben in die geistige Welt.\u00bb (6) Diese verkehrte Analogie \u00abMensch als Zelle des Organismus Staat\u00bb wurde 1918 vom US-Pr\u00e4sidenten Woodrow Wilson in seinem \u00abFriedensprogramm\u00bb der 14 Punkte aufgegriffen und kam bei der Zerschlagung des Vielv\u00f6lkerstaates \u00d6sterreich-Ungarn zur praktischen Anwendung. Wilson postulierte mit seinem Schlagwort der \u00abSelbstbestimmung der V\u00f6lker\u00bb die Einrichtung von nach biologischen Aspekten getrennten Staaten. Rudolf Steiner bezeichnet es als \u00abUnsinn, dass ein einzelner Staat oder ein einzelnes Volksgebiet ein Organismus f\u00fcr sich sei\u00bb. (7) Das w\u00e4re \u00abschlimmster Wilsonianismus\u00bb und, wie die Geschichte gezeigt hat, Ausgangspunkt f\u00fcr kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Staaten. In einem Vortrag von 1918 sagt Steiner, dass man h\u00f6here Begriffe brauche als nur den Organismusbegriff, um die soziale Struktur zu begreifen. (8) Man solle sich das gesellschaftliche Zusammenleben \u00fcber den Organismus hinaus noch als Psychismus und Pneumatismus denken. Also den Organismus als leibliche Ebene der Weltwirtschaft, dar\u00fcber den seelischen Bereich des menschheitlichen Psychismus, der sich im internationalen Rechtsleben wie zum Beispiel ansatzweise in der UNO realisieren kann und dar\u00fcber den Pneumatismus, ein weltweites Geistesleben. Ein Beispiel daf\u00fcr w\u00e4re der von Rudolf Steiner vorgeschlagene Weltschulverein (9) als internationale Vereinigung des Geisteslebens.<\/p>\n<p><strong>\u00abVon Seelenr\u00e4tseln\u00bb<\/strong><br \/>\nDiese essentielle Dreigliederung nach Leib, Seele und Geist legt Rudolf Steiner zugrunde, wenn er den Blick richtet auf den \u00abkompliziertesten nat\u00fcrlichen Organismus\u00bb, den menschlichen Organismus. Im Buch <em>Von Seelenr\u00e4tseln<\/em> wird im Kapitel \u00abDie physischen und geistigen Abh\u00e4ngigkeiten der Menschen-Wesenheit\u00bb (10) der Zusammenhang zwischen Leib, Seele und Geist beschrieben. Ausgangspunkt ist die Frage, worauf die drei Seelenf\u00e4higkeiten leiblich beruhen? Nach Rudolf Steiners Forschungen braucht jede seelische T\u00e4tigkeit eine eigene leibliche Grundlage: Das Denken beruht auf dem Sinnes-Nerven-System, das F\u00fchlen h\u00e4ngt mit dem Atem-Kreislauf-System zusammen und das Wollen st\u00fctzt sich auf das Gliedma\u00dfen-Stoffwechsel-System.<br \/>\nBis heute hat sich diese dreigliedrige Anschauung jedoch nicht durchgesetzt, sondern es besteht immer noch die Meinung, das Nervensystem sei das leibliche Pendant <em>alles<\/em> Seelischen. Die materialistische Wissenschaft behauptet sogar, dass aus den stofflichen Prozessen des Nervensystems das Seelische erst hervorgebracht wird. Darauf beruht auch die Definition des Todes, der bereits mit dem Hirntod, also mit dem Tod des Nervensystems eintreten soll. Das zentrale Nervensystem wird mechanistisch als Zentralcomputer gedacht, der s\u00e4mtliche Seelent\u00e4tigkeiten steuert. \u00dcber die sensitiven Nerven gelangen die Informationen der Sinneseindr\u00fccke zur Verarbeitung ins Gehirn und sollen von diesem als Willensimpulse \u00fcber sogenannte motorische Nerven an die Organe weitergeleitet werden. Diese hypothetischen Vorstellungen haben drastische Auswirkungen auf das menschliche Zusammenleben, weil man sich dieses nach dem gleichen Prinzip denkt: Das soziale Zusammenleben soll in allen Bereichen durch das \u00abGehirn\u00bb einer zentralen Regierung gesteuert werden.