{"id":3677,"date":"2013-01-24T00:00:00","date_gmt":"2013-01-23T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/ist-der-mensch-ein-roboter\/"},"modified":"2025-06-22T17:43:16","modified_gmt":"2025-06-22T15:43:16","slug":"ist-der-mensch-ein-roboter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/ist-der-mensch-ein-roboter\/","title":{"rendered":"\u201eIst der Mensch ein Roboter?\u201c"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/MenschRoboter.jpg\" alt=\"MenschRoboter\" width=\"100%\" \/><br \/>\nAm Mittwoch, den 17. Oktober 2012, organisierte \u201aB\u00e8taBreak\u2019 eine philosophische Diskussion mit Prof. Bas Haring (Professor f\u00fcr \u00f6ffentliches Wissenschaftsverst\u00e4ndnis, Philosoph), Mieke Mosmuller (\u00c4rztin, Philosophin, Autorin) und Prof. Bob Duin (Experte f\u00fcr Mustererkennung). Das Thema lautete:<\/p>\n<blockquote><p>Wenn wir durch die materialistische Brille der Naturwissenschaften auf uns selbst blicken, scheint die Essenz verlorenzugehen. Der Mensch ist nicht mehr etwas Besonderes, unterscheidet sich nicht mehr grunds\u00e4tzlich von einem Roboter oder einem Tier. Sind wir die Einzigen, die denken k\u00f6nnen? K\u00f6nnen wir frei sein? Und inwieweit sind die exakten<br \/>\nWissenschaften eigentlich geeignet, diese Fragen zu l\u00f6sen? Brauchen wir daf\u00fcr einen Blick jenseits unserer Spezialisierungen?<\/p><\/blockquote>\n<h4 id=\"mcetoc_1baap7que0\">I. Was ist der Unterschied?<\/h4>\n<p>Nachdem die letzten Kl\u00e4nge des Streichquartetts, das die Diskussion einleitete, verklungen sind, kann das Gespr\u00e4ch beginnen. An alle drei G\u00e4ste wird die Frage gerichtet: \u201aWas halten Sie f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Unterschied zwischen Ihnen und einem Roboter?\u2019<br \/>\nHaring zufolge ist ein Mensch einfach ein viel komplizierteres Ding. Mosmuller antwortet, dass der Unterschied das selbstbewusste Denken des Menschen ist. Duin schlie\u00dft daran an, indem er darauf verweist, dass er sich eines Innenlebens bewusst ist. In Robotern laufen nur Programme ab, und sie sind sich dessen nicht bewusst. Dann folgt eine Beschreibung Duins, was ein Roboter eigentlich ist: Ein mechanisches, programmiertes System. Auch wenn dieses Programmieren nicht immer ein unmittelbarer Auftrag ist, sondern einem Apparat auch erm\u00f6glicht, umweltunabh\u00e4ngiges Verhalten zu zeigen, ist es letztlich ganz mechanisch zu erkl\u00e4ren, was geschieht. Eine solche Maschine braucht also immer einen Lehrer. Jemand, der an den Kn\u00f6pfen dreht. Diese Beschreibung l\u00e4sst uns nicht unmittelbar an einen Menschen denken. Wie kommt es dann, dass wir uns \u00fcberhaupt mit einem Roboter vergleichen? Haring erkl\u00e4rt dies. In der Zeit, als die empirische Wissenschaft aufkam, war es Descartes, der beweisen wollte, dass dasjenige, wovon wir das Gef\u00fchl haben, dass es uns zu etwas Besonderem macht, unser Selbstbewusstsein, nichts Mechanisches ist. Ihm zufolge waren Tiere eine Art Maschine, Menschen jedoch nicht. Mit seinem methodischen Zweifel allem gegen\u00fcber kam er zu dem Satz: \u201aIch denke, also bin ich.\u2019 Es musste etwas Nicht-K\u00f6rperliches geben, das dachte. So gab er dem Gef\u00fchl, das wir \u00fcber etwas Ungreifbares verf\u00fcgen, einen Unterbau. Da nun heute immer mehr Detailkenntnis \u00fcber die Wirkung des Gehirns gewonnen wird, scheinen wir immer mehr ein Roboter zu werden. Menschen bekommen dabei ein unbehagliches Gef\u00fchl, weil wir hoffen, etwas anderes zu sein. Und darum wird die Diskussion \u00fcber das sogenannte ungreifbare Besondere von uns Menschen wieder aktuell:<\/p>\n<blockquote><p>\u201aMeiner Meinung nach ist ein Roboter etwas, das begreifbar ist, indem man ihn auseinandernimmt. Das ist es, was einen Roboter kennzeichnet, und das ist es auch, wovon viele Menschen hoffen, dass es der Mensch nicht ist. Wir sind n\u00e4mlich grunds\u00e4tzlich unbegreifbar, wenn man uns auseinandernimmt. Auch wenn man alle Facetten dessen erforscht hat, wie wir \u201azusammengesetzt\u2019 sind, bleibt noch etwas Ungreifbares \u00fcbrig. Das ist es, was viele Menschen hoffen.