{"id":3657,"date":"2013-06-27T00:00:00","date_gmt":"2013-06-26T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/inferno-und-himmlische-rose\/"},"modified":"2025-06-22T17:33:41","modified_gmt":"2025-06-22T15:33:41","slug":"inferno-und-himmlische-rose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/inferno-und-himmlische-rose\/","title":{"rendered":"Inferno und Himmlische Rose"},"content":{"rendered":"<p><em>,Das Gute kann das B\u00f6se nicht mit Bosheit bek\u00e4mpfen, denn es hat allein das Gute zur Verf\u00fcgung.&#8216; (Mieke Mosmuller, Inferno)<\/em><\/p>\n<p>Die Romane Inferno (2007) und Himmlische Rose (2010) haben das Thema: Wie kann ein Mensch, der scheinbar kein Gewissen hat, doch zum Guten kommen? Sie beschreiben 15 Jahre aus dem Leben von Gerrit, einem knallharten Gesch\u00e4ftsmann, und Beato, einem jungen italienischen Arzt. In \u201eInferno\u201c erz\u00e4hlt Gerrit seine Geschichte, in \u201eHimmlische Rose\u201c schildert Beato die Geschehnisse aus seiner Perspektive.<\/p>\n<p><a title=\"Inferno\" href=\"https:\/\/occident-media.com\/de\/boeken\/inferno-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" style=\"float: right; margin: 10px;\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/9783000259531.jpg\" alt=\"9783000259531\" width=\"312\" height=\"493\" \/><\/a>Als Gerrit 55 und Beato 25 Jahre alt ist, begegnen sie einander, weil Gerrit in dem Kurort, wo Beato arbeitet, Linderung f\u00fcr seine rheumatischen Schmerzen sucht. Gerrit hat vor nichts und niemandem Angst, ist immer wachsam, immer darauf bedacht, die Macht in der Hand zu haben. Er hat gelernt, sein Gewissen zum Schweigen zu bringen, verliert nie die Kontrolle \u00fcber sich selbst. Au\u00dfer in jenem einen Sekundenbruchteil, in dem er Beato begegnet. Diese erste Begegnung hat eine Entwicklung zur Folge, die sich beschleunigt, als Gerrit mit 69, unheilbar krank, wiederum in Beatos Behandlung kommt. Dieser arbeitet nun in dem Institut und Krankenhaus von Johannes, das auch der Schauplatz fr\u00fcherer Romane von Mieke Mosmuller ist. F\u00fcr Gerrit gibt es keine Hoffnung auf k\u00f6rperliche Genesung. Der Kontakt mit Beato bewirkt dennoch viel, Gerrit und Beato f\u00fchren intensive Gespr\u00e4che. So erz\u00e4hlt Gerrit (der Ich-Erz\u00e4hler) Beato im Krankenhaus:<\/p>\n<p><em>\u2018Zu mir hatte niemand Zugang \u2013 es gab nur Einbahnverkehr. Kein Austausch, alle Macht wurde von mir entfaltet. Mit dieser Fertigkeit bin ich dann ans Werk gegangen. Vor allem Waffenhandel, oft illegal, aber unter legaler Decke. Ich war auf Regierungsebene t\u00e4tig, Beato, international. Nicht \u00f6ffentlich, nicht auf gro\u00dfer B\u00fchne, sondern hinter dem Vorhang. Die Dinge liefen, wie ich es wollte, Widerstand habe ich nie akzeptiert.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em>\u2018Entschuldigung, Gerrit, vielleicht bin ich einf\u00e4ltig, aber so etwas geht doch immer irgendwann einmal schief?&#8216; Ich sah ihn lange an, er wurde nat\u00fcrlich nicht unsicher. \u2018Nat\u00fcrlich ist es schief gegangen, Beato. In dem Moment, wo f\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde Selbstbezogenheit entsteht, f\u00e4llt das ganze Kartenhaus zusammen. Dann bekommt man eine Freikarte ins Gef\u00e4ngnis, unmittelbar.\u2019<\/em><\/p>\n<p><em>\u2018Hast du doch im Gef\u00e4ngnis gesessen?