{"id":3681,"date":"2020-02-14T00:00:00","date_gmt":"2020-02-13T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/das-lebendige-denken-und-die-eurythmie\/"},"modified":"2025-06-22T14:53:31","modified_gmt":"2025-06-22T12:53:31","slug":"das-lebendige-denken-und-die-eurythmie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/das-lebendige-denken-und-die-eurythmie\/","title":{"rendered":"Das lebendige Denken und die Eurythmie"},"content":{"rendered":"<p>Eine Grundlage in der Anthroposophie ist die Entwicklung des reinen Denkens, das dadurch, dass es sich zur Denkt\u00e4tigkeit vertieft, zu einem <em>lebendigen<\/em> Denken wird. In diesem lebendigen Denken kann der meditierende Mensch leben lernen und voller Verwunderung ausharren. Keine gew\u00f6hnlichen Gedankeninhalte gibt es da mehr, sondern nur noch bedeutungsreiche Denkformen, die in einer gef\u00fchlsartigen Bewegung fortw\u00e4hrend gestaltend da sind, von der h\u00f6chsten Seligkeit erf\u00fcllt, bis in die tiefste Trauer hinein; von der erregten, erwartungsvollen Hoffnung bis in die ruhige, wartende Erf\u00fcllung. Ein ganz neues Leben entsteht, das man im allt\u00e4glichen Bewusstsein nur unendlich abgeschw\u00e4cht kennt. Und der Mensch versteht dann erst richtig Rudolf Steiners Aussage: In dem lebendigen Denken ist man in einer k\u00fcnstlerischen Verfassung. Man lernt die ureigentliche Kunst kennen, wo der Geist selbst die Formen gibt, die die Seele dann jubelnd, begeistert, erlebt.<\/p>\n<p>In Seminaren und B\u00fcchern habe ich immer wieder gesagt: W\u00e4re ich doch Komponist, dann k\u00f6nnte ich es musikalisch h\u00f6ren lassen, was im reinen lebendigen Denken erlebt werden kann!<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren nun wurde ich mir bewusst, dass dasjenige, was man in diesem lebendigen Denken hat \u2013 die geistig-seelischen Denkbewegungen, die dynamisch verlaufen\u2013, auch sichtbar gemacht werden k\u00f6nnte, nicht nur h\u00f6rbar. Und dass es schon eine anthroposophische Kunst gibt, die dies f\u00fcr eine andere menschliche T\u00e4tigkeit gestaltet: die Eurythmie. In der Eurythmie wird die Sprache sichtbar, oder die Musik wird sichtbar.<\/p>\n<p>Ich empfand, dass man in der Eurythmie etwas sieht, was zwar nicht Denken ist \u2013 sondern Sprechen \u2013, was aber dem doch sehr nahe kommt. Durch das lebendige Denken kann der Mensch selbst\u00e4ndig miterleben, dass z.B. ein A Verwunderung ist, ein M ein einf\u00fchlendes Verstehen&#8230; Im lebendigen Denken sind Verwunderung und einf\u00fchlendes Verstehen Elemente des da lebenden Denkens. Die Sehnsucht kam auf, das lebendige Denken sichtbar zu machen!<\/p>\n<p>In mehreren Gruppen studieren wir <em>Die Philosophie der Freiheit<\/em>. Sie ist eine Partitur f\u00fcr das lebendige Denken. Man muss sie aber mit <em>Begeisterung<\/em> lesen lernen und sich f\u00fcr die dynamischen Denkbewegungen \u00f6ffnen lernen, die darin walten. Sie f\u00fchren zu einem eigenen lebendigen Denken, aber man entwickelt dies nie, wenn nicht eine Ahnung entsteht, was eigentlich gemeint ist. Es geht ja nicht nur um die philosophische Bedeutung, sondern auch, vielmehr, um die organische Folge der Gedanken, darin liegt das Leben verborgen. Und diese Dynamik kann man nicht wirklich darstellen \u2013 obwohl ich mir daf\u00fcr viel M\u00fche gebe.<\/p>\n<p>So haben wir im Herbst ein mehrt\u00e4giges Seminar in den Niederlanden mit dem Thema Imagination, Inspiration, Intuition gehabt. F\u00fcr das intuitive Element habe ich eine Passage aus Die Philosophie der Freiheit genommen, die f\u00fcr die Dynamik beispielhaft ist. Es kamen auch wirklich tiefgehende Erlebnisse zustande. Aber wie wunderbar w\u00e4re es, wenn wir so eine Passage eurythmisch darstellen k\u00f6nnten. Dann w\u00fcrde nicht der Text eurythmisiert werden, sondern die lebendige Denkbewegung, in ihrer F\u00fclle der gedanklichen Dynamik!<\/p>\n<p>Dies ist der Abschnitt:<br \/>\n<em>\u2018F\u00fcr jeden aber, der die F\u00e4higkeit hat, das Denken zu beobachten \u2013 und bei gutem Willen hat sie jeder normal organisierte Mensch \u2013, ist diese Beobachtung die allerwichtigste, die er machen kann. Denn er beobachtet etwas, dessen Hervorbringer er selbst ist; er sieht sich nicht einem zun\u00e4chst fremden Gegenstande, sondern seiner eigenen T\u00e4tigkeit gegen\u00fcber. Er wei\u00df, wie das zustande kommt, was er beobachtet. Er durchschaut die Verh\u00e4ltnisse und Beziehungen. Es ist ein fester Punkt gewonnen, von dem aus man mit begr\u00fcndeter Hoffnung nach der Erkl\u00e4rung der \u00fcbrigen Welterscheinungen suchen kann.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Wenn man eine solche Passage im lebendigen Denken mitdenkt, dann ist das ein wunderbares Geschehen. Es gleicht in nichts den gew\u00f6hnlichen schattenhaften Gedanken, die alle mehr oder weniger gleichwertig sind, als ob es einen Sozialismus der Gedanken g\u00e4be! Im Gegenteil, die Gedanken werden lebendige Wesen, die sich ganz munter untereinander verhalten, gl\u00fccklich in ihrer Verschiedenheit, wodurch die dynamische Bedeutung entsteht\u2026<\/p>\n<p>Nun haben Raphaela K\u00fchne und Ruth Franssen vor, die Eurythmie mit einem Bewusstsein der Form frisch zu gestalten. Im Einklang damit sehe <em>ich<\/em> eine M\u00f6glichkeit, das lebendige Denken sichtbar werden zu lassen. Einfach wird es nicht sein, denn es gibt noch nicht viele Anhaltspunkte. Die Frage ist: Wie gestalte ich die Denkbewegung, die innerlich gestaltend wirksam ist, in eine Bewegung mit dem menschlichen Leib um? Ich empfinde die reale M\u00f6glichkeit, sie muss jedoch auch noch Wirklichkeit werden.<\/p>\n<p><a title=\"Logos Eurythmie\" href=\"https:\/\/occident-media.com\/de\/logos-eurythmie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Logos-Eurythmie.jpg\" alt=\"Logos-Eurythmie\" width=\"527\" height=\"202\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Grundlage in der Anthroposophie ist die Entwicklung des reinen Denkens, das dadurch, dass es sich zur Denkt\u00e4tigkeit vertieft, zu einem lebendigen Denken wird. In diesem lebendigen Denken kann der meditierende Mensch leben lernen und voller Verwunderung ausharren. 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