\u2019<\/p><\/blockquote>\n<div>Durch die enorme technologische Entwicklung gibt es immer mehr, was die Apparate k\u00f6nnen und wovon wir zuvor dachten, es w\u00e4re einzigartig f\u00fcr den Menschen. Das ber\u00fchmteste Beispiel ist wahrscheinlich der Schachcomputer, der in den 90er Jahren Gro\u00dfmeister Kasparov besiegte. Das einzigartig Menschliche, unser Selbstbewusstsein, scheint damit immer ungreifbarer zu werden. F\u00fcr die Vertreter der \u201aexakten Wissenschaften\u2019 klingt der Begriff \u201aBewusstsein\u2019 sehr vage. Wie k\u00f6nnen wir dar\u00fcber auf exaktere Weise nachdenken? Mosmuller will dazu die T\u00e4tigkeit des Wissenschaftlers selbst einmal genauer betrachten: Im 13. Jahrhundert gab es einen Mystiker, Meister Eckhart, der gesagt hat: \u201aWenn ich ein K\u00f6nig w\u00e4re, und ich w\u00fcsste es nicht, dann w\u00e4re ich kein K\u00f6nig.\u2019 Ebenso k\u00f6nnte man sagen, dass wir mit all unserem Wissen nichts h\u00e4tten, wenn wir uns dessen nicht bewusst werden k\u00f6nnten. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" style=\"border-width: 0px; margin: 10px 0px; float: right;\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/BetaBreak.jpg\" alt=\"BetaBreak\" width=\"375\" height=\"230\" \/>Wissenschaft, unsere Art, zu Wissen zu kommen, beruht auf zwei Pfeilern: der Logik im Denken einerseits und der Pr\u00fcfung durch das Experiment andererseits. Das Instrument, mit dem also auch der exakte Wissenschaftler die H\u00e4lfte seiner T\u00e4tigkeit verrichtet, das logische Denken, ist etwas, was im Bewusstsein verl\u00e4uft. Dies ist eine Tatsache, die f\u00fcr den Wissenschaftler eigentlich nicht unerforscht bleiben kann. Mosmuller f\u00fcgt hinzu, dass damit die materielle Grundlage des Bewusstseins nicht festgestellt oder bewiesen ist. Dies ist etwas, was sie au\u00dfer Betracht lassen will. Man k\u00f6nnte dann meinen: \u201aWenn man nicht bewiesen hat, dass es eine materielle Grundlage hat, wird es wohl eine Illusion sein.\u2019 Doch damit verl\u00e4sst man einerseits die Logik, weil man etwas, was nicht bewiesen ist, als etwas Nichtexistentes ansieht. Und andererseits schlie\u00dft man, indem man sich nur auf dasjenige beschr\u00e4nkt, wof\u00fcr man eine Grundlage im Materiellen finden kann, ein ganzes Gebiet m\u00f6glichen Wissens von der weiteren Erforschung aus. Man schr\u00e4nkt seine Wissenschaftlichkeit also auf zweierlei Weise ein.<\/div>\n<p>Neben die Frage, wo das Bewusstsein in der Materie zu finden sei und ob dies \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, will Mosmuller etwas anderes setzen. Sie findet es wesentlich, dass das Bewusstsein in der Wissenschaft auch Selbstbewusstsein wird:<\/p>\n<blockquote><p>\u201aDass also mit der eigenen Erkenntnismethode nicht mehr oder weniger nur ein Programm abl\u00e4uft, sondern dass man sich auch bewusst wird, dass man ein Wissenschaftler ist. Und dass man erfasst, dass man als Wissenschaftler auch an dem Bewusstsein des eigenen Denkens arbeiten muss \u2013 so dass man, wenn man bestimmte Experimente macht und hier zu Resultaten kommt, sieht, wo man Schl\u00fcsse ziehen kann und wo man eigentlich in einen Abgrund ger\u00e4t, weil man die Resultate nicht mehr hat und doch weiter Schl\u00fcsse zieht, w\u00e4hrend man eigentlich sein Fundament ganz verliert.\u2019<\/p><\/blockquote>\n<h4 id=\"mcetoc_1baap7que1\">II. Zwei Arten von Bewusstsein<\/h4>\n<p>Auch Haring will auf die Tatsache reagieren, dass Bewusstsein f\u00fcr Naturwissenschaftler ein so l\u00e4stiger Begriff ist. Ihm zufolge kann man Bewusstsein als Naturwissenschaftler nur dadurch fruchtbar untersuchen, indem man es operationalisiert, ihm innerhalb des eigenen naturwissenschaftlichen Gebietes Hand und Fu\u00df gibt. Zuallererst muss man daf\u00fcr zwei Arten von Bewusstsein unterscheiden: einerseits das sogenannte schwer greifbare Bewusstsein, dass Haring zun\u00e4chst beiseite lassen will, und andererseits das \u201aBerichtbewusstsein\u2019. Wenn etwas \u00fcber sich selbst Bericht erstatten kann, kann man das eine Form von Bewusstsein nennen. Wenn der \u201aRapport\u2019 sinnlich wahrnehmbar ist, kann man ihn untersuchen. Ein Computer kann zum Beispiel sagen, wie voll seine Festplatte ist. Mit dieser etwas platten Definition von Bewusstsein kann man also sagen, dass ein Computer diese Art von Bewusstsein