{"id":3682,"date":"2022-11-30T00:00:00","date_gmt":"2022-11-29T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/der-soziale-organismus-die-gleichheit-vortrag-rotterdam\/"},"modified":"2025-06-22T14:47:14","modified_gmt":"2025-06-22T12:47:14","slug":"der-soziale-organismus-die-gleichheit-vortrag-rotterdam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/der-soziale-organismus-die-gleichheit-vortrag-rotterdam\/","title":{"rendered":"Der soziale Organismus, die Gleichheit &#8211; Vortrag Rotterdam"},"content":{"rendered":"<p>Das letzte Mal stand, was den sozialen Organismus betrifft, <em>der wirkende Geist an Stelle des gedachten Geistes<\/em> im Mittelpunkt, das bedeutet das freie Geistesleben. Ich hatte damals ein Zitat von Rudolf Steiner mitgenommen, worin er sagt, dass der Impuls, der f\u00fcr die soziale Dreigliederung da war, nicht wirklich aufgenommen wurde und er sagt dann sehr deutlich: Wir k\u00f6nnen nicht ohne weiteres mit diesem Impuls so weiter. Worauf es nun erst einmal ankommt ist, dass das freie Geistesleben, das Geistesleben <em>des wirkenden Geistes an Stelle des gedachten Geistes<\/em> das Licht der Welt erblickt.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sagt Rudolf Steiner, etwa zwei Jahre nachdem das Buch <em>Die Kernpunkte der sozialen Frage<\/em> heraus gekommen ist, ungef\u00e4hr das Folgende: Wenn ich die soziale Dreigliederung jetzt in der Welt einf\u00fchren m\u00fcsste, dann m\u00fcsste ich das Buch eigentlich neu schreiben. So schnell ver\u00e4ndert die Situation sich. Und in unserer Zeit nimmt man das Buch einfach in die Hand und meint, dass es jetzt noch die gleiche G\u00fcltigkeit hat wie damals, als es geschrieben wurde. Es wird nicht in diese Zeit verlegt.\u00a0Das freie Geistesleben hat sich in einem Jahrhundert nicht sehr viel ver\u00e4ndert, obwohl die Freiheit als M\u00f6glichkeit an sich schon etwas zur\u00fcckgeblieben ist, der wirkliche Punkt der Freiheit lag am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, und so viele Jahre sp\u00e4ter, wo wir nun sind, muss man das eine oder andere daran hinzuf\u00fcgen, um diesen Punkt dann aufs Neue doch noch erreichen zu k\u00f6nnen.\u00a0Aber an sich ist das freie Geistesleben noch zu erreichen, noch immer durch das intensive Entwickeln des Denkens, wobei der Wille, also das Element in unserem dreigliedrigen Menschenwesen, das handeln will, das aktiv sein will, in das Denken gebracht wird und dass man lernt so zu denken, als ob man geht, k\u00f6nnte man sagen, als ob man ganz in den Gedanken darin ist und diese dann von innen zum Gehen bringt. Auch hat sich das Ph\u00e4nomen der individuellen Begabung &#8211; was zum freien Geistesleben geh\u00f6rt &#8211; an sich nicht ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Heute wollen wir uns dann besch\u00e4ftigen mit dem zweiten Glied des sozialen Organismus. In Anbetracht dessen, was ich eben gesagt habe, f\u00fchle ich mich jetzt, hundert Jahre sp\u00e4ter, ziemlich machtlos bez\u00fcglich der bestehenden Literatur. Es ist nicht ausreichend, auf die bestehende Literatur zur\u00fcckzugreifen und diese zu wiederholen. Aber was nat\u00fcrlich trotzdem geht ist, dass wir uns zusammen nochmals\u00a0intensiv darauf besinnen, was das Mittelgebiet im sozialen Organismus nun genau ist und wie wir als Menschen in unserer Zeit mit Sicherheit Schritte setzen k\u00f6nnen, um in dieses zweite Glied des sozialen Organismus eine gewisse Klarheit zu bringen. Obwohl diese Dreigliederung dann nicht eingef\u00fchrt ist, wenn sie im Prinzip begriffen wird, ist sie in gewissem Sinn doch auf der Erde.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" style=\"display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Mieke_Mosmuller_2013.jpg\" alt=\"Mieke_Mosmuller_2013\" \/><br \/>\nMieke Mosmuller<\/p>\n<p>Wo das Geistesleben das Element der Freiheit ist und das wirtschaftliche Leben das Element der Br\u00fcderlichkeit, haben wir im Mittelgebiet das Element der Gleichheit. Dieses sollte sich verk\u00f6rpern im Gebiet des Rechtslebens und des Staates. Aber der Staat besteht nat\u00fcrlich doch aus Individuen, aus Menschen, die alle miteinander in der Gleichheit versuchen mussten zu leben. Und dar\u00fcber k\u00f6nnen wir es dann heute Abend sicher haben, obwohl wir kein neues Rechtssystem bauen k\u00f6nnen. Das andere ist, dass man sich darauf besinnt, was der Mensch mit dem Rechtsleben zur Verf\u00fcgung hat und wie das in unserer Zeit wirksam werden\u00a0sollte.<\/p>\n<p>Wenn man aus den medizinischen Vortr\u00e4gen von Rudolf Steiner den menschlichen Organismus kennenlernt, dann lernt man den menschlichen Organismus als ein dreigegliedertes Wesen kennen. Das zentrale Nervensystem mit den Sinnen ist der Teil des menschlichen Organismus, der der aller\u00e4lteste und dadurch am vollkommensten ist. Es sind Organe, die zwar nicht v\u00f6llig vollkommen sind, sich aber doch in der N\u00e4he der Vollkommenheit befinden. Wir m\u00fcssen die Anlage hierf\u00fcr ganz zur\u00fcckdenken in die Verk\u00f6rperung des Planeten, den wir als alten Saturn kennen.