<br \/>\nNach Rudolf Steiner existiert diese Nerven-Zentrale f\u00fcr alles Seelische nicht, sondern das Sinnes-Nerven-System stellt nur die Grundlage dar f\u00fcr den Teilbereich des Vorstellungsbewusstseins. Und das Wollen wird nicht \u00fcber die \u00abmotorischen\u00bb Nerven gesteuert, sondern greift direkt am Stoffwechsel an. Der sogenannte motorische Nerv unterscheidet sich nicht vom sensorischen Nerv, weil alle Nerven gleicherma\u00dfen sensorisch sind und der Wahrnehmung dienen:<br \/>\n\u00abEine gro\u00dfe Verwirrung hat f\u00fcr die Betrachtung aller dieser Dinge die Gliederung der Nerven in Empfindungsund motorische Nerven angerichtet. So fest verankert diese Gliederung in den gegenw\u00e4rtigen physiologischen Vorstellungen erscheint, sie ist nicht in der unbefangenen Beobachtung begr\u00fcndet. Was die Physiologie vorbringt auf Grund der Zerschneidung der Nerven, oder der krankhaften Ausschaltung gewisser Nerven beweist nicht, was auf Grundlage des Versuches oder der Erfahrung sich ergibt, sondern etwas ganz anderes. Es beweist, dass der Unterschied gar nicht besteht, den man zwischen Empfindungs- und motorischen Nerven annimmt. Beide Nervenarten sind vielmehr wesensgleich. Der sogenannte motorische Nerv dient nicht in dem Sinn der Bewegung wie die Lehre von dieser Gliederung es annimmt, sondern als Tr\u00e4ger der Nervent\u00e4tigkeit dient er der inneren Wahrnehmung desjenigen Stoffwechselvorganges, der dem Wollen zugrunde liegt, geradeso wie der Empfindungsnerv der Wahrnehmung desjenigen dient, was im Sinnesorgan sich abspielt. Bevor die Nervenlehre in dieser Beziehung mit klaren Begriffen arbeitet, wird eine richtige Zuordnung des Seelenlebens zum Leibesleben nicht zustande kommen.\u00bb (11) Damit ist das Gehirn als Steuerzentrale der Willensbewegungen nicht mehr relevant, sondern nur noch als Wahrnehmungsorgan, das die Abl\u00e4ufe der motorischen Bewegungen registriert.<br \/>\nWas beim Willensvorgang wirklich passiert, beschreibt Rudolf Steiner vom schauenden Bewusstsein aus: \u00abDas wirkliche Wollen, auch das in der physischen Welt sich verwirklichende, verl\u00e4uft in Regionen, die nur dem intuitiven Schauen zug\u00e4nglich sind; sein leibliches Gegenst\u00fcck hat mit seinem Inhalte fast gar nichts zu tun. In demjenigen geistig Wesenhaften, das der Intuition sich offenbart, ist enthalten, was sich aus vorangegangenen Erdenleben in die folgenden hin\u00fcber erstreckt.\u00bb (12) Der Wille kommt aus einer Sph\u00e4re, wo auch die karmischen Anlagen angesiedelt sind. Diese intuitiven Impulse sind rein geistiger Natur, so dass auch der Wille als rein geistige Intuition sich leiblich im Stoffwechsel realisieren und das Karma im Leibe wirken kann.<br \/>\nAuch die beiden anderen Seelenf\u00e4higkeiten haben ihren Ursprung im Geist: das F\u00fchlen entsteht aus Inspirationen und das Denken flie\u00dft aus lebendigen Imaginationen. Diese werden am Gehirn gespiegelt und abgel\u00e4hmt und treten so f\u00fcr das gew\u00f6hnliche Bewusstsein als Vorstellungen ins Bewusstsein. Die eigentliche Realit\u00e4t des Denkens liegt also auf der geistigen imaginativen Ebene und wird zu den abgel\u00e4hmten Vorstellungen auf der seelischen Ebene. Auf der geistigen Ebene sind es kraftende Geistimaginationen.