bereits hat. Was das andere Bewusstsein betrifft, m\u00fcssen wir uns nach Haring fragen, ob wir uns dabei noch mit einem wissenschaftlichen Thema befassen, weil es auf keinerlei Weise feststellbar ist. Wenn der Unterschied zwischen dem \u201aBerichtbewusstsein\u2019 und dem anderen Bewusstsein so klein ist, dass er eigentlich nicht mehr vorhanden ist, dann wird dieses andere Bewusstsein Haring zufolge irrelevant. Au\u00dferdem hat man es hier mit dem klassischen Qualit\u00e4tsproblem zu tun. Woher wei\u00df man, dass die Art und Weise, auf die man die Farbe Rot sieht, dieselbe ist, in der auch der Nachbar das Rot sieht? Das ist ein Problem, dem man nie entkommt.<\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aIch w\u00fcrde dieses Bewusstsein auch gar nicht weiter als nur ein wenig an der Oberfl\u00e4che untersuchen wollen, und dann w\u00fcrde ich mit den Schultern zucken und zu Fragen \u00fcbergehen, die viel spannender sind.\u2019<br \/>\n<\/em><br \/>\nOb dieses schwer greifbare Selbstbewusstsein nicht doch auf die eine oder andere Weise untersucht werden kann, wird von dem Moment an eines der Hauptthemen des Gespr\u00e4ches bleiben. Mosmuller h\u00e4lt die \u00dcbersetzung von Bewusstsein in \u201aBerichterstattung\u2019 f\u00fcr eine zu magere Definition. Bericht erstatten ist nicht dasselbe wie etwas mitzuerleben. Und sie weist darauf hin, dass Haring bereits eine ganz bestimmte Entscheidung getroffen hat.<\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aDu hast schon eine Bewertung des Bewusstseins vorgenommen, und es ist die Frage, ob diese stimmt.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aJa, das ist wahr&#8230; Es ist die Frage, ob eine solche wissenschaftlich zu treffen ist. Vielleicht ist das nicht m\u00f6glich. Dann w\u00fcrde ich damit auch weiter keine Zeit verschwenden wollen.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aIch w\u00fcrde gerne den Denkprozesses bewusst machen, dem du dann folgst. Denn du tust jetzt etwas, wodurch du zu dieser Schlussfolgerung kommst. Oder du hast es nat\u00fcrlich l\u00e4ngst getan, du bist damit wahrscheinlich dein ganzes Leben besch\u00e4ftigt, dieses Bewusstsein mehr oder weniger als \u201aunerforschbar\u2019 beiseite zu lassen und zu sagen: \u201aDa kann ich mit der Wissenschaft nicht heran, also ist es eigentlich nicht relevant. Besch\u00e4ftigen wir uns mit wichtigeren Dingen.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aNun, es ist vielleicht naturwissenschaftlich etwas weniger relevant. Es ist allemal sehr interessant, B\u00fccher dar\u00fcber zu schreiben, aber die Frage war: Wie kann ich es naturwissenschaftlich untersuchen? Und da w\u00fcrde ich sagen: Untersuche andere Dinge naturwissenschaftlich und schreibe \u00fcber Bewusstsein sch\u00f6ne B\u00fccher.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aAber wenn man Naturwissenschaftler ist, ist es f\u00fcr die harte Wissenschaft doch sehr wichtig, das wissenschaftliche Denken auch wirklich gut anwenden zu k\u00f6nnen. Das w\u00e4re f\u00fcr mich, wenn ich in einer Fakult\u00e4t f\u00fcr exakte Wissenschaften das Sagen h\u00e4tte, von allergr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit: dass der Wissenschaftler lernt &#8230; zu denken. Also nicht nur Wahrnehmen und einfach Schl\u00fcsse ziehen. Und das hat unmittelbar mit Bewusstsein zu tun.\u2019<\/em><\/p>\n<h4 id=\"mcetoc_1baaqm7m96\">III. Freiheit und Unvorhersagbarkeit<\/h4>\n<p>Haring will auf die Besprechung des Themas Freiheit \u00fcbergehen, weil dieses Thema viel leichter in das naturwissenschaftliche Gebiet integriert werden kann. Er ist der Meinung, dass Naturwissenschaftler in dieser Diskussion sowohl viel beitragen als auch viel lernen k\u00f6nnen. Zuerst zeigt er mit einem Beispiel, warum die Frage der Freiheit so wichtig f\u00fcr uns ist:<\/p>\n<blockquote><p>\u201aFr\u00fcher ging ich mit meinen Eltern oft nach einem gewissenes Warenhaus, und da stand ein Affenkasten, also ein Glaskasten mit diesen mechanischen Puppen. Da konnte man dann eine M\u00fcnze einwerfen und dann bewegten sich die Puppen. Es erklang Musik und es schien so, als w\u00fcrden die \u00c4ffchen ein Lied spielen. Ich fand das fantastisch. Doch jedes Mal, wenn man eine neue M\u00fcnze einwarf, machten die Affen dasselbe. Sie waren einfach eine Mechanik und konnten nicht entwischen, steckten fest in ihrem Schicksal. Nun ja. Wir hoffen, nicht dieselbe Art von Affen zu sein. Darum die Diskussion \u00fcber Freiheit und freien Willen.