\u00a0In uns stammt die W\u00e4rme noch immer vom alten Saturn her und in diesem W\u00e4rmeelement haben wir auch unsere\u00a0Gedanken.<\/p>\n<p>Das zweite Glied im menschlichen dreigegliederten Organismus ist das rhythmische System &#8211; Atmung und Blutumlauf, Lunge und Herz. Die m\u00fcssen wir uns vorstellen als angelegt in der Entwicklungsphase der alten Sonne.<\/p>\n<p>Das dritte Glied ist das Gebiet des Stoffwechsels. Dieser fand seine erste Anlage in der Phase des alten Mondes. Man kann fast dasselbe Wort auch im <em>Handel<\/em> verwenden, Wechsel von Stoffen.<\/p>\n<p>Dann ist das vierte Glied das eigentliche irdische Dasein.\u00a0Hier bekommen wir die M\u00f6glichkeit, um uns zu bewegen, das ist durchaus eine M\u00f6glichkeit, die mit unseren Armen und Beinen zu tun hat und das ist eine echte Erdenerrungenschaft.<\/p>\n<p>Rudolf Steiner erl\u00e4utert nun in medizinisch-gesundheit-lichen Vortr\u00e4gen, dass eigentlich alle Krankheiten aus bestimmten Probleme im System des Stoffwechsels entstehen.\u00a0Die Heilung der Probleme findet im rhythmischen System statt. So sagt er, das ist sehr sch\u00f6n, dass die gro\u00dfe kosmische Entwicklung den <em>Arzt<\/em> (Alte Sonne) fr\u00fcher geschickt hat als den <em>Patienten<\/em> (Alter Mond). Wir haben den Heiler fr\u00fcher empfangen als die Krankheit.<\/p>\n<p>Der Vergleich ist nicht ganz richtig, aber es ist erhellend, wenn man sich den Menschen mit seinem, eigentlich vier-gliedrigen Organismus, aber lasst uns sagen Kopf, Stoffwechsel und dazwischen das rhythmische System, wenn man darin ein Gleichnis sieht zur Dreigliederung des sozialen Organismus. Wenn man sich weiter darin vertieft, dann wird es doch etwas komplizierter, aber als ersten Ausgangspunkt ist das sehr gut, um nebeneinander zu stellen:\u00a0Haupt, Brust, Bauch &#8211; freies Geistesleben, Rechtsleben, Wirtschaftsleben.<\/p>\n<p>In \u00e4hnlicher Art kann man sicher auch sagen, dass die Krankheit des sozialen Organismus nie seine Heilung finden kann durch ein Ansetzen bei der Wirtschaft, weil diese eigentlich die Ursache aller Krankheit ist. Man muss deshalb anderswo suchen gehen, und zwar im rhythmische System.\u00a0Man muss den Rhythmus so beeinflussen k\u00f6nnen, dass er heilsam wird, auch wie er zum Beispiel seine Impulse aus dem zentralen Nervensystem und den Sinnen empf\u00e4ngt.\u00a0Das ist eine ganze Kunst&#8230;. Wenn man ein wenig Gef\u00fchl daf\u00fcr entwickelt hat, dann f\u00fchlt man doch auch, wie die Dreigliederung des sozialen Organismus miterlebt werden muss und wie hier Krankheir und Gesundheit herrschen.\u00a0Wenn man zur Tierwelt schaut, dann sieht man da zweifellos eine sehr deutliche Ordnung im sozialen Leben. Die\u00a0Tiere ordnen das soziale Leben aus ihrem Instinkt und tun das gewisserma\u00dfen makellos. Das ist f\u00fcr den Menschen nicht immer verst\u00e4ndlich, wir haben nat\u00fcrlich andere moralische Prinzipien, aber wenn man davon nicht ausgeht und man schaut echt danach, was in der Tierwelt an Gleichgewichtigkeit lebt, dann sieht man, dass in der Tierwelt ein Rechtssystem nicht n\u00f6tig ist. Da ist das Rechtssystem mit den Instinkten gegeben und man kann dann auch verstehen, dass in der Menschheitsentwicklung auch eine Phase gewesen ist, in der fernen Vergangenheit, dass ein Rechtssystem nicht n\u00f6tig war, dass auf eine ganz andere Art die Ordnung gehandhabt wurde und gesorgt wurde f\u00fcr das gleiche Wohlergehen aller, und dass dort ein System von Gesetzen absolut nicht angemessen war.<br \/>\nIch werde ein St\u00fcck Geschichte des Rechtslebens geben.\u00a0So kennen wir die eindrucksvolle Stelle im Alten Testa-ment, wo Moses die Steintafeln empf\u00e4ngt. Paulus verweist jedoch zu Christus und hat eine sehr spezielle Auffassung des Gesetzes. Aber erst ist es so, <em>dass durch Moses das Gesetz von Gott<\/em> empfangen wird und was in diesem Gesetz ma\u00dfgebend wird, daran hat der Mensch sich zu halten. Das Gesetz besteht aus zehn allgemeinen Geboten, und dann kommen noch eine ganze Reihe von Regeln, k\u00f6nnte man sagen, die dann in der j\u00fcdischen Praxis festgehalten werden und die ansonsten keine G\u00fcltigkeit haben.<\/p>\n<p>Sie stehen an zwei Stellen, im Exodus und im Deuteronomium. Ich habe Exodus genommen<\/p>\n<p><em>1 Und Gott redete alle diese Worte:<\/em><br \/>\n<em>2 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus \u00c4gyptenland, aus der Knechtschaft, gef\u00fchrt habe.<\/em><br \/>\n<em>3 Du sollst keine anderen G\u00f6tter haben neben mir.<\/em><br \/>\n<em>4 Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist:<\/em><br \/>\n<em>5 Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der V\u00e4ter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen,<\/em><br \/>\n<em>6 aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.<\/em><br \/>\n<em>7 Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht miss-brauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.