<\/p>\n<p><strong>Leiblich-organische Dreigliederung<\/strong><br \/>\nWie gestaltet sich jetzt die leiblich-organische Dreigliederung? Es gibt die genannten drei Systeme ohne einheitliche Zentrale. Deren T\u00e4tigkeiten durchdringen sich in allen Organen. Jedes System hat eigene Quellorgane, das Sinnes- Nerven-System in der Kopforganisation und verbreitet sich von dort im ganzen K\u00f6rper, so dass \u00fcberall Nervenfunktionen wirksam sind. Quellorte der mittleren Organisation sind Lunge und Herz: Blutgef\u00e4\u00dfe durchdringen den ganzen K\u00f6rper und transportieren unter anderem Sauerstoff und Kohlendioxid. Und \u00abStoffwechselt\u00e4tigkeit ist im ganzen Organismus vorhanden; sie durchdringt die Organe des Rhythmus und diejenigen der Nervent\u00e4tigkeit.\u00bb (13) Zwischen Kopforganisation und dem unteren Stoffwechsel-System besteht eine starke Polarit\u00e4t. Der Kopf ist erstarrt zur kn\u00f6chernen Sch\u00e4delkapsel, worin das Gehirn ruhig im Gehirnwasser schwimmt. Diese Tendenz zur Verfestigung ist verbunden mit der Orientierung auf die Umwelt. Diese baut sich in den Sinnesorganen wie in den Menschen hinein. Dazu muss das Gehirn als Zentralorgan des Nervensystems st\u00e4ndig von au\u00dferhalb mit Stoffen und Energie versorgt werden. Bereits nach kurzer Unterversorgung sterben die Nervenzellen ab. Polar dazu stehen die Stoffwechselorgane, die ununterbrochen besch\u00e4ftigt sind mit der Umwandlung von Fremdsubstanz in Eigensubstanz. Damit kann der Leib gegen\u00fcber der Umwelt als eigene Organisation aufrechterhalten werden. Diese gr\u00f6\u00dfte chemische Beweglichkeit der Organe und auch der leiblichen Motorik der Gliedma\u00dfen vertr\u00e4gt keine Verfestigungen. Diese erscheinen als Krankheitsprozesse in Nieren, Blasenund Gallensteinen. Die Polarit\u00e4t eines Organismus kann man somit in den Begriffen Aufbau und Abbau zusammenfassen. Die beiden Glieder des mittleren Systems haben einen vermittelnden Charakter und richten sich im Atmungssystem einerseits zum Kopfpol hin; das Kreislaufsystem ist mehr nach unten, zum Stoffwechsel hin orientiert.<\/p>\n<p><strong>Die Frage der Mitte<\/strong><br \/>\nWolfgang Schad (14) hat sich mit der Frage befasst, ob die drei Teilglieder in sich ebenso dreigegliedert sind wie der ganze Organismus mit den beiden Polen und seiner Mitte? Er kommt zum Ergebnis, dass die zwei polaren Systeme selbst dreigliedrig strukturiert sind. Als Mitte des Sinnes-Nerven-Systems findet er die Sprachorganisation, die mit der Vorstellungsbildung durch das Gehirn, wie auch mit der Umweltorientierung der Sinne gleicherma\u00dfen verkn\u00fcpft ist. Und als Mitte des Gliedma\u00dfen-Stoffwechsel-Systems kann die Sexualorganisation angesehen werden. Hier findet im Aufbau des Embryos eine gewaltige Stoffwechselleistung statt, die schlie\u00dflich in die Gliedma\u00dfenwelt entlassen wird. Wie verh\u00e4lt sich das mittlere System?<br \/>\nDas Rumpfsystem bleibt organisch betrachtet polar; hier kann keine physische Mitte gefunden werden, daf\u00fcr aber eine Zeitgestalt! Diese besteht im Rhythmus zwischen Atem und Kreislauf von 1:4 \u2013 auf einen Atemzug kommen vier Pulsschl\u00e4ge. Dieser \u00abideale\u00bb Rhythmus wird vor allem in der n\u00e4chtlichen Regenerationsphase erreicht. (15) Au\u00dferdem ist das mittlere System an den kosmischen Rhythmus des Durchlaufs der Sonne durch die Tierkreiszeichen angebunden. (18) Atemz\u00fcge in der Minute summieren sich am Tag auf 25\u2018920, die Zeit, die der Fr\u00fchlingspunkt, das ist der Aufgangspunkt der Sonne zu Fr\u00fchlingsbeginn, zum Durchlaufen der 12 Tierkreiszeichen braucht. Das Weltenjahr hat die gleiche Zahl wie der atmende Mensch! An diesem Zusammenhang zwischen mikrokosmischem Menschenleib und makrokosmischem Weltenleben kann man Staunen und Ehrfurcht lernen!