\u2019<\/p><\/blockquote>\n<p>Mosmuller h\u00e4lt Freiheit f\u00fcr einen \u00fcberhaupt nicht einfachen Begriff. Was meinen wir damit eigentlich? Auch wenn wir uns aus scheinbar freiem Willen fortbewegen, ist es immer die Frage, ob dies Freiheit ist. Sie glaubt nicht, dass man als Mensch einfach so sagen k\u00f6nne, dass man frei sei. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, m\u00fcsste man eine sehr genaue Untersuchung der \u201aFunktionen\u2019 des Menschen vornehmen und sich fragen, wo diese Freiheit sitzen k\u00f6nnte. Man w\u00fcrde ein sehr gro\u00dfes Gebiet finden, von dem man sicher sagen k\u00f6nnte, dass dort keine Freiheit liegt, und dann bliebe etwas \u00fcbrig, wo die Freiheit vielleicht sitzen k\u00f6nnte. Ist Freiheit, dass man seinen eigenen Weg gehen kann? Aber woher kommt dieser eigene Weg? Oder zu finden, dass dies der eigene Weg ist \u2013 ist das Freiheit? Es ist ein komplizierter Begriff, bei dem man sehr lange innehalten wollen w\u00fcrde, um dann sagen zu k\u00f6nnen, dass wir vielleicht nicht oder eben doch frei sind oder dass es ein Gebiet gibt, wo wir frei sind. <em>\u201aNicht so einfach.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring setzt seine Erl\u00e4uterungen fort, warum Freiheit innerhalb der Dom\u00e4ne der Naturwissenschaften leichter zu untersuchen sei als das Bewusstsein: Philosophen finden es nat\u00fcrlich sehr interessant, sich mit dieser Diskussion \u00fcber Freiheit zu besch\u00e4ftigen. Wenn Naturwissenschaftler jedoch auf die Details der Dinge fokussieren, zum Beispiel auf die Details unseres Gehirns, k\u00f6nnen sie diese Freiheit dort nicht finden. Dies f\u00fchrt zu B\u00fcchern mit Titeln wie \u201aDer freie Wille existiert nicht\u2019 (Victor Lamme). Haring zufolge k\u00f6nnen gerade Naturwissenschaftler sehr genau wissen, was hier vorliegt. Die Argumente, die Freiheit auf menschlicher Ebene zu verneinen, stammen aus Untersuchungen des Gehirns auf Detailniveau. Es geht um einen Begriff, der auf zwei Ebenen eine jeweils andere Bedeutung hat. Ein anderes Beispiel daf\u00fcr ist das Wort \u201aber\u00fchren\u2019. Wenn ich mein Glas auf den Tisch stelle, geht es um eine Ber\u00fchrung auf der Ebene von Glas und Tisch. Doch auf Detailniveau kann von Ber\u00fchrung keine Rede sein, weil zwischen den Atomen immer Raum ist. Dies ist eine typisch naturwissenschaftliche Einsicht, die bei philosophischen Diskussionen helfen kann.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter erl\u00e4utert Haring im Gespr\u00e4ch, wie der Begriff \u201aFreiheit\u2019 auf menschlicher Ebene zu operationalisieren sei. Man muss eine Reihe von naturwissenschaftlich feststellbaren Kriterien bedenken, denen etwas gen\u00fcgen muss, um frei zu sein. Haring nennt zun\u00e4chst zwei Komponenten von Freiheit. Erstens muss etwas unvorhersehbar sein. Und zweitens muss etwas selbst von sich angeben k\u00f6nnen, einen Einfluss auf die Zukunft zu haben. Einem W\u00fcrfel, dessen Verhalten pragmatisch unvorhersehbar ist, kann man also bereits die erste Komponente von Freiheit zusprechen. Dies ist auch der Grund, dass es nach Haring f\u00fcr einen Roboter nicht grunds\u00e4tzlich unm\u00f6glich ist, frei zu sein. Wenn etwas nur so komplex ist, dass es nicht mehr vorhersehbar ist, geht es um Freiheit. <em>\u201aUnd so komme ich wieder auf das zur\u00fcck, was ich anfangs als Unterschied zwischen Mensch und Roboter nannte: Wir sind viel komplexer \u2013 im Moment noch.\u2019<\/em><\/p>\n<h4 id=\"mcetoc_1bal2r6u90\">IV. Untersuchen des Denkens<\/h4>\n<p>Haring zufolge k\u00f6nnte es also sein, dass wir auf Detailniveau v\u00f6llig determiniert sind, w\u00e4hrend wir auf menschlichem Niveau dennoch frei sind. Ein Roboter, der nichtsdestotrotz frei ist. Mosmuller weist darauf hin, dass dies eine m\u00f6gliche Denkweise ist, die jedoch keineswegs bewiesen ist. Nachdem dies von Haring offen anerkannt worden ist, formuliert Mosmuller eine neue Frage: Wenn auf Detailniveau keine Rede von Freiheit w\u00e4re, auf dem h\u00f6heren menschlichen Niveau jedoch sehr wohl, ist Letzteres dann etwas, was wirklich existiert, wenn auch nicht physisch, oder ist es eine Illusion?