\u2019 Ich lachte sp\u00f6ttisch. \u2018Nat\u00fcrlich nicht. Ich bin keinen Moment unsicher geworden. Nie. Solange ich lebe, wird niemand es wagen, etwas gegen mich anzufangen. Dennoch ist es schief gegangen. In dem Moment, als ich da in Italien ins Sprechzimmer hineinging und ich einen Sekundenbruchteil mich selbst gewahr wurde, wie du mich sahst. Du, die absolute Vollkommenheit, ein junger Gott, durch meine aktive Schw\u00e4rze nicht aus der Ruhe zu bringen. Du erreichtest, was niemand fertiggebracht hatte, und du erreichtest es ungewollt. Du hast es erreicht, weil du so unglaublich nett bist, wortw\u00f6rtlich entwaffnend. Alle meine Waffen klirrten zu Boden, und in meiner Verletzbarkeit hast du mich gefasst, Junge. Und du hast etwas Gutes in mein Inneres gestopft.<\/em><\/p>\n<p>Von dem Moment an ist es schief gegangen, auch wenn ich mich nach einer Weile halbwegs wieder hergestellt hatte und noch eine Reihe von Jahren ordentlich weiter gewuchert habe. Sex und Geld sind Genussmittel, aber worum es wirklich ging, war die Macht. Die gro\u00dfen Bosse des B\u00f6sen in einem James-Bond-Film sind alberne Fantasien eines Autors, der nichts davon versteht. Machtstreben braucht keine hungrigen Piranhas in Schwimmbecken, keine unterirdischen Laboratorien.<\/p>\n<p><em>Machtstreben braucht Schlichtheit, die Schlichtheit der schwarzmagischen Technik. Aber dann ist Liebe pures Gift, ein Lichttr\u00f6pfchen ist genug, wenn es ein wei\u00dfmagisches Lichttr\u00f6pfchen ist. Denn meinst du nicht, dass dem ganzen Machtstreben im Grunde das heftige Verlangen nach Liebe zugrunde liegt? Total unbefriedigtes Liebesverlangen?\u2019 Ich schwieg, schon wieder v\u00f6llig ersch\u00f6pft. Ich hatte gebeichtet, aber zugleich schon beim Sprechen begriffen, was die Bu\u00dfe sein musste. Liebe war die Bu\u00dfe. Unter dem gegossenen Beton des Machtstrebens keimte doch Liebe. Und Liebe muss man nicht bekommen wollen, man muss sie schenken wollen.<\/em><\/p>\n<p>Dank dem Kontakt mit Beato reift diese Einsicht in Gerrit. Aber seine Begegnung mit der sehr jungen Violinistin Sophie entwaffnet ihn v\u00f6llig. Gerrit sagt ihr \u00fcber sich selbst: \u2018Eigentlich bin ich ein Drecksack, wirklich. Aber in dem gro\u00dfen Drecksack sitzt ein Lichtpunkt. Den hast du gefunden, und er wird noch angefacht werden, das gelobe ich dir, Sophie. Ich gelobe es dir wirklich!\u2019 Etwas sp\u00e4ter schreibt er anl\u00e4sslich des Kontaktes mit ihr in sein Tagebuch:<\/p>\n<p><em>Auf einmal war sie da. Reue. Sie l\u00e4sst sich nicht wie ein Begriff umschreiben, sie ist eine Emotion. Sie ist die st\u00e4rkste Emotion, die ich je gehabt habe. Vielleicht hat Sophie, genau wie Beat, ein geheimes Verm\u00f6gen, etwas in mich zu pflanzen. Aber wahrscheinlich war sie schon da, wurde nur jetzt durch die anderen Emotionen geweckt. Reue. In einem Sekundenbruchteil f\u00fchlte ich die enorme Schuld, die ich in meinem Leben auf mich geladen habe. Das Lamm f\u00fchlte die schwere Last des Wolfpelzes, und pl\u00f6tzlich sah ich vollst\u00e4ndig \u2013 auch wenn es nur sehr kurz war \u2013, wie das alles gutgemacht werden m\u00fcsste. Einst. Die Reue kam wie eine \u00fcberw\u00e4ltigende Emotion auf, \u00e4hnelte der Liebe, dem Liebeskummer, der unbeantworteten Liebe. Und die Emotion lie\u00df mich erleben: den Wolf lasse ich hinter mir, f\u00fcr immer. Aus Gewohnheit wird er sicher dann und wann noch danach trachten, eine Beute zu machen. Aber das Lamm wird ihn mit der vollen Macht der absichtlichen Unschuld \u00fcberw\u00e4ltigen. Die Liebe \u00fcbersteigt an Macht alle \u00e4u\u00dferliche Macht.