<\/p>\n<p><strong>Der nat\u00fcrliche und der soziale Organismus<\/strong><br \/>\nWieso vergleicht Rudolf Steiner in den <em>Kernpunkten<\/em> (16) den sozialen Organismus mit dem menschlichen Organismus?<br \/>\nWeil der soziale Organismus nicht gegeben ist, sondern von den Menschen erst geschaffen werden muss, soll man an der Betrachtung des Natur-Organismus sein Empfinden und Denken f\u00fcr die Dreigliedrigkeit schulen: \u00abDass das menschliche Denken, das menschliche Empfinden lerne, das Lebensm\u00f6gliche an der Betrachtung des naturgem\u00e4\u00dfen Organismus zu empfinden, und dann diese Empfindungsweise anwenden k\u00f6nne auf den sozialen Organismus.\u00bb (17) Da kann das Wesen des Organisch-Lebendigen erlebt werden, das entstehen, wachsen, aber auch sterben muss, damit wieder neues Leben entstehen kann. Dieser Kreislauf von aufbauenden und abbauenden Prozessen ist der Kern des Vergleichs.<br \/>\nRein logisch w\u00fcrde sich der Verstand den Vergleich wie folgt aufbauen: Das Nervensystem ist die leibliche Grundlage f\u00fcr das Denken \u2013 also entspricht das Geistesleben dem Nervensystem. Und das Wirtschaftsleben, in dem Waren hergestellt, gehandelt und konsumiert werden, m\u00fcsste man mit dem Stoffwechselsystem vergleichen, wo etwas \u00c4hnliches in Ern\u00e4hrung und Verdauung stattfindet.<br \/>\nSteiner stellt den sozialen Organismus aber auf den Kopf und sagt, was beim Menschen Sinne und Nerven sind, dem entspricht im Sozialen das Wirtschaftsleben und das, was im Menschen Stoffwechsel ist, vergleicht er im Sozialen mit dem Geistesleben. Verst\u00e4ndlich wird das, wenn man die beiden Pole jeweils in der Beziehung von Aufbau und Abbau sieht. Der Kopfpol wird von Abbauprozessen beherrscht und der Stoffwechselpol leistet den dazugeh\u00f6rigen Aufbau. So wie bei Bewusstseinsprozessen in den Nerven wirklich ein physischer Abbau stattfindet und das Gehirn permanent vom Stoffwechsel versorgt werden muss, so kann sich auch das Wirtschaftsleben nicht selbst erhalten, sondern ist auf die aufbauenden Kr\u00e4fte aus dem Geistesleben angewiesen. So werden zum Beispiel in der Landwirtschaft die Ackerb\u00f6den durch die intensive Nutzung ausgelaugt und verlieren ihre urspr\u00fcnglich vorhandene Fruchtbarkeit. Diese kann nur durch Ideen aus dem Geistesleben wieder aufgebaut werden, wie etwa durch die biologisch-dynamischen Pr\u00e4parate. Auch die Giftstoffe, die sich immer mehr in den B\u00f6den ansammeln, k\u00f6nnten durch geeignete Pr\u00e4parate \u00aberl\u00f6st\u00bb werden. Im industriellen Bereich ist der Abbau sichtbar im Aufbrauchen der begrenzt vorhandenen Rohstoffe. Auch hier ist das Wirtschaftsleben zuk\u00fcnftig auf neue Ideen, Erfindungen und Techniken aus dem Geistesleben angewiesen. Der Vergleich liegt also in den Funktionen Aufbau und Abbau oder Wachstum und Absterben.<br \/>\nIn einem Gespr\u00e4ch am 15.02.1919 stellte Roman Boos (18) an Rudolf Steiner die Frage: \u00abKann man die alten drei Prinzipien mit den drei Gliedern des sozialen Organismus zusammenbringen, indem man das Recht als Salz, die Wirtschaft als Mercurius und das Geistesleben als Sulphur nimmt?