<br \/>\nNun wird es wirklich spannend. Das Gespr\u00e4ch kehrt wieder zu dem Problem der Erforschbarkeit des Selbstbewusstseins zur\u00fcck. Auch einer der Studenten aus dem Publikum mischt sich aktiv in die Diskussion. Er ist absolut nicht damit einverstanden, dass Haring die Erforschung des sogenannten schwer greifbaren Bewusstseins als unsinnig abtut. Und er fragt sich, wie man behaupten k\u00f6nne, dass Freiheit auf menschlichem Niveau besteht, wenn sie auf Detailniveau nicht gefunden wird. Die Neurowissenschaft ist noch \u00e4u\u00dferst primitiv, und es ist ein Zeichen von Schw\u00e4che, das Bewusstsein als etwas Unbegreifliches beiseitezuschieben. Wir m\u00fcssten doch noch viel mehr erforschen, wie eine Erfahrung zustande kommt?<\/p>\n<p>Student: <em>\u201aGerade in Richtung dieser Grenze, dieses \u00dcbergangs, kann man doch noch mehr forschen. Denn diese Grenze zwischen bewusst und unbewusst ist gerade deshalb so unglaublich vage, weil wir so wenig dar\u00fcber wissen. Wenn man aber sagt, es sei unsinnig, hier zu forschen, ger\u00e4t man doch immer wieder in diese Kluft?\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aIch finde, es gibt Dinge, deren Erforschung unsinnig ist. Zum Beispiel die Frage \u201aSehen wir dasselbe Rot?\u2019 Denn diese Frage kann auf keinerlei Weise befriedigend beantwortet werden. Und es k\u00f6nnte sein, dass der Begriff Bewusstsein so gefasst wird, dass er letztlich eine ebensolche Frage wird wie \u201aSehen wir dasselbe Rot?\u2019 \u2013 und dann ist es f\u00fcr mich eine unerforschbare Frage geworden.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aMan kann das Bewusstsein aber sehr wohl untersuchen, wenn man das Denken untersucht. Und dann hat man dieses Problem nicht. Dann ist es nicht der Fall, dass man sagt: \u201aIst Rot f\u00fcr dich dasselbe wie f\u00fcr mich?\u2019 Doch dann muss man sich nat\u00fcrlich an exakte Begriffe halten. Und damit w\u00fcrde man in dieser Frage schon ein ganzes St\u00fcck weiterkommen k\u00f6nnen.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aDas Problem ist folgendes. Angenommen, es kommt ein Wissenschaftler, der sagt: \u201aBewusstsein sind diese und jene Eigenschaften. Diese Nervenbahn, und die macht dann Folgendes usw. usw. Das ist Bewusstsein.\u2019 Dann zuckt jemand anders mit den Schultern und sagt: \u201aNein, Bewusstsein ist etwas anderes. Ich f\u00fchle, ich erlebe, dass es etwas anderes ist.\u2019 Die Frage entwischt uns also. Bewusstsein ist immer etwas anderes als irgendeine wissenschaftliche Erforschung beschreiben oder definieren k\u00f6nnte. Es ist n\u00e4mlich das, wovon ich f\u00fchle, dass es mich besonders macht. Gegen diese Aussage wird man immer machtlos bleiben.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aAber warum sollte man so vorgehen? Es gibt doch ein Gebiet im Bewusstsein, \u00fcber das wir sehr wohl einig sind. Es ist das Gebiet, mit dem auch der exakte Wissenschaftlicher gl\u00fccklich ist, und das ist die Intelligenz. Das hei\u00dft: das intelligente Denken. Wenn es um das Erleben geht, ja, da kann ich mir vorstellen, dass f\u00fcr jeden etwas anderes gilt. Aber wenn es um die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten geht, innerhalb derer die Intelligenz funktioniert, die doch auch eine Bewusstseinsaktivit\u00e4t ist, kann man doch sagen, dass man hier sehr wohl Forschungen betreiben kann. Dies w\u00fcrde doch auch unmittelbar in das Gebiet der exakten Wissenschaften geh\u00f6ren. Auch wenn man dann nicht mehr mit materiellen Untersuchungen zu tun hat, untersucht man doch dasjenige Instrument, das einem das allerliebste ist, n\u00e4mlich sein intelligentes Denken. Und das ist doch eine Bewusstseinsqualit\u00e4t, daraus kann man doch nicht etwas anderes machen. Man ist sich doch bewusst, ob man etwas erkennt oder nicht.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aHier stimme ich doch nicht ganz \u00fcberein.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller <em>\u201aDas ist wahrscheinlich der ganze Punkt.