{"id":3675,"date":"2013-01-01T00:00:00","date_gmt":"2012-12-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/freundschaft-2\/"},"modified":"2025-06-22T17:46:34","modified_gmt":"2025-06-22T15:46:34","slug":"freundschaft-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/freundschaft-2\/","title":{"rendered":"Freundschaft"},"content":{"rendered":"<p>Aristoteles, hier abgebildet, sagt in seiner \u201aEthica Nicomachea\u2019:<\/p>\n<blockquote><p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin-right: 10px; margin-left: 10px; border-width: 2px;\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Aristoteles.jpg\" alt=\"Aristoteles\" width=\"199\" height=\"212\" \/><br \/>\n,Die Freundschaft ist eine Trefflichkeit menschlichen Wesens oder eng mit ihr verbunden. Und weiter: sie ist in Hinsicht auf das Leben h\u00f6chst notwendig. Denn ohne Freunde m\u00f6chte niemand leben, auch wenn er die \u00fcbrigen G\u00fcter alle zusammen bes\u00e4\u00dfe: gerade auch den reichen Leuten und denen, die Amt und Herrschaft haben, tun Freunde bekanntlich ganz besonders not. Denn wozu ist solcher Wohlstand n\u00fctze, wenn die M\u00f6glichkeit des Wohltuns genommen ist, das doch vor allem und in seiner preisw\u00fcrdigsten Form dem Freunde gegen\u00fcber sich entfaltet? Oder wie lie\u00dfe der Wohlstand sich beh\u00fcten und bewahren ohne Freunde? Je gr\u00f6\u00dfer er ist, desto gef\u00e4hrdeter ist er. Und in Armut und sonstigem Missgeschick gelten Freunde als die einzige Zuflucht. Freundschaft ist Hilfe: den J\u00fcngling bewahrt sie vor Irrtum, dem Alten bietet sie Pflege und Ersatz f\u00fcr die aus Schw\u00e4che abnehmende Leistung, den Mann auf der H\u00f6he des Lebens spornt sie zu edlen Taten. Wenn zwei Menschen einander helfen, sind sie n\u00e4mlich besser f\u00e4hig, sowohl zu denken als auch zu handeln.\u2019<\/p><\/blockquote>\n<p>Freundschaft ist nicht etwas, was man hat, sondern etwas, was man schafft. Nat\u00fcrlich ist das Schicksal einem manchmal so gut gesonnen, dass man von selbst Freunde hat, doch um sie zu behalten, wird man doch immer aktiv werden m\u00fcssen. In den Romanen, die ich geschrieben habe, habe ich die Freundschaften dargestellt: Freundschaft zwischen Johannes und dem Meister, zwischen Peter und Johannes, zwischen Eva und Johannes &#8230; Freundschaft auch zwischen Gerrit und Beato, zwischen Gerrit und Sophie&#8230; Meine Romane sind Entfaltungen von Freundschaften.<\/p>\n<p>Die innigsten Freundschaften entstehen oft gerade auf dem Fundament von Gegens\u00e4tzen. Vorbild einer solchen Freundschaft ist jene zwischen Goethe und Schiller. Goethe beschreibt die Situation, in der die Freundschaft pl\u00f6tzlich aufflammt, er beschreibt auch die Gegens\u00e4tze, die es gab:<\/p>\n<blockquote><p>,An keine Vereinigung war zu denken. Selbst das milde Zureden eines Dalberg, der Schillern nach W\u00fcrden zu ehren verstand, blieb fruchtlos, ja meine Gr\u00fcnde, die ich jeder Vereinigung entgegensetzte, waren schwer zu widerlegen. Niemand konnte leugnen, da\u00df zwischen zwei Geistesantipoden mehr als ein Erddiameter die Scheidung mache, da sie denn beiderseits als Pole gelten m\u00f6gen, aber eben deswegen in eins nicht zusammenfallen k\u00f6nnen. Da\u00df aber doch ein Bezug unter ihnen stattfinde, erhellt aus Folgendem.