\u00bb Steiners Antwort: \u00abMan muss da vorsichtig sein. Beim Einzelmenschen entspricht: Sal dem Kopf, Mercurius der Brust und Sulphur dem unteren Menschen; beim sozialen K\u00f6rper aber: Sulphur dem Geistesleben, Mercurius dem Recht, Sal der Wirtschaft.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3007 size-full\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/2525ED20-548B-4BCF-AFCA-ED62B0FBF231_4_5005_c.jpeg\" alt=\"\" width=\"372\" height=\"301\" srcset=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/2525ED20-548B-4BCF-AFCA-ED62B0FBF231_4_5005_c.jpeg 372w, https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/2525ED20-548B-4BCF-AFCA-ED62B0FBF231_4_5005_c-300x243.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/><\/p>\n<p>Aus: Hans K\u00fchn: Dreigliederungszeit<\/p>\n<p>Au\u00dferdem muss man noch das Verh\u00e4ltnis des Einzelmenschen und des Gesellschaftsk\u00f6rpers je zueinander in Betracht ziehen, und da bedeutet: Sal den \u2039Gesellschaftsk\u00f6rper\u203a, Sulphur das \u2039Individuum\u203a und \u2039dazwischen\u203a ist Mercurius. Der soziale K\u00f6rper steht auf dem Kopf&#8230;\u00bb<br \/>\nEs bleibt die Frage, was Steiner mit dem \u00abdazwischen\u00bb meint in der dritten genannten Beziehung zwischen individuellem Mensch und sozialem Organismus? Das Individuum ist der t\u00e4tige Prozess, als Sulphur bezeichnet und die Gesellschaft ist Sal, die aus dem Prozess geronnene Gestalt. Der zwischen Individuum und Sozialk\u00f6rper vermittelnde Bereich ist Mercurius. Was kann man sich darunter vorstellen? Eine Antwort darauf gibt Steiner dreieinhalb Jahre sp\u00e4ter in den letzten Vortr\u00e4gen zur sozialen Dreigliederung (19): \u00abWorauf es ankommt, ist, dass man einmal klar sieht. Die Leute haben gesagt: Der Mensch ist das Produkt der Verh\u00e4ltnisse; wie die sozialen Verh\u00e4ltnisse, die sozialen Einrichtungen ringsherum sind, so ist der Mensch. Andere haben gesagt: Die sozialen Verh\u00e4ltnisse sind so, wie die Menschen sie sich gemacht haben. \u2013 Alle diese Lehren sind ungef\u00e4hr so klug, als wenn jemand sagt oder fragt: Ist der physische Mensch das Produkt seines Kopfes oder das Produkt seines Magens? Der physische Mensch ist eben weder das Produkt seines Kopfes noch das Produkt seines Magens, sondern das Produkt der fortw\u00e4hrenden Wechselwirkung zwischen Kopf und Magen. Die m\u00fcssen immer zusammenwirken. Der Kopf ist Ursache und Wirkung; der Magen ist Ursache und Wirkung. Und wenn wir tiefer eingehen auf die menschliche Organisation, so finden wir sogar, dass der Magen vom Kopf gemacht wird; denn im embryonalen Leben entsteht zuerst der Kopf, und dann bildet sich erst der Magen; und dann wiederum macht der Magen den Organismus. So m\u00fcssen wir nicht fragen: Sind die Verh\u00e4ltnisse, das Milieu die Ursache, dass die Menschen so und so sind? Oder sind es die Menschen, die das Milieu, die Verh\u00e4ltnisse gemacht haben? Wir m\u00fcssen uns klar sein, dass jedes Ursache und Wirkung ist, dass alles ineinanderwirkt, und dass wir vor allen Dingen heute die Frage auf werfen m\u00fcssen: Was f\u00fcr Einrichtungen m\u00fcssen da sein, damit die Menschen die richtigen Gedanken haben k\u00f6nnen in sozialer Beziehung? Und was f\u00fcr Gedanken m\u00fcssen da sein, damit im Denken auch diese richtigen sozialen Einrichtungen entstehen?