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aDas intelligente Denken ist gewiss eine Dom\u00e4ne, die in die Naturwissenschaften geh\u00f6rt, aber dieses intelligente Denken kann ganz und gar ohne irgendeine Form von Bewusstsein stattfinden. Wir haben schon das Beispiel des Schachspiels ber\u00fchrt. Noch vor drei\u00dfig Jahren wurde Schach als das intelligenteste Denken betrachtet, das denkbar war. Doch heute kann schon ein Schachcomputer f\u00fcr einen Euro, wie man ihn bei Bart Smit kaufen kann, besser spielen als jeder hier im Saal, ohne dass wir behaupten m\u00fcssen, der Schachcomputer h\u00e4tte Bewusstsein.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aIch meine nat\u00fcrlich das menschliche Bewusstsein und die menschliche Intelligenz, nicht die k\u00fcnstliche Intelligenz, sondern das, was man auch gebraucht, wenn man eine k\u00fcnstliche Intelligenz erschafft.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aWenn man \u00fcber Denken und Intelligenz nachdenkt, darf man sich nat\u00fcrlich nicht auf einen Organismus beschr\u00e4nken, der das mehr oder weniger zuf\u00e4llig kann. Man muss es verallgemeinern. Was ist dieses Denken \u00fcberhaupt und was macht etwas intelligent?\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aDas meine ich nicht. Ich meinte nicht die Frage: \u201aWas ist Intelligenz?\u2019, sondern dass man sich des menschlichen Funktionierens der Intelligenz bewusst wird, nicht so sehr von au\u00dfen, sondern indem man untersucht: Wie mache ich das eigentlich? Und das ist etwas ganz anderes. Es geht dann nicht darum, \u00e4u\u00dferlich zu beschreiben: eine menschliche Intelligenz funktioniert so und eine Apparate-Intelligenz so, sondern darum, wirklich zu beobachten, welche Schritte man eigentlich vollzieht, wenn man denkt.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aAber meinst du, du selbst k\u00f6nntest verl\u00e4ssliche Informationen dar\u00fcber geben?\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aJa.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Duin verdeutlicht, was in diesem Moment des Gespr\u00e4ches die eigentliche Frage ist. Ist wissenschaftliche Forschung immer etwas, was sich von au\u00dfen abspielt? Oder betreibe ich Wissenschaft auch, wenn ich nachdenke, frage, Denkrichtungen vergleiche? Wir kommen wieder zu Descartes zur\u00fcck. Als einer der Begr\u00fcnder der zuvor genannten wissenschaftlichen Methode untersuchte er die ihn umgebende Welt. Doch er untersuchte auch sein Bewusstsein, sein Denken. K\u00f6nnen wir diese Untersuchung des eigenen logischen Denkens, das doch bei jedem auf dieselbe Weise geschieht, ebenfalls Wissenschaft nennen? Haring ist sehr wohl ein Fan von Forschung mittels Gedankenexperimenten, obwohl dies dann nicht mehr naturwissenschaftliche Forschung hei\u00dft. Er bringt das Beispiel von Einstein, ebenfalls ein Mann, der seine Wissenschaft betrieb, indem er nachdachte. Er kam zu Ideen, die erst Jahre sp\u00e4ter experimentell erforscht werden konnten. Diese experimentelle Pr\u00fcfung wird Haring zufolge immer irgendwann stattfinden m\u00fcssen, denn blo\u00dfes Spekulieren findet er nicht so spannend.<\/p>\n<h4 id=\"mcetoc_1bal2r6u91\">V. Was nennen wir eigentlich Denken?<\/h4>\n<p>Wir k\u00f6nnen also denken, wir sind uns bewusst, dass wir denken, und wir k\u00f6nnen dar\u00fcber auch berichten. Kann ein Roboter nun ebenfalls denken und sich dessen bewusst sein? Haring weist wiederum darauf hin, dass es seiner Meinung nach zwischen der Tatsache, dass wir sagen, dass wir denken, und dem, was in Wirklichkeit unbewusst geschieht, meist einen Unterschied gibt. Es kann begr\u00fcndet bezweifelt werden, ob die \u00dcberlegungen, die einem Entschluss vorausgehen und die wir selbst als Ursachen f\u00fcr unser Handeln betrachten, auch tats\u00e4chlich die Ursachen unseres Handelns<br \/>\nsind.<\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aAngenommen, wir machen mit dir das folgendes Experiment. Wir haben ein Gespr\u00e4ch, und ich lasse dreimal das Wort \u201aCola\u2019 fallen. Dann gehen wir zur Kantine, und ich frage dich, was du trinken willst. Du antwortest, dass du Lust auf eine Cola hast. Angenommen, ich frage dich nun, warum du eigentlich eine Cola nimmst, und du sagst, dass du Zucker brauchst, dass du Cola sehr lecker findest und dass du dienstags immer Cola nimmst. Dann w\u00fcrdest du auf diese Weise \u00fcber deine Entscheidung berichten. Doch ein Verhaltenspsychologe w\u00fcrde sagen: Nein, der Kerl wurde geprimt. Ich vertraue mehr dieser zweiten Version: dass man etwas anderes sagt, als wirklich der Fall ist.