<\/em><\/p>\n<p>Au\u00dfer Beato und Sophie gibt es noch drei gro\u00dfe Pers\u00f6nlichkeiten, die in Gerrits letztem Lebensjahr eine Rolle spielen: der Meister und die \u00c4rzte Philippe und Johannes. Beato und diese drei Menschen arbeiten im Institut von Johannes zusammen, um ihre geisteswissenschaftlichen Einsichten zu vertiefen und im Krankenhaus in die Praxis umzusetzen. Der Meister h\u00e4lt Gerrit durch seine reine, \u00f6stliche Gelassenheit einen Spiegel vor und hilft ihm, den Hochmut loszulassen. \u00dcber seine Begegnung mit Philippe Laurent, dem Arzt, der die Hauptperson in dem Roman \u201eK\u00f6nigsweg\u201c ist, schreibt Gerrit in sein Tagebuch:<\/p>\n<p><em>Ich sagte zu ihm: \u2018Ich habe f\u00fcr Macht, Sex und Geld gelebt. Das ist noch nicht so schlimm, Doktor. Aber ich habe das B\u00f6se genossen, die Vernichtung an sich. Auf meinen Befehl hin wurden eine Menge Menschen get\u00f6tet \u2013 weil es n\u00f6tig war. Aber ich habe es genossen, jedes Mal wieder und wieder. Dies habe ich noch nie bekannt, auch nicht gegen\u00fcber meinem besten Freund, Beato \u2013 ja selbst mir gegen\u00fcber kaum. Aber ich f\u00fchle den Vernichtungsdrang immer wieder aufkommen, ich k\u00e4mpfe dagegen &#8230; und ich gewinne wohl jedes Mal. Aber ich habe Angst vor mir selbst bekommen, Angst, dass ich doch zur\u00fcckfallen werde. Was muss ich um Himmels willen unternehmen, um die aufwallenden Gef\u00fchle und Gedanken zu bek\u00e4mpfen?\u2019 Ich begann zu heulen, unb\u00e4ndig. Ich f\u00fchlte die G\u00fcte des mir gegen\u00fcber sitzenden Mannes, eine Form von Treue f\u00fchlte ich. Diese ist so r\u00fchrend, dass sogar meine R\u00fcstung durchbohrt wurde. Beat ist das Gleichgewicht selbst, der Professor ist Gelehrtheit &#8230; Sophie die Unschuld. Aber dieser Mann ist ganz und gar G\u00fcte. Er machte keinen Versuch, mich zu tr\u00f6sten, aber ich sah seine Ger\u00fchrtheit. \u2018Sie m\u00fcssen beten lernen.\u2019, sagte er sanft. \u2018Ich werde Sie das \u2018Vater Unser\u2019 lehren, dagegen hat das B\u00f6se keinen Bestand. Das m\u00fcssen Sie bei jeder Anfechtung beten, laut. Au\u00dferhalb dieser Augenblicke m\u00fcssen Sie danach trachten, die Bedeutung der Worte zu sich durchdringen zu lassen. Sie werden sehen, dass es wirkt.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>Die Anwendung dieses Rats hat f\u00fcr Gerrit gro\u00dfe Folgen, er wird von den b\u00f6sartigen Anfechtungen befreit. Auch mit Johannes f\u00fchrt Gerrit tiefe Gespr\u00e4che, um seinen Rat zu erfragen. In seinem Tagebuch blickt Gerrit auf das zur\u00fcck, was Johannes ihm sagte:<\/p>\n<p><em>\u2018Ansichten und Gef\u00fchle sind zu schwach, zu fl\u00fcchtig, um in Ihrem Fall etwas Wesentliches ver\u00e4ndern zu k\u00f6nnen. Ihr Wille will noch nicht wirklich.\u2019 Ich fragte: \u2018Was wird mich nach dem Tod erwarten?\u2019 \u2018Das ist abh\u00e4ngig davon, was Sie jetzt noch tun. Wenn Sie vor Ihrem Tod mit Ihrem Willen noch das Gute w\u00e4hlen \u2013 aber dann durch und durch \u2013 dann haben Sie diesen Willen auch nach dem Tod zur Verf\u00fcgung. Auch wenn das Urteil \u00fcber Ihre Taten dann noch so niederschmetternd sein wird, Ihr guter Wille wird Ihnen hindurchhelfen und Sie werden vor dem n\u00e4chsten Erdenleben Ihr Schicksal ganz im Dienste des Herrn des Guten erf\u00fcllen k\u00f6nnen.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>In einem zweiten Gespr\u00e4ch sagt Johannes:<\/p>\n<p><em>\u2018Du musst einmal eine Woche lang versuchen, deine ge\u00fcbte Wachsamkeit auf deine eigenen Handlungen zu richten und auf deine &#8230; Impulse. Auf das, was in dir an W\u00fcnschen, Verlangen, aufkommt. Nicht auf <\/em><em>deine Gef\u00fchle, sondern auf das, was du willst.\u2019 (&#8230;)<\/em><br \/>\n<em>Es war, als ob er das Licht angemacht h\u00e4tte. Es beleuchtete mitleidlos mein Triebleben. Oh, ich kannte die Antriebe meiner Gegner so gut! Nun sah ich sie in mir selbst, jede Bewegung, jeder Impuls wurde so intensiv erlebbar, dass ich mir weh damit tat. Der Schmerz in meinen Knochen verblasste bei dieser Ber\u00fchrung mit meinem eigenen Triebleben. In jeder Bewegung, sogar jedem Impuls, der vorausgeht, sah ich etwas H\u00e4ssliches.