<\/p>\n<p>Schiller zog nach Jena, wo ich ihn ebenfalls nicht sah. Zu gleicher Zeit hatte Batsch durch unglaubliche Regsamkeit eine naturforschende Gesellschaft in T\u00e4tigkeit gesetzt, auf sch\u00f6ne Sammlungen, auf bedeutenden Apparat gegr\u00fcndet. Ihren periodischen Sitzungen wohnte ich gew\u00f6hnlich bei; einstmals fand ich Schillern daselbst, wir gingen zuf\u00e4llig beide zugleich heraus, ein Gespr\u00e4ch kn\u00fcpfte sich an, er schien an dem Vorgetragenen teilzunehmen, bemerkte aber sehr verst\u00e4ndig und einsichtig und mir sehr willkommen, wie eine so zerst\u00fcckelte Art, die Natur zu behandeln, den Laien, der sich gern darauf einlie\u00dfe, keineswegs anmuten k\u00f6nne.Ich erwiderte darauf, da\u00df sie den Eingeweihten selbst vielleicht unheimlich bleibe und da\u00df es doch wohl noch eine andere Weise geben k\u00f6nne, die Natur nicht gesondert und vereinzelt vorzunehmen, sondern sie wirkend und lebendig, aus dem Ganzen in die Teile strebend darzustellen. Er w\u00fcnschte hier\u00fcber aufgekl\u00e4rt zu sein, verbarg aber seine Zweifel nicht; er konnte nicht eingestehen, da\u00df ein solches, wie ich behauptete, schon aus der Erfahrung hervorgehe.<\/p>\n<p>Wir gelangten zu seinem Hause, das Gespr\u00e4ch lockte mich hinein; da trug ich die Metamorphose der Pflanzen lebhaft vor und lie\u00df, mit manchen charakteristischen Federstrichen, eine symbolische Pflanze vor seinen Augen entstehen. Er vernahm und schaute das alles mit gro\u00dfer Teilnahme, mit entschiedener Fassungskraft; als ich aber geendet, sch\u00fcttelte er den Kopf und sagte: Das ist keine Erfahrung, das ist eine Idee. Ich stutzte, verdrie\u00dflich einigerma\u00dfen; denn der Punkt, der uns trennte, war dadurch aufs strengste bezeichnet. Die Behauptung aus Anmut und W\u00fcrde fiel mir wieder ein, der alte Groll wollte sich regen; ich nahm mich aber zusammen und versetzte: Das kann mir sehr lieb sein, da\u00df ich Ideen habe, ohne es zu wissen, und sie sogar mit Augen sehe.<\/p>\n<p>Schiller, der viel mehr Lebensklugheit und Lebensart hatte als ich und mich auch wegen der \u201aHoren\u2019, die er herauszugeben in Begriff stand, mehr anzuziehen als abzusto\u00dfen gedachte, erwiderte darauf als ein gebildeter Kantianer, und als aus meinem hartn\u00e4ckigen Realismus mancher Anla\u00df zu lebhaftem Widerspruch entstand, so ward viel gek\u00e4mpft und dann Stillstand gemacht; keiner von beiden konnte sich f\u00fcr den Sieger halten, beide hielten sich f\u00fcr un\u00fcberwindlich. S\u00e4tze wie folgender machten mich ganz ungl\u00fccklich: Wie kann jemals Erfahrung gegeben werden, die einer Idee angemessen sein sollte? Denn darin besteht eben das Eigent\u00fcmliche der letzteren, da\u00df ihr niemals eine Erfahrung kongruieren k\u00f6nne.<\/p>\n<p><em>Wenn er das f\u00fcr eine Idee hielt, was ich als Erfahrung aussprach, so mu\u00dfte doch zwischen beiden irgend etwas Vermittelndes, Bez\u00fcgliches obwalten!<\/em><\/p>\n<p>Der erste Schritt war jedoch getan. Schillers Anziehungskraft war gro\u00df, er hielt alle fest, die sich ihm n\u00e4herten; ich nahm teil an seinen Absichten und versprach zu den \u201aHoren\u2019 manches, was bei mir verborgen lag, herzugeben; seine Gattin, die ich, von ihrer Kindheit auf, zu lieben und zu sch\u00e4tzen gewohnt war, trug das Ihrige bei zu dauerndem Verst\u00e4ndnis, alle beiderseitigen Freunde waren froh, und so besiegelten wir, durch den gr\u00f6\u00dften, vielleicht nie ganz zu schlichtenden Wettkampf zwischen Objekt und Subjekt, einen Bund, der ununterbrochen gedauert und f\u00fcr uns und andere manches Gute gewirkt hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich insbesondere war es ein neuer Fr\u00fchling, in welchem alles froh nebeneinander keimte und aus aufgeschlossenen Samen und Keimen hervorging. Unser beiderseitigen Briefe geben davon das unmittelbarste, reinste und vollst\u00e4ndigste Zeugnis.\u2019<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich finde, dass Freundschaft vor allem mit wechselseitigem Vertrauen zu tun hat, nicht damit, dass man in allem einig ist. Es geht um das absolute Vertrauen in den guten Willen des Freundes, auch wenn man manchmal vielleicht heftig aneinanderger\u00e4t. Von seiner eigenen Seite aus gibt man schlie\u00dflich auch seinen vollen guten Willen.