<\/em><br \/>\n<em>8 Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst.<\/em><br \/>\n<em>9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.<\/em><br \/>\n<em>10 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht\u00a0dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.<\/em><br \/>\n<em>11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.<\/em><br \/>\n<em>12 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.<\/em><br \/>\n<em>13 Du sollst nicht to\u0308ten.<\/em><br \/>\n<em>14 Du sollst nicht ehebrechen.<\/em><br \/>\n<em>15 Du sollst nicht stehlen.<\/em><br \/>\n<em>16 Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Na\u0308chsten.<\/em><br \/>\n<em>17 Du sollst nicht begehren deines Na\u0308chsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Na\u0308chsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel, noch alles, was dein Na\u0308chster hat.<\/em><br \/>\n<em>18 Und alles Volk sah den Donner und die Blitze und den Ton der Posaune und den Berg rauchen. Als sie aber solches sahen, flohen sie und blieben in der Ferne stehen<\/em><br \/>\n<em>19 und sprachen zu Mose: Rede du mit uns, wir wollen ho\u0308ren; aber lass Gott nicht mit uns reden, wir ko\u0308nnten sonst sterben. 20 Mose aber sprach zum Volk: Fu\u0308rchtet euch nicht, denn Gott ist gekommen, euch zu versuchen, damit ihr\u2018s vor Augen habt, wie er zu fu\u0308rchten sei, und ihr nicht su\u0308ndigt.<\/em><br \/>\n<em>21 So stand das Volk von ferne, aber Mose nahte sich dem Dunkel, darinnen Gott war.<\/em><br \/>\n<em>22 Und der HERR sprach zu ihm: So sollst du den Israeliten sagen: Ihr habt gesehen, dass ich mit euch vom Himmel geredet habe.<\/em><br \/>\n<em>23 Darum sollt ihr euch keine andern Go\u0308tter neben mir machen, weder silberne noch goldene sollt ihr euch machen.<\/em><br \/>\n<em>24 Einen Altar von Erde mache mir, auf dem du dein Brand- opfer und Dankopfer, deine Schafe und Rinder, opferst. An jedem Ort, wo ich meines Namens gedenken lasse, da will ich zu dir kommen und dich segnen.<\/em><br \/>\n<em>25 Und wenn du mir einen steinernen Altar machen willst, sollst du ihn nicht von behauenen Steinen bauen; denn wenn du mit deinem Mei\u00dfel daru\u0308berkommst, entweihst du sie.<\/em><br \/>\n<em>26 Du sollst auch nicht auf Stufen zu meinem Altar hinaufsteigen, dass nicht deine Blo\u0308\u00dfe aufgedeckt werde vor ihm.<\/em><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 5\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Und so kommt das Gesetz, das Gebot von Gott zum Menschen.<\/p>\n<p><em>Buddha<\/em> kommt auf Erden und er bringt mit seiner Lehre von Liebe und Mitleid eine Art Pra\u0308ludium, ein Vorspiel auf das- jenige, was dann in unserer Zeit vielleicht erworben werden ko\u0308nnte, na\u0308mlich ein selbststa\u0308ndiges rechtschaffenes Innerliches, das bedeutet, eine vo\u0308llig eigensta\u0308ndige Gerechtigkeit. Ich zitiere eine kleine Buddha Legende:<br \/>\n<em>\u201aIch bin arm und schwach\u2018 sprach einst ein Meister zu seinen\u00a0Schu\u0308lern, \u201aaber ihr seid jung und ich habe euch jahrelang gelehrt. Nun finde ich es eure Pflicht, Geld zu sammeln, das euer alter Meister beno\u0308tigt, um davon zu leben\u2018.<\/em><br \/>\n<em>\u201aWie ko\u0308nnen wir das vollbringen?\u2018, fragten ihn seine Schu\u0308ler, \u201adie Menschen in dieser Stadt sind so geizig, dass es vergeblich sein wu\u0308rde bei ihnen anzuklopfen.\u2018<\/em><br \/>\n<em>\u201aMeine Schu\u0308ler\u2018, antwortete der Meister, \u201aes gibt eine Methode an Geld zu kommen, und das ist nicht danach zu fragen, aber es sich zu nehmen. Es ist fu\u0308r uns keine Su\u0308nde zu stehlen, wo es uns mehr zusteht als vielen anderen. Aber leider bin ich selbst zu alt, um das zu tun\u2018.<\/em><br \/>\n<em>\u201aWir sind noch jung\u2018, sprachen die Schu\u0308ler, \u201awir ko\u0308nnen es tun, es gibt nichts, was wir nicht fu\u0308r euch tun wollten, geliebter Meister. Sag uns, wie wir es anpacken mu\u0308ssen und wir werden euch gehorchen\u2018<\/em><br \/>\n<em>\u201aIhr seid noch jung\u2018, antwortete der Meister, \u201aes ist eine Kleinig- keit fu\u0308r euch einen reichen Mann zu u\u0308berfallen und ihm seine Geldbo\u0308rse abzunehmen, ihr mu\u0308sst es folgenderma\u00dfen tun, sucht einen abgelegenen Ort, wo niemand euch sieht, ergreift den erstbesten Vorbeiga\u0308nger und nehmt ihm sein Geld ab, aber tut ihm weiter nichts an.\u2018<\/em><br \/>\n<em>Wir werden sogleich damit beginnen\u2018, sagten alle Schu\u0308ler, au\u00dfer einem, der mit niedergeschlagenen Augen nichts gesagt hatte. Der Meister schaute ihn an und sagte:<\/em><br \/>\n<em>\u201aMeine anderen Schu\u0308ler sind mutig und bereit zu helfen, aber du ku\u0308mmerst dich ganz und gar nicht um das Leiden deines Meisters\u2018.<\/em><br \/>\n<em>\u201aVergib mir Meister\u2018, antwortete der Schu\u0308ler, \u201ader Plan, den ihr uns vorschlagt, scheint mir nicht durchfu\u0308hrbar, und das ist der Grund meines Schweigens\u2018.