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>Es gelingt Gerrit nur kurz, dies aufrechtzuerhalten, dann muss er Johannes erneut um Rat fragen. Dieser sagt:<\/p>\n<p><em>\u2018Es ist dennoch ein Lichtquell in dir, ein vorsichtiges Gewissen&#8230;\u2019 \u2018Das ist da seit der ersten Begegnung mit Beato.\u2019 \u2018Von dem Punkt aus willst du etwas anderes als der Rest deines Willens will&#8230; Versuch einmal, deine Wachsamkeit damit zu verbinden. Allein damit. Du hast eine enorme Kraft, Gerrit. Wenn die zum Guten gekehrt werden kann &#8230; dann ist das so etwas wie eine Kernexplosion, aber aufbauend.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>Von diesem Moment an gibt es nur noch eines, was Gerrit besch\u00e4ftigt: diese Herausforderung anzunehmen und das Unm\u00f6gliche zu vollbringen.<\/p>\n<p>In \u201eHimmlische Rose\u201c schreibt Beato \u00fcber die Ver\u00e4nderung, die Gerrit durchmachte:<\/p>\n<p><em><a title=\"Himmlische Rose\" href=\"https:\/\/occident-media.com\/de\/boeken\/himmlische-rose\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone\" style=\"float: left; margin: 10px;\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/9783000327902.jpg\" alt=\"9783000327902\" width=\"298\" height=\"488\" \/><\/a>Beim n\u00e4chsten Mal, wo ich ihn sah, hatte er sich total ver\u00e4ndert. Es ist nicht auszudr\u00fccken, was geschehen war. Er erz\u00e4hlte es mir auch nicht. Dennoch hatte ich das Gef\u00fchl, exakt zu wissen, was geschehen war \u2013 als ob ich dabei gewesen w\u00e4re. Er sah noch genauso aus, Gerrit war Gerrit. Ebenso gut gepflegt und gekleidet. Die Ver\u00e4nderung lag in seinen Augen. Auch in seiner Haltung, seiner Geste, dem Timbre seiner Stimme. Es war eine \u2018qualitative\u2019 Ver\u00e4nderung, so ungeheuer, so beeindruckend, so r\u00fchrend&#8230; Er war empf\u00e4nglich geworden. Vielleicht war er der empf\u00e4nglichste Mensch, dem ich je begegnet bin. Er schien keine einzige Gegenwehr mehr zu haben, der volle Umfang der Antipathie hatte ihn verlassen. Er schien mir verletzlich, voller Hingabe und Andacht.<\/em><br \/>\n<em>\u2018Alles r\u00fchrt mich tief, Beaat. Ich wei\u00df \u00fcberhaupt nicht, wie ich das alles verarbeiten soll, ich habe kein Schild mehr, und meine R\u00fcstung ist verschwunden. Ich kann nichts mehr abweisen, alles scheint gut zu sein, so wie es ist. Alles &#8230; au\u00dfer Gerrit, wie er war. Gegen ihn habe ich auch keine Gegenwehr, ich kann meinen Blick nicht von ihm abwenden. Er befindet sich da irgendwo \u2013\u2019 Er machte eine Geb\u00e4rde mit seinem Arm. \u2018Und nichts ist so scheu\u00dflich wie er.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>Diese gro\u00dfe innere Ver\u00e4nderung ist f\u00fcr Beato beeindruckend:<\/p>\n<p><em>Gerrits neue Seinsweise r\u00fchrte auch uns, uns alle. Wenn man Abschied von ihm genommen hatte, f\u00fchlte man, wie seine \u2018Seelenhaltung\u2019 in einem zur\u00fcckblieb. Man war dann selbst f\u00fcr einige Zeit ganz und gar empfindsames Gewahrsein. Das war ein Geschenk, denn es ist die Haltung eines Kindes, und diese ist im Erwachsenenalter so schwer zur\u00fcckzugewinnen. Mit all unserer inneren Entwicklung empfingen wir von Gerrit immer wieder ein Geschenk, wir f\u00fchlten uns ber\u00fchrt von der Gnade des Wesens, das seine Umkehr &#8230; m\u00f6glich gemacht hatte.