<br \/>\nDie Menschen haben n\u00e4mlich gerade, wenn es auf das \u00e4u\u00dfere praktische Leben ankommt, die Ansicht: Erst kommt dieses, dann kommt dieses. Damit kommt man in der Welt nicht vorw\u00e4rts. Man kommt nur vorw\u00e4rts, wenn man im Kreise denkt. Da denken aber die meisten Menschen: Da geht einem ein M\u00fchlrad im Kopfe herum. Das k\u00f6nnen sie nicht. Man muss im Kreise denken; man muss sich denken, wenn man die \u00e4u\u00dferen Verh\u00e4ltnisse anschaut, sie sind vom Menschen gemacht, aber sie machen auch die Menschen; oder wenn man die menschlichen Handlungen anschaut, sie machen die \u00e4u\u00dferen Verh\u00e4ltnisse, aber werden auch wiederum getragen von den \u00e4u\u00dferen Verh\u00e4ltnissen. Und so m\u00fcssen wir fortw\u00e4hrend mit unseren Gedanken hin- und hertanzen, wenn wir die Wirklichkeit haben wollen. Und das wollen die Menschen nicht. Die Menschen m\u00f6chten, wenn sie irgend etwas anordnen, vor allen Dingen ein Programm: Erstens, zweitens, drittens bis zw\u00f6lftens meinetwegen, und zw\u00f6lf ist das letzte und eins ist das erste.\u00bb Das Verh\u00e4ltnis zwischen Mensch und Einrichtung ist also von einer wechselseitigen Kausalit\u00e4t bestimmt. Je nach Entwicklungsphase der Menschen ist eine bestimmte Einrichtung passend. So steht die Kastengesellschaft der \u00e4gyptischen Theokratie in \u00dcbereinstimmung mit der Entwicklungsphase der Empfindungsseele. In der heutigen Bewusstseinsseelenzeit st\u00fclpt sich diese St\u00e4ndegliederung der Menschen um in eine Gliederung der Einrichtungen, an denen jeder Mensch gleicherma\u00dfen Anteil hat und die nur durch seine Sch\u00f6pferkraft zur Realit\u00e4t werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>_____________________<br \/>\n1 \u00dcberarbeiteter Vortrag vom <em>Europ\u00e4ersamstag<\/em>, 06-11-2021<br \/>\n2 GA31, <em>Die Soziale Frage<\/em>, S. 248,<br \/>\n3 GA4<br \/>\n4 GA4 S. 166<br \/>\n5 GA23 S. 59<br \/>\n6 GA174b S. 228, 13.05.1917 in Stuttgart<br \/>\n7 GA188 S. 190, 26.01.1919 in Dornach<br \/>\n8 GA181 S. 357, 16.07.1918 in Berlin<br \/>\n9 GA297a S. 33, 24.02.1921 in Utrecht<br \/>\n10 GA21 S. 150 ff.<br \/>\n11 GA21 S. 159<br \/>\n12 GA21 S. 161<br \/>\n13 GA21 S. 161<br \/>\n14 <em>S\u00e4ugetiere und Mensch<\/em>, Wolfgang Schad, Stuttgart 2012<br \/>\n15 <em>S\u00e4ugetiere und Mensch<\/em>, Wolfgang Schad, Stuttgart 2012, S. 30<br \/>\n16 GA23, Die Kernpunkte der sozialen Frage<br \/>\n17 GA23 S. 60<br \/>\n18 <em>Dreigliederungszeit<\/em>, Hans Kuhn, Dornach 1978, S. 224<br \/>\n19 GA305 S. 228, 29-08-1922 in Oxford<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der organischen Dreigliederung ist der nach Kopf, Rumpf und unteren Menschen gegliederte menschliche Organismus gemeint. Dieser wurde von den G\u00f6ttern erschaffen, um den Menschenseelen das irdische Dasein zu erm\u00f6glichen. Als soziales Wesen lebt der irdische Mensch in einer sozialen Struktur, die in der Vergangenheit ebenso gottgegeben war. So erhielt die alt\u00e4gyptische Theokratie ihre soziale [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":3007,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[33],"tags":[],"class_list":["post-3958","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3958"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3958\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3959,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3958\/revisions\/3959"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3007"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}