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aAber dann geht es nicht um das Denken. Ich betrachte das nicht als Denken. Es ist ein assoziatives Gef\u00fchlsgeschehen, das im Denken dann ein wenig mitspielt. Doch das ist nat\u00fcrlich nicht mit dem zu vergleichen, was man tut, wenn man wirklich wissenschaftlich denkt.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aDas ist sicherlich sehr schwierig. Was ist das dann aber, in Gottes Namen?\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aDass man wirklich versucht, den einen Gedanken konsequent an den anderen anzuschlie\u00dfen, anstatt einfach ein bisschen drauflos zu assoziieren. Bei diesem Drauflos-Assoziieren kann ich mir vorstellen, dass man sagt: \u201aDas, was ich davon berichte, ist etwas ganz anderes, als was es in Wirklichkeit vielleicht ist.\u2019 Wenn man aber konsequent, bewusst, den einen Gedanken an den anderen anschlie\u00dft, und man berichtet dies, ist es sehr wohl \u00fcbereinstimmend.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aJa, da hast du recht. Wenn eben nur nicht gerade dies ein solcher Prozess ist, der so genau sein muss, dass ich gerade meine, dass das Unbewusste dies besser kann. Das ganze logische, sehr sachliche \u00dcberlegen ist typischerweise etwas, was ein Apparat gerade viel besser kann als wir. Frustrierend genug.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aIch denke, hier muss man auch die Frage stellen: \u201aKommt ein Roboter in dem Prozess einer Probleml\u00f6sung zu Einsicht?\u2019 Das halte ich f\u00fcr eine sehr wichtige Frage. Ist es ein automatisch ablaufender Prozess, oder ist es auch m\u00f6glich, sich bei einem Computer vorzustellen, dass er etwas aus Einsicht tut?\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aDann kommen wir aber auch zu folgender Frage: Kommst du zu Einsicht?\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aJa.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aNun, eines wei\u00df ich sicher: du sagst, du kommst zu Einsicht. Aber wie dies wiederum m\u00f6glich ist, dass du das sagst, wei\u00df ich nicht.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aNein, das wei\u00df ich auch nicht.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aUnd komme ich zu Einsicht? Ich habe die Erfahrung, dass ich zu Einsicht komme, aber ob ich wirklich zu Einsicht gekommen bin, das wei\u00df ich auch nicht.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aAber wenn man das sagen kann, hat doch auch so ein Gespr\u00e4ch wie dieses hier \u00fcberhaupt keinen Sinn. Denn dann sind wir alle ein wenig am Sprechen, doch wissen tun wir nichts, wir sehen nichts ein, wir haben von nichts eine Vorstellung, wir sind uns nicht bewusst \u2013 dann wei\u00df ich eigentlich nicht, was wir dann&#8230; Ich halte es f\u00fcr sehr wichtig, dass man zugeben kann, dass man als Mensch in einem bestimmten Augenblick einen Moment der Einsicht hat. Und dann ist die Frage: Kann ein Roboter das auch?\u2019<\/em><\/p>\n<p>Wiederum will Haring sich nur an die \u00e4u\u00dferen Erscheinungen halten: Wir m\u00fcssen uns fragen, ob ein Roboter sagen kann, dass er zur Einsicht komme, und dann, ob wir annehmen k\u00f6nnen, dass dieser Bericht auch g\u00fcltig sei. F\u00fcr Mosmuller ist dies nicht genug, keine Garantie, dass ein Roboter auch wirklich zu Einsicht kommt. Sie weist darauf hin, dass auch Harings Gedankengang doch auf irgendetwas beruhen muss. Haring zufolge ist dies Folgendes: Eine ganze Reihe von Prozessen in seinem Kopf, die die ganze Zeit unbewusst im Gange sind. Aus diesem zugrundeliegenden System geht dann eine Idee im Bewusstsein hervor, und dann hat man so etwas wie \u201aIch verstehe es!\u2019 Wie schon zuvor weist Mosmuller darauf hin, dass auch diese Denkweise auf einer Annahme beruht und es nicht bewiesen ist, dass dies so geschieht. Auch diesmal wird ihr Einwand von Haring anerkannt.