<\/em><\/p>\n<p>Gerrit schreibt schlie\u00dflich in sein Tagebuch (\u201eInferno\u201c):<\/p>\n<p><em>Alles muss dann absterben und in einem anderen Boden ruhen. Dieser muss f\u00fcr einen neuen Leib sorgen, der die Qualit\u00e4ten haben wird, um das kr\u00e4ftige Vorhaben auszuf\u00fchren. Aber dieser andere Boden ist nicht das Grab, nicht die Erde &#8230; es ist die geistige Welt, H\u00f6lle und danach Himmel.<\/em><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich stirbt Gerrit friedlich. Beato blickt hierauf zur\u00fcck:<\/p>\n<p><em>Sophie und ich waren bei ihm, als er starb. Es gab keinen Todeskampf, denn er wollte gehen, und er war kein \u00e4ngstlicher Mensch, hatte keine Angst vor dem Unbekannten. Er lag ruhig im Bett, seine H\u00e4nde gefaltet, wie ein Heiliger im Gebet. W\u00e4hrend er starb, schaute er mich an &#8230; das hei\u00dft, er sah mich an, bis sein Blick erstarrte, und ich f\u00fchlte, wie seine enorme Willenskraft, sein kaum geborenes Ich, sein Gef\u00fchlsleben und sein noch ohnm\u00e4chtiges Denken sich frei machten, frei, frei &#8230; um sich der Gebundenheit in Gott und Seinen himmlischen Hierarchien zu \u00fcbergeben. F\u00fcr mich war seine Willenskraft m\u00e4chtig f\u00fchlbar, sein guter Wille, sich zu entwickeln, zu ver\u00e4ndern.<\/em><\/p>\n<p>Nach dem Sterben verliert Beato den Kontakt mit Gerrit nicht (\u201eHimmlische Rose\u201c):<\/p>\n<p><em>Ich konnte mich nicht oft genug auf diesen Lebensprozess von Gerrit besinnen, der sich im Laufe von f\u00fcnfzehn Jahren vollzogen hatte, mit einer gewaltigen Apotheose noch vor seinem Tod. So sah ich nach seinem Tod immer mehr die Bedeutung dessen. Die Liebe blieb, sie lie\u00df uns einander \u201aaufsuchen\u2019, jedes Mal wieder. Er wurde f\u00fcr mich das Lehrbuch der Technik des B\u00f6sen. Ich konnte ihm jede Frage vorlegen und fand dann innerhalb einer gewissen Zeit wie zuf\u00e4llig die Antwort. Ich half ihm, seine jungen Fl\u00fcgel erheben zu lernen, indem ich meine Liebe in ihn \u00fcbertrug, ich wollte ihn aufheben, ihm einen Blick in das Geistgebiet g\u00f6nnen, das f\u00fcr ihn verschlossen war. Ich wollte ihm auch jetzt etwas geben, wodurch er sicher sein w\u00fcrde, seinem Impuls bis in die Pr\u00fcfungen eines n\u00e4chsten Erdenlebens hinein treu zu bleiben. Ich wollte, dass das Streben, das durch einen Blick in das reine Geistgebiet geweckt werden w\u00fcrde, auf Erden zum Suchen nach dem Geist f\u00fchren w\u00fcrde. Denn das verliert man als Mensch am schnellsten: eine Neigung, durch allen Genuss hindurch geistig zu suchen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>,Das Gute kann das B\u00f6se nicht mit Bosheit bek\u00e4mpfen, denn es hat allein das Gute zur Verf\u00fcgung.&#8216; (Mieke Mosmuller, Inferno) Die Romane Inferno (2007) und Himmlische Rose (2010) haben das Thema: Wie kann ein Mensch, der scheinbar kein Gewissen hat, doch zum Guten kommen? Sie beschreiben 15 Jahre aus dem Leben von Gerrit, einem knallharten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":2504,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[37],"tags":[],"class_list":["post-3657","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-buchbesprechung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3657","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3657"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3657\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3850,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3657\/revisions\/3850"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3657"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3657"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3657"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}