<\/em><br \/>\n<em>\u201aWarum ist er undurchfu\u0308hrbar?\u2018, sagte der Meister.<\/em><br \/>\n<em>\u201aWeil es nirgendwo einen Ort gibt, wo niemand zusieht. Selbst wenn ich ganz allein bin, werde ich beobachtet durch mein Selbst. Lieber na\u0308hme ich eine Schale mit, um betteln zu gehen, als mir zu erlauben mein Selbst zusehen zu lassen, wie ich stehle.\u2018<\/em><br \/>\n<em>Bei diesen Worten leuchtete das Antlitz des Meisters auf, er nahm den jungen Schu\u0308ler in seinen Arm und dru\u0308ckte ihn. \u201aIch bin glu\u0308cklich, dass unter meinen Schu\u0308lern zumindest einer ist, der meine Worte verstanden hat\u2018, sprach er. Seine anderen Schu\u0308ler hingegen, die nun begriffen, dass ihr Meister sie nur auf die Probe stellen wollte, neigten ihre Ha\u0308upter in tiefer Scham. Seit diesem Tag, sollten jemals unwu\u0308rdige Gedanken in ihrem Geist aufkommen, werden sie augenblicklich erinnert an die Worte des Mitschu\u0308lers: Ich selbst beobachte mich die ganze Zeit. So werden sie Ma\u0308nner von Gold und sie lebten alle noch lange.<\/em><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 5\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 6\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 6\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 7\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 7\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 8\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 8\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 9\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 9\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Plato hat in seinem Dialog u\u0308ber den Staat eine Tugend-Lehre gegeben. Und er kennt die Drei- und Viergliederung des\u00a0Menschen auch sehr gut.<\/p>\n<p>Als erste Tugend beschreibt er die Weisheit. Aber er beschreibt diese so, dass es nicht ein Buch voll Wissen ist, das der Mensch bei sich tra\u0308gt, aber dass es eine Fa\u0308higkeit ist, um im Leben auf Erden stets mehr zu lernen. Eine Fa\u0308higkeit, um nicht allein aus Bu\u0308chern zu lernen, aber vor allem zu lernen durch alle Ereignisse, alle Begegnungen, alle Freundschaften, alle Feindschaften, alles, was im Leben geschehen kann. Das ist die eigentliche Schule fu\u0308r die Weisheit, gena\u0308hrt durch dasjenige, was in jedem Mensch anwesend ist an Weisheit, eine Weisheit, die er oder sie mitgenommen hat aus vorhergehenden Inkarnationen und die eigentlich erst benutzt werden kann, wenn das Tor geo\u0308ff- net wird, wodurch man im Leben vom Leben lernen will. Also man muss eigentlich in die Welt hineinziehen, den Mut aufbringen, um das zu tun, und dort seine Lehrstunden nehmen. Rudolf Steiner hat einen wundervollen Vortrag gehalten 1915, mitten im Krieg, dem ersten Weltkrieg, worin er das beschreibt und sagt: \u201eJemand der das nicht will, der nicht vom Leben lernen will, der eigentlich so froh ist mit sich selber, dass er bleiben will, so wie er ist, den nennen wir einen Philister, einen Bu\u0308rger, jemand der engstirnig ist und der nicht bereit ist, um im Leben andere Gesichtspunkte zu erfassen, als womit er erzogen und geboren wurde.\u201d<br \/>\nAn einer anderen Stelle sagt er, dass man die aus der Familie u\u0308berlieferten Weisheiten aufnimmt in seiner Embryonalzeit, das ist die Zeit, worin man alttestamentarisches Wissen aufnimmt, das in der Familie lebt, durch das Blut vererbt wird. Und es ko\u0308nnte geschehen, dass man dabei bleibt, sein ganzes Leben lang. Dann erwirbt man keine Weisheit, dann bleibt man ein engstirniger Mensch.<\/p>\n<p>Die zweite Tugend ist die Tugend des Mittelgebiets. Plato nennt das den Mut oder die Tapferkeit. Rudolf Steiner beschreibt diese Tugend als die Ku\u0308hnheit, um auch wirklich das zu tun, was man fu\u0308r seinen Weisheitserwerb tun muss, na\u0308mlich ins Leben hineingehen, sich nicht a\u0308ngstlich zuru\u0308ckzuziehen in sein Ka\u0308mmerchen, nicht a\u0308ngstlich sein vor zum Beispiel Konflikten, oder wei\u00df ich was da alles auf den Weg kommen kann, aber dass man den Mut findet, um in dem Leben wirklich durchtastend seinen Weg zu suchen. Plato hat auch eine sehr interessante Deutung fu\u0308r diese Tugend, wobei diese dann echt im Mittelgebiet gefunden wird. Er beschreibt die Soldaten und die Kriegsherren, die haben die Tapferkeit natu\u0308rlich dringend no\u0308tig. Plato sagt: Unter Tapferkeit verstehe ich, dass ein Ka\u0308mpfer wei\u00df, wann er a\u0308ngstlich sein muss und wann nicht. Also das bedeutet nicht, dass man sich immer einfach darauf los\u00a0trauen muss, sondern man muss Vernunft darin haben, ein Gefu\u0308hl haben dafu\u0308r, was mo\u0308glich ist und was nicht mo\u0308glich ist.<\/p>\n<p>Die dritte Tugend, die er beschreibt und die zum Stoffwechsel geho\u0308rt, ist die Tugend der Besonnenheit, die durch Rudolf Steiner dann fu\u0308r die neue Zeit gesehen wird als die Ma\u0308\u00dfigung. Man kann sich dabei vorstellen, wie man bezu\u0308glich des Stoffwechsels eine gewisse Besonnenheit haben muss und auch eine gewisse Ma\u0308\u00dfigung. Es ist natu\u0308rlich auch eine Beherrschung des Willenslebens.