<\/p>\n<p>Mosmuller: <em>\u201aDann verliert man aber doch sein Fundament, w\u00e4hrend man \u00fcber etwas spricht, denn dann behauptet man es einfach nur. Man sagt einfach: \u201aSo funktioniert es.\u2019 Und dann muss ich das akzeptieren, ich akzeptiere das aber nicht, denn ich sage: \u201aNein, ich finde, dass ein Mensch das Verm\u00f6gen hat, zur Einsicht zu kommen.\u2019 Nun erwiderst du: \u201aJa gut, das sagst du.\u2019 Aber dann&#8230;\u2019<\/em><\/p>\n<h4 id=\"mcetoc_1bal2r6u92\">VI. Denkschulung f\u00fcr Wissenschaftler<\/h4>\n<p>Es ist deutlich, dass man nicht zu einer Einigkeit kommt. Aber die Stunde ist vorbei, und das Gespr\u00e4ch wird mit der Frage beschlossen, wor\u00fcber Einigkeit besteht. \u201aMuss diese Art von Diskussionen nicht gerade von Studenten der exakten Fakult\u00e4ten gef\u00fchrt werden?\u2019 Denn Philosophie ist in den exakten Fakult\u00e4ten aus nahezu allen Curricula verschwunden. Wissenschaftler lernen zwar, ihre Wissenschaftsmethode anzuwenden, werden jedoch keineswegs angeregt, sich zu fragen, womit sie sich eigentlich besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Haring: <em>\u201aIch denke, Naturwissenschaftler sind wirklich ein pr\u00e4gender Faktor der Gesellschaft. Es wird sehr viel Wissen hervorgebracht, mit dem alles M\u00f6gliche geschieht. Und dann ist es doch traurig, dass die Menschen, die dieses Wissen hervorbringen, nicht auf diese Art von Wissen reflektieren k\u00f6nnen und es auch nicht in die Probleme \u00fcbersetzen k\u00f6nnen, mit denen sich Menschen gew\u00f6hnlich besch\u00e4ftigen.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Als Mosmuller gefragt wird, wie diese Denkschulung ihrer Meinung nach aussehen m\u00fcsste, bekommen wir einen ersten Eindruck, wie wir dies tun k\u00f6nnten \u2013 das Bewusstsein durch das Denken zu untersuchen: <em>\u201aIch w\u00fcrde dann zwei Bereiche sehen. Der erste w\u00e4re ein Studieren der Vorstellungen, die es \u00fcber Wissenschaft gibt. In der fernen Vergangenheit, im Mittelalter und jetzt. Dass man also ein Wissen bekommt, wie sich geschichtlich die Ideen \u00fcber das, was Wissenschaft ist, entwickelt haben. Und auf der anderen Seite, und das halte ich f\u00fcr sehr wichtig, gerade in der exakten Wissenschaft, ginge es darum, dass gelehrt wird, auf die Frage zu blicken: \u201aWas ist das wissenschaftliche Denken an sich?\u2019 Also nicht als Theorie, nicht angewandt auf das jeweilige Fach, sondern als Denken an sich. Das Funktionieren der menschlichen Intelligenz. Das m\u00fcsste f\u00fcr mich das Hauptfach sein. Und das ist wirklich etwas Praktisches!Das w\u00e4re kein Studieren von B\u00fcchern, sondern das w\u00e4re \u00dcbungspraxis.\u2019<\/em><\/p>\n<p>So w\u00fcrde man lernen, worauf man achten muss, wenn man Wissenschaft betreibt: <em>\u201aDass man exakt sehen lernt, wo die Grenzen zwischen demjenigen liegen, was man noch, durch das Experiment, als wissenschaftlichen Untergrund hat, und wo man einen \u00dcbergang zu Gebieten vollzieht, die nicht mehr unterbaut sind und wo man sehr leicht in die Phantasie hineinger\u00e4t. Also dieses \u201ain sich selbst Begleiten\u2019 des Denkprozesses w\u00e4re f\u00fcr einen exakten Wissenschaftler von gro\u00dfer Bedeutung.\u2019<\/em><\/p>\n<h4 id=\"mcetoc_1bal2r6u93\">VII. Lesetips<\/h4>\n<p>Mehr Lesen \u00fcber Roboter mit Bewusstsein oder \u00fcber das Untersuchen des Denkens?<\/p>\n<p>Bas Haring: \u201aDer eiserne Wille\u2019 (\u201aDe ijzeren wil\u2019).<\/p>\n<p>Mieke Mosmuller: \u201aIch mache, was ich will! Freiheitsphilosophie f\u00fcr junge Menschen\u2019 und \u201aSuche das Licht, das im Abendlande aufgeht\u2019.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittwoch, den 17. Oktober 2012, organisierte \u201aB\u00e8taBreak\u2019 eine philosophische Diskussion mit Prof. Bas Haring (Professor f\u00fcr \u00f6ffentliches Wissenschaftsverst\u00e4ndnis, Philosoph), Mieke Mosmuller (\u00c4rztin, Philosophin, Autorin) und Prof. Bob Duin (Experte f\u00fcr Mustererkennung). Das Thema lautete: Wenn wir durch die materialistische Brille der Naturwissenschaften auf uns selbst blicken, scheint die Essenz verlorenzugehen. 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