{"id":3673,"date":"2015-01-25T00:00:00","date_gmt":"2015-01-24T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/schiller-schiller\/"},"modified":"2025-06-22T17:07:19","modified_gmt":"2025-06-22T15:07:19","slug":"schiller-schiller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/schiller-schiller\/","title":{"rendered":"Schiller. Schiller?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 5px;\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/WimVelmans.jpg\" alt=\"WimVelmans\" width=\"130\" height=\"190\" \/>In Zeist (NL) arbeiten wir in der Meditations-Arbeitsgruppe mit Mieke u.a. an den Bildern aus Goethes \u201eM\u00e4rchen\u201c von der gr\u00fcnen Schlange und der sch\u00f6nen Lilie und an Schillers \u201eBriefen \u00fcber die \u00e4sthetische Erziehung des Menschen \u201c. Lieke van der Ree fragte mich, ob ich nicht einmal erz\u00e4hlen wolle, wodurch ich so begeistert geworden bin, als wir in dieser Arbeitsgruppe mit Mieke in Zeist Schillers \u201eBriefe\u201c zu lesen begannen. Mieke erz\u00e4hlte von der Freundschaft zwischen diesen beiden Dichtern und dem Zusammenhang zwischen diesen beiden Werken. Beide bringen eigentlich den gleichen Inhalt, Schiller als abstrakte \u00dcberlegung und Goethe in den Bildern eines M\u00e4rchens.<\/p>\n<p>Wie kam es nun, dass ich, abgesehen von dem Verstehen, immer begeisterter dar\u00fcber wurde? Oft zeigte sich: Was Schiller abstrakt argumentierend brachte, bringt Goethe in Bildern. Und auch: Wir d\u00fcrfen das abstrakte Nachdenken nicht vernachl\u00e4ssigen und nur in den Bildern leben.<\/p>\n<p>Wir begannen nicht irgendwo ganz am Anfang, wo Schiller zun\u00e4chst sehr anekdotisch \u00fcber die Fragestellung und Notwendigkeit des Themas erz\u00e4hlt, sondern gleich am \u00dcbergang vom zehnten zum elften Brief, wo er die zentrale Frage stellt: Was ist das eigentlich Menschliche \u2013 und ist die Sch\u00f6nheit damit verwandt, oder ist dies eine subjektive Hinzuf\u00fcgung? Schiller wollte bei der Antwort nicht mehr so vorgehen, wie er es aus der Geschichte kannte, oder sie nur aus der pers\u00f6nlichen Erfahrung ableiten, sondern er wollte rein denkend das rein Menschliche \u2013 in Bezug zur Sch\u00f6nheit \u2013 bestimmen. Das stellte er sich zur Aufgabe, und wir versuchten, ihm darin zu folgen.<\/p>\n<p>Friedrich Schiller ist 1759 geboren, zu Beginn der Sturm-und Drang-Zeit. Es war eine Zeit, in der die Sehnsucht nach einem selbst\u00e4ndigen Denken und Handeln und danach, auf sein eigenes Inneres zu h\u00f6ren, aufzuleben begann. Die Franz\u00f6sische Revolution entartete in Barbarei, weil der Mensch nicht seine Mitte zwischen \u201eTier und Engel\u201c bewahren konnte. &#8230; Dies wurde alles wieder lebendig, als wir mit Schiller wirklich anfingen. Ich wollte es nun wirklich verstehen! Was ich fr\u00fcher in der Mittelschule zum ersten Mal ber\u00fchrt hatte und sp\u00e4ter in der Waldorfp\u00e4dagogik besser kennenlernen konnte, begann wieder zu \u201ebrodeln\u201c. Die wirkliche Begeisterung entstand dadurch, dass in dieser Gruppe und mit Miekes Arbeitsweise nun tats\u00e4chlich eine unmittelbar auf die fast unergr\u00fcndlichen Inhalte der Briefe gerichtete Aufmerksamkeit m\u00f6glich wurde. Nie war es vorher dazu gekommen, gerade diese Inhalte wirklich ernst zu nehmen und nicht nur mit den Highlights zufrieden zu sein, die immer zitiert werden. Mein Enthusiasmus hatte sehr wohl eine Grundlage in der Vergangenheit \u2013 eine halbbewusste Liebe zur Person und dem Werk Schillers als Dramatiker und Dichter. Nun zeigte er sich als reiner Denker und Freund Goethes.<\/p>\n<p>Nun konnte ich wirklich versuchen, seine wesentlichen Gedanken aufzunehmen und diese auch selbst denken zu lernen. Die Arbeitsweise, die Mieke uns f\u00fcr das reine Denken ans Herz legt, begann, zu wirken. Absatz f\u00fcr Absatz wurde durchgearbeitet, oft noch ohne Resultat eines wirklichen Verstehens oder Erkennens seiner Absicht, des Zieles, auf das er hinauswill.<\/p>\n<p>Den Text lesen lernen, als v\u00f6llig neu, unter Zur\u00fcckhaltung aller eigenen Assoziationen; die Worte zu verst\u00e4ndlichen S\u00e4tzen formen; was sagt er hier; was macht er; was bringt er miteinander in Zusammenhang. Allm\u00e4hlich erschlie\u00dft sich sein Gedankengang und empfindet man die M\u00fche, die er sich gibt, um so genau wie m\u00f6glich Schritt f\u00fcr Schritt seine Darlegung fortzusetzen (ein sch\u00f6nes Beispiel dessen, was auf der ersten Seite von Mieke&#8217;s Buch \u201eSuche das Licht&#8230;\u201c steht). Schiller kommt zu einem Menschenbild, in dem der Mensch in Entwicklung ist, fortw\u00e4hrend die Mitte suchend zwischen dem klaren Denken \u2013 das f\u00fcr sich genommen zu Erstarrung f\u00fchren w\u00fcrde \u2013 und dem Sinnlichen, Wahrnehmbaren \u2013 das f\u00fcr sich genommen den Menschen v\u00f6llig in Beschlag nehmen w\u00fcrde. In einem labilen Gleichgewicht balanciert der Mensch auf seinem Weg.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Ideal, das im Laufe der Zeit vergessen wurde und doch so aktuell ist, in solcher Weise miteinander zum Leben erwecken! Dann tut man doch etwas, auch wenn man auf seinem Stuhl sitzt?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Schiller_1.jpg\" alt=\"Schiller_1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zeist (NL) arbeiten wir in der Meditations-Arbeitsgruppe mit Mieke u.a. an den Bildern aus Goethes \u201eM\u00e4rchen\u201c von der gr\u00fcnen Schlange und der sch\u00f6nen Lilie und an Schillers \u201eBriefen \u00fcber die \u00e4sthetische Erziehung des Menschen \u201c. 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