<br \/>\nUnd dann kommt die Beschreibung der Gerechtigkeit. Plato sieht das so, dass jeder Mensch seinen Platz kennt. Gerechtigkeit ist, dass jeder Mensch genau wei\u00df, wo er steht, was er kann und was nicht und sich dann auch nicht ungleich fu\u0308hlt.<\/p>\n<p>In diesem Sinne bedeutet Gleichheit nicht, dass sie alle genau das Gleiche sind, aber die Gleichheit bedeutet dann, dass man mit aller Kraft seine Position einzunehmen wei\u00df und damit glu\u0308cklich ist, und dass man also auch das Allerbeste davon zu machen wei\u00df. Bei Rudolf Steiner finden wir dann die Gerechtigkeit in einer Vertiefung. Wenn man an einen Richter denkt, an jemanden, jemanden, der mit Gerechtigkeit urteilt , dann hat man es bei einem Richter, so hofft man, mit jemandem zu tun, der eine gewisse Richtkraft hat fu\u0308r das Richtige, dass dieser genau auszuloten wei\u00df, wie es nun eigentlich ist. Das, sagt Rudolf Steiner, hat jeder Mensch in seinem Leben gekannt, diese Kunst des Richtens. Aber das verliert man in seinem spa\u0308teren Leben, man hat es in seinen ersten drei Jahren in seinem Leben. Wenn man aufstehen lernt, laufen lernt, sprechen lernt und denken lernt. Das ist eine unglaublich reine Richtkraft. Wenn man ein Kind sieht, das sich aufrichtet, das Gleichgewicht sucht, um stehenbleiben zu ko\u0308nnen, dann sieht man da eine Art Richterkraft, aber dann sieht, aber dann natu\u0308rlich vo\u0308llig geleitet durch das Go\u0308ttliche. Das verliert der Mensch, aber etwas davon bleibt erhalten. Es kann auch weiter entwickelt werden und das ist die Tugend der Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Nach Rudolf Steiner ist diese Tugend noch lange nicht an der Zeit. Die anderen drei ko\u0308nnen wir schon entwickeln, aber an der Tugend der Gerechtigkeit mu\u0308ssen wir zwar arbeiten, aber es ist eine sehr geheimnisvolle Kraft, die sich erst im Laufe der Menschheitsentwicklung entfalten wird. Dann bekommt man doch einen Eindruck des gleichen Rechts. Wenn man diesen Inhalt aus der gro\u00dfen Literatur, zum Beispiel Plato und die gro\u00dfe moderne Literatur, die Vortra\u0308ge von Rudolf Steiner, wenn man diese meditativ\u00a0liest, sodass man sie vertieft, dann beginnt etwas zu da\u0308mmern, davon, was Gleichheit unter den Menschen ist und von dem Vermo\u0308gen der Menschen untereinander gerecht zueinander zu sein.<\/p>\n<p>Wenn man dann das Recht anschaut, sowie es ist, ja dann wei\u00df man tatsa\u0308chlich, dass das nicht erreicht ist. Das Rechtssystem, das wir haben, ist etwas ganz anderes. Rudolf Steiner beschreibt, dass im westlichen Menschen, und dazu geho\u0308ren wir auch, nicht so sehr extrem westlich, aber wir geho\u0308ren zur West-Mitte, bei jedem etwas im Untergrund des Bewusstseins lebt, ohne dass das nach oben kommt, und er nennt das ein Gespenst, das aus der Vergangenheit in uns ist, nicht aus vorhergehenden Inkarnationen so sehr, aber aus der fru\u0308heren Menschheitsentwicklung. Das haben wir in uns und das bestimmt die Gesetzgebung. Es ist das Ro\u0308mische Recht. Das Ro\u0308mische Recht liegt in uns allen. Man kann es auch vera\u0308u\u00dferlicht sehen, wenn man Pra\u0308sident Trump in seinem Bu\u0308ro sieht, mit seinem Schreibtisch und seiner Flagge und seiner ganzen Aufmachung, dann sieht man Rom. Aber das tragen wir alle in uns.<\/p>\n<p>Rudolf Steiner gibt eine Mo\u0308glichkeit an, um das zu u\u0308berwinden, und das ist, dass man sich allma\u0308hlich bewusst wird, dass das in jedem Menschen im Westen im Unterbewusstsein liegt. Unsere Urteilsbildung u\u0308ber das Recht wird dadurch sehr stark bestimmt. U\u0308berall in den Parlamenten, in Regierungen, in Beschlu\u0308ssen, u\u0308berall wo man sich mit Staatsangelegenheiten bescha\u0308ftigt, spielt dieses Rom noch immer die Hauptrolle. Beim o\u0308stlichen Mensch ist das etwas ganz anderes, da ist es kein Gespenst, aber ist es eine Art Bedrohung, ein bedru\u0308ckender Traumzustand, der im Menschen anwesend ist, der auch nicht bewusst wird \u2013 und das ist der Traum der Zukunft, das ist na\u0308mlich der Traum der sechsten Kulturperiode, von Philadelphia, wenn alle Menschen Bru\u0308der werden. Das ist der Traum des o\u0308stlichen Menschen, aber dieser ist noch nicht wahr. Dadurch ist dieser ebenfalls ein sto\u0308render Faktor, sowie Rom beim westlichen Menschen ein sto\u0308render Faktor ist. Was also eigentlich nicht zu dieser Zeit geho\u0308rt, diese in- nerlichen Zusta\u0308nde, bestimmt gro\u0308\u00dftenteils das Rechtsleben des Menschen.