<\/p>\n<p>Freunde sind Menschen, bei denen man sich zuhause f\u00fchlt, mit denen man Liebe und Leid teilen kann, die einen nicht be- oder verurteilen. In der Freundschaft offenbart sich, wer der Andere ist, wer man selbst ist. Freundschaft ist kostbar und schenkt gro\u00dfe Freude. \u201aAlle Menschen werden Br\u00fcder!\u2019, jauchzte Schiller in seinem Gedicht \u201aOde an die Freunde\u2019, und Beethoven komponierte dazu seine neunte Symphonie.<br \/>\nIch schreibe nun schon seit vielen Jahren B\u00fccher \u00fcber Philosophie und Anthroposophie, und ich schreibe Romane, in denen sich die Wirkung des Geistes im Leben stets \u00fcber die Freundschaft offenbart.<\/p>\n<p>Nun ist ein Freundeskreis der Arbeit Mieke Mosmullers entstanden. Ich w\u00fcnsche uns, dass wir darin Freunde der Freundschaft sind. Die Freundschaft zwischen Menschen ist ein Beispiel f\u00fcr die und zugleich Abbild der \u201aGottesfreundschaft\u2019, die Freundschaft mit Gott, auch die wirkliche Liebe genannt.<span style=\"font-family: AGaramondPro-Regular; font-size: 12pt; color: #231f20; font-style: normal; font-variant: normal;\"><br style=\"font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: normal; letter-spacing: normal; line-height: normal; orphans: 2; text-align: -webkit-auto; text-indent: 0px; text-transform: none; white-space: normal; widows: 2; word-spacing: 0px; -webkit-text-size-adjust: auto; -webkit-text-stroke-width: 0px;\" \/><\/span><\/p>\n<h3 id=\"mcetoc_1baa6133o0\" style=\"text-align: center;\">\nOde an die Freude<\/h3>\n<div style=\"text-align: center;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><em>Friedrich von Schiller<\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\">O Freunde, nicht diese T\u00f6ne!<br \/>\nSondern la\u00dft uns angenehmere<br \/>\nanstimmen und freudenvollere.<br \/>\nFreude! Freude!<\/p>\n<p>Freude, sch\u00f6ner G\u00f6tterfunken,<br \/>\nTochter aus Elysium,<br \/>\nWir betreten feuertrunken,<br \/>\nHimmlische, dein Heiligtum!<br \/>\nDeine Zauber binden wieder<br \/>\nWas die Mode streng geteilt;<br \/>\nAlle Menschen werden Br\u00fcder,<br \/>\nWo dein sanfter Fl\u00fcgel weilt.<\/p>\n<p>Wem der gro\u00dfe Wurf gelungen,<br \/>\nEines Freundes Freund zu sein;<br \/>\nWer ein holdes Weib errungen,<br \/>\nMische seinen Jubel ein!<br \/>\nJa, wer auch nur eine Seele<br \/>\nSein nennt auf dem Erdenrund!<br \/>\nUnd wer&#8217;s nie gekonnt, der stehle<br \/>\nWeinend sich aus diesem Bund!<\/p>\n<p>Freude trinken alle Wesen<br \/>\nAn den Br\u00fcsten der Natur;<br \/>\nAlle Guten, alle B\u00f6sen<br \/>\nFolgen ihrer Rosenspur.<br \/>\nK\u00fcsse gab sie uns und Reben,<br \/>\nEinen Freund, gepr\u00fcft im Tod;<br \/>\nWollust ward dem Wurm gegeben,<br \/>\nUnd der Cherub steht vor Gott.<\/p>\n<p>Froh, wie seine Sonnen fliegen<br \/>\nDurch des Himmels pr\u00e4cht&#8217;gen Plan,<br \/>\nLaufet, Br\u00fcder, eure Bahn,<br \/>\nFreudig, wie ein Held zum Siegen.<\/p>\n<p>Seid umschlungen, Millionen!<br \/>\nDiesen Ku\u00df der ganzen Welt!<br \/>\nBr\u00fcder, \u00fcberm Sternenzelt<br \/>\nMu\u00df ein lieber Vater wohnen.<br \/>\nIhr st\u00fcrzt nieder, Millionen?<br \/>\nAhnest du den Sch\u00f6pfer, Welt?<br \/>\nSuch&#8216; ihn \u00fcberm Sternenzelt!<br \/>\n\u00dcber Sternen mu\u00df er wohnen.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Schiller.jpg\" alt=\"Schiller\" width=\"419\" height=\"416\" \/><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aristoteles, hier abgebildet, sagt in seiner \u201aEthica Nicomachea\u2019: ,Die Freundschaft ist eine Trefflichkeit menschlichen Wesens oder eng mit ihr verbunden. 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