<\/p>\n<p>Wenn wir dann weiter gehen in der Geschichte, nach Plato, dann kommen wir nach Christus sehr eindrucksvoll Paulus entgegen, der in seinem Brief an die Ro\u0308mer schreibt, dass das Gesetz die Ursache ist der Su\u0308nde. Das ist natu\u0308rlich eine sehr erstaunliche Formulierung, er sagt: Bevor das Gesetz war, gab es keine Su\u0308nde, die Su\u0308nde entsteht erst mit dem Gesetz. Wir Christen mu\u0308ssen uns nicht ku\u0308mmern um das\u00a0Gesetz, aber wir mu\u0308ssen Christus in uns aufnehmen, das ist das lebende Gesetz und das wird von innen dafu\u0308r sorgen, dass das, was einmal Gesetz war bei Moses, durch den Menschen selber voll bewusst gewollt wird. Das man nicht anders leben will, als nach diesen Prinzipien, aber dann noch viel gro\u0308\u00dfer und umfassender und liebevoller, als das in diesen zehn Geboten kurz zusammengefasst wird. Das ist Paulus. Da fu\u0308hlt man den enormen U\u0308bergang im Rechtsleben, mit einem Blick auch wieder in die Zukunft, worin ein Mensch erwartet wird, der leben ko\u0308nnte, so wie das in der Philosophie der Freiheit schlussendlich beschrieben wird, dass man sein eigenes Gesetz ist. Aber weil dieses Gesetz bei allen Menschen aus derselben Quelle kommt, sind alle Menschen im Rechtsgebiet gleich. Nur die Art und Weise, wie man seine Gesetze macht, die ist anders, aber es gibt keinen Widerspruch im Gesetz.<\/p>\n<p>Gegen diesen durchchristeten Mittenmenschen streitet in uns noch sehr viel. Und ich habe gedacht, wenn man u\u0308ber das zweite Glied der drei sprechen will, dann muss man doch eigentlich u\u0308ber die direkte soziale Umgebung sprechen, den Umgang von Mensch zu Mensch, nicht in dem Gebiet, wo der eine durch sein Karma im Geistesleben weiter entwickelt ist, oder weniger weit entwickelt ist, aber im Mittelgebiet, wo wir alle dieselbe Luft atmen und auch ausatmen. Es gibt niemanden, der sagt, dass er das unhygienisch findet&#8230; Das kommt vielleicht auch noch, dass Menschen mit Lappen davor umherlaufen, weil sie die Luft des anderen nicht ertragen ko\u0308nnen. Im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung kann das noch versta\u0308ndlich sein. Aber das man das tun wu\u0308rde, weil man den Gedanken nicht ertragen kann, dass ein anderer Mensch die eigene Luft erst in sich hatte, da muss man einmal daru\u0308ber nachdenken. Ja, so weit sind wir noch nicht. Das gemeinsame Benutzen der Luft, das ist ein Bild fu\u0308r die Gleichheit unter den Menschen. Und wie ich schon sagte, sind da eine ganze Menge Faktoren, die uns dabei sto\u0308ren, um im sozialen Leben wirklich in der Gleichheit miteinander umzugehen. Dann kann man immer wieder seine Zuflucht suchen zu Rudolf Steiner, der ein wunderbarer Inspirator ist natu\u0308rlich. Er beschreibt zum Beispiel die drei antisozialen Antriebe beim Menschen, wo der Mensch also nicht sozial ist. Im Denken ist es so, dass, wenn man mit einem Menschen Gedanken austauscht, wenn man eine Begegnung hat, es nun einmal so sein muss, dass der eine das Wort hat und der andere zuho\u0308rt. Das ist jetzt sehr extrem der Fall, wa\u0308hrend des Vortrags. Aber in einem Gespra\u0308ch ist da natu\u0308rlich ein hin und her. Vielleicht kennen sie die Philosophie von Sartre, der Franzose, der beschrieben hat in \u201aL\u2018E\u0302tre et le Ne\u0301ant \u2018 (Sein und Nicht-Sein), dass man in\u00a0der Begegnung mit einem anderen Menschen sta\u0308ndig einen Streit hat, um das Sein. Und das ist etwas Antisoziales, dass man am Ka\u0308mpfen ist, um sein Sein zu erhalten, und dass der andere das dir wegnimmt und die Macht zu nehmen droht und das Sein hat und dann hast du es nicht. Und so ist da, so beschreibt er, nie ein Gleichgewicht. Rudolf Steiner beschreibt es nuancierter. Im Gespra\u0308ch ist es so, dass, wenn man dem anderen zuho\u0308rt, man sein eigenes Denken aufgibt fu\u0308r das Denken des anderen. Also man muss in diesem Moment kurz aufho\u0308ren seine eigenen Gedanken zu formen, weil sonst entgeht einem, was der andere sagt. Es sto\u0308rt die Kommunikation, wenn man das nicht will und also bei seinen eigenen Gedanken bleibt, nicht zuho\u0308rt. Wenn man wohl zuho\u0308rt, dann tritt dieses antisoziale Element auf, dass der andere dich in den Schlaf bringt. Das ist natu\u0308rlich so, denn man schla\u0308ft gewisserma\u00dfen in den Gedanken des anderen hinein. Man bleibt wach fu\u0308r den anderen, aber hat sich selbst so stark vergessen, als ob man schla\u0308ft. Sozial wird das, wenn der Mensch das mit Willen tut. Wenn Sie hier sitzen und Sie ho\u0308ren mir zu und Sie bringen keinen Willen auf, um absichtlich zuzuho\u0308ren, dann fa\u0308llt man in den Schlaf \u2013 und dann hab ich das getan, eigentlich. Weil eigentlich ist so ein Monolog etwas Antisoziales. Sie ko\u0308nnen mich davon erlo\u0308sen, durch mit Willen die Gedanken mitzudenken, aber das mu\u0308ssen sie natu\u0308rlich selbst wollen. Im Gespra\u0308ch ist das etwas anderes, da ist es sta\u0308ndig \u2013 wenn es gut ist \u2013 ein hin und her und dann ist das ein bestimmtes Gleichgewicht, aber es bleibt eine antisoziale Art von Kommunikation, es sei denn, dass beide Parteien mit Willen sich in die Gedanken des anderen vertiefen wollen, dann ist das voru\u0308ber. Wenn man passiv einander zuho\u0308rt, dann ist das eigentlich sta\u0308ndig antisozial.<\/p>\n<p>Im Gefu\u0308hlsleben kennen wir es sehr gut, wenn wir antiso- zial sind, und das ist, wenn wir uns von den Gefu\u0308hlen leiten lassen zu Urteilen aus Sympathie und Antipathie. Das ist natu\u0308rlich sta\u0308ndig der Fall, das geht natu\u0308rlich auch nicht anders. Man fu\u0308hlt die Emotionen, aber man ko\u0308nnte sich beherrschen lernen, um nicht zu einem Urteil zu kommen und dieses schon gar nicht auszuleben. Dann wu\u0308rde man sich allma\u0308hlich daran gewo\u0308hnen, im Gefu\u0308hlsleben mit dem Mitmenschen nicht seinen Emotionen zu folgen, sondern dass man einen Weg finden muss, um mit seinem Mitmen- schen zu leben. Das ist eigentlich die Kunst. Dass man also nicht in allen mo\u0308glichen Emotionen aufbraust oder zusam- menbricht, aber dass man mit dem anderen leben kann. Dann wird das Gefu\u0308hlsgebiet ein soziales Gebiet.<br \/>\nWir haben das letzte Mal am zweiten Tag ein paar U\u0308bungen auf diesem Gebiet gemacht.<\/p>\n<p>Das Gebiet des Willens, da liegt natu\u0308rlich vor allem das Soziale im Opfer des Selbst und das ko\u0308nnte man auch Liebe nennen. Obwohl die Liebe sicherlich im Gebiet des Gefu\u0308hls auch einen Platz findet, aber dann nicht als Sympathie, aber als das Leben lernen mit seinem Mitmenschen in Freud und Leid, das ist etwas anderes, natu\u0308rlich.<\/p>\n<p>Aber im Willensleben kommt es dann wirklich auf das Opfer an. Bei Rudolf Steiner findet man, wenn er daru\u0308ber spricht, immer die Ermahnung, dass jeder Mensch von sich selber glaubt das eigentlich schon zu ko\u0308nnen, sich selbst schon auslo\u0308schen zu ko\u0308nnen, aber dass das in den meisten Fa\u0308llen doch ganz entscheidend eine Illusion ist, die man sich selber vormacht, dass eigentlich das echte Opfern des Selbst um willen des Selbst eines anderen doch noch etwas ganz anderes ist, als was wir so denken, was Liebe ist. Man kann sich natu\u0308rlich darin vertiefen, wie das dann sein muss, aber alles in allem kommt man dann bei einem Impuls zur Selbsterziehung heraus, sowohl was das Gebiet des Denkens betrifft, das reine Gefu\u0308hlsgebiet und das Willensgebiet, worin man sieht, allma\u0308hlich einsieht, dass das Mittelgebiet, der Austausch mit seinem Mitmenschen, der Umgang im rein sozialen Gleichheitsgebiet, etwas ist, was von Natur aus wirklich nicht da ist, dass das etwas ist, was wirklich aktiv in die Hand genommen werden muss. Dass man davon ein Lebensideal machen ko\u0308nnte, dass man dem seine Tage widmet. Jeder Mensch hat mit anderen Menschen zu tun und man kann auch hinter der Theke im Supermarkt oder so, etwas fu\u0308r die Selbsterziehung tun, auch als Kunde an der Kasse. Dass es nicht gelingt, das ist natu\u0308rlich klar, nicht vollkommen meine ich. Man wird natu\u0308rlich beim Zuru\u0308ckschauen auf den Tag immer die Momente finden, worin das nicht vollkommen war, aber es geht vielmehr um das Streben, als um die Resultate. Und dann wird man sehen, dass man natu\u0308rlich allma\u0308hlich einige Schritte in die gute Richtung setzt.<\/p>\n<p>Also die soziale Gliederung der Mitte beginnt bei uns direkt hier, gleich, jetzt, morgen. U\u0308berall, wo man mit Menschen zu tun hat, hat man zu tun mit diesem Gebiet der Gleichheit. Die andern zwei Gebiete liegen in einem anderen Lebensgebiet, das Wirtschaftsleben und das Geistesleben, aber der normale allta\u0308gliche Umgang ist ein Gebiet der Gleichheit. Und so lange wir als Menschen, die sich entwickeln wollen in Richtung einer sozialen Dreigliederung, das nicht einsehen, dass es doch dort beginnen muss, kann man jetzt, 100 Jahre nach dem nicht gelungen sein des Impulses von Rudolf Steiner, nicht erwarten, dass das jetzt dann wohl gelingen wu\u0308rde.<\/p>\n<p>Wenn wir nicht als Anthroposophen einen Impuls in uns\u00a0aufkommen fu\u0308hlen, die Frage, wer ist das eigentlich, der Gleiche, den ich hier treffe, wie komme ich in eine Ein- und Ausatmung in der gleichen freien und nicht zuru\u0308ckhaltenden Weise, wie ich das mit meiner Atmung tue, warum ist das alles so kompliziert und so schwierig, was kann ich tun, um eine andere Haltung zu finden in diesem Gebiet der Gleichheit? \u2013 dann kommen wir nicht in die Na\u0308he der sozialen Dreigliederung, selbst nicht in die Na\u0308he der wirksamen Idee. Das liegt natu\u0308rlich noch mehr im Gebiet der Freiheit, was ich nun sage, der freie Wille zur Selbsterziehung. Aber das Resultat liegt im Gebiet der Gleichheit. Die Freiheit im Geistesleben ist eine Freiheit des Ich, das sich selbst bestimmt. Hier kommt man in ein Gebiet, da hat man allein nur fu\u0308r sich selber etwas zu suchen, denn man kann nie, nie von einem anderen erwarten, dass dieser sich selber erzieht, man kann das allein von sich selbst erwarten.<\/p>\n<p>Es ist einer der gro\u00dfen sto\u0308renden Impulse, natu\u0308rlich auch in einer Gemeinschaft, worin Spiritualita\u0308t gesucht wird, dass die Gleichheit im Gefu\u0308hlsleben eigentlich als viel kostbarer, mehr geheiligt gesehen wird, als die Freiheit im Geistesleben. Gerade weil im Geistesleben der Mensch sich selbst bestimmen kann, ist es auch absolut mo\u0308glich, um in diesem Gebiet einander zu kritisieren oder jedenfalls die Diskussion zu beginnen. Im Gebiet der Wissenschaft ist das auch u\u0308blich, man wu\u0308rde nicht weiter kommen mit der Wissenschaft, wenn niemand jemals sagen du\u0308rfte, das was damals untersucht und als Wahrheit angenommen wurde, das ist nicht wahr. In diesem Gebiet liegt die Diskussion, aber im Gebiet der Mitte und im Gebiet des Willens, da kommt es echt auf einen selber an und da mu\u0308ssten wir soweit kommen, dass wir in uns selber den Impuls wecken, um gleich, morgen und den Rest des Lebens diese Entwicklung in Gang zu setzen. Natu\u0308rlich haben Sie das schon lange getan, aber ich muss es sagen, weil es der Kern der Sache ist, wenn man es zu tun hat mit dem zweiten Glied im sozialen Organismus.<\/p>\n<p>Ich habe, bevor ich die Anthroposophie kennengelernt habe, viel u\u0308ber diese Dinge nachgedacht, ohne Hilfe von Steiner, und im Leben auch sehr viel auf diesem Gebiet gelesen und vollzogen. Eines der Geschenke vor Rudolf Steiner war Martin Buber, der eine Beschreibung gibt dieses Mittelgebiets, wo man einen Unterschied macht zwischen dem Ich, das mit einem Du in der Begegnung zusammen kommt, oder in der Begegnung mit einem Es zusammen kommt, ich und du, oder ich und es. Also ich und du, aber dann ist du natu\u0308rlich eindeutig auch ich, das ist nur des anderen sein Ich, aber das ist dasselbe, dann hat man echt eine Kommunikation. Aber was meistens geschieht, das der\u00a0Andere zu einem Ding gemacht wird und auch als ein Ding behandelt wird, das ist natu\u0308rlich unverscha\u0308mt. Es ist oft ein Verteidigungsmechanismus auch, dass muss man dann natu\u0308rlich auch einsehen.<\/p>\n<p>Wie auch immer, Martin Buber hat eine Anzahl Aufsa\u0308tze geschrieben u\u0308ber diese Gedanken, u\u0308ber den Menschen. Er hat das zusammengefasst unter dem Titel: Das dialogische Prinzip. Und er beschreibt, ich wu\u0308rde das ganze Buch vorlesen wollen, aber ich beherrsche mich:<\/p>\n<p><em>\u201eWas aber bedeutet das, in dem genauen Sinn, in dem ich hier das Wort verwende, eines Menschen innewerden? Eines Dings oder Wesens innewerden hei\u00dft ganz allgemein: es als Ganzheit und doch zugleich ohne verku\u0308rzende Abstraktionen, in aller Konkretheit erfahren. Aber ein Mensch ist, wiewohl als Wesen unter Wesen und sogar als Ding unter Dingen befindlich, doch etwas von allen Dingen und von allen Wesen kategorial Verschiedenes: weil ein Mensch nicht wirklich erfa\u00dft werden kann, ohne da\u00df man ihn auch von der dem Menschen allein unter ihnen allen eignenden Gabe des Geistes her erfa\u00dft und zwar des Geistes als entscheidend beteiligt an dem Personsein dieses Lebewesens hier: des personbestimmenden Geistes. Eines Menschen innewerden hei\u00dft also im besonderen seine Ganzheit als vom Geist bestimmte Person wahrnehmen, die dynamische Mitte wahrnehmen, die all seiner A\u0308u\u00dferung, Handlung und Haltung das erfa\u00dfbare Zeichen der Einzigkeit aufpra\u0308gt. Solch ein Innewerden ist aber unmo\u0308glich, wenn und solang der andere mir das abgelo\u0308ste Objekt meiner Betrachtung oder gar Beobachtung ist, denn ihr gibt sich diese Ganzheit und gibt sich diese ihre Mitte nicht zu erkennen; es ist erst mo\u0308glich, wenn ich zu dem andern elementar in Beziehung trete, wenn er mir also Gegenwart wird. Darum bezeichne ich das Innewerden in diesem besonderen Sinne als personale Vergegenwa\u0308rtigung.\u201d<\/em><\/p>\n<p>So geht das das ganze Buch hindurch, dass man also eigentlich immerfort denkt: Ja, so ist es!<\/p>\n<p>Damit schlie\u00dfe ich dann vorla\u0308ufig ab und nach der Pause ko\u0308nnen wir noch ins Gespra\u0308ch kommen und morgen ko\u0308nnen wir in U\u0308bung kommen, auf allerlei Art.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das letzte Mal stand, was den sozialen Organismus betrifft, der wirkende Geist an Stelle des gedachten Geistes im Mittelpunkt, das bedeutet das freie Geistesleben. Ich hatte damals ein Zitat von Rudolf Steiner mitgenommen, worin er sagt, dass der Impuls, der f\u00fcr die soziale Dreigliederung da war, nicht wirklich aufgenommen wurde und er sagt dann sehr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":2056,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[33],"tags":[],"class_list":["post-3682","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3682","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3682"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3682\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3701,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3682\/revisions\/3701"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3682"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3682"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3682"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}