{"id":3649,"date":"2016-06-14T00:00:00","date_gmt":"2016-06-13T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/abschied-von-der-anthroposophischen-gesellschaft\/"},"modified":"2025-06-22T16:30:42","modified_gmt":"2025-06-22T14:30:42","slug":"abschied-von-der-anthroposophischen-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/abschied-von-der-anthroposophischen-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Abschied von der Anthroposophischen Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Oft werde ich gefragt, warum wir kein Mitglied der Anthroposophische Gesellschaft sind. Anfang 2016 wurde mir die Frage von dem Redakteur der Schweizer Zeitschrift &#8218;Ein Nachrichtenblatt&#8216; gestellt, ob ich je etwas dar\u00fcber geschrieben h\u00e4tte, oder vielleicht jetzt etwas schreiben k\u00f6nnte? Er w\u00fcrde den Artikel ver\u00f6ffentlichen. Ich habe einen Versuch gewagt, den ganzen Prozess zu beschreiben, habe den Artikel eine Zeit lang liegen gelassen &#8211; und wollte ihn dann doch nicht ver\u00f6ffentlichen. Unter Freunden muss es aber m\u00f6glich sein &#8230;<\/p>\n<p>Als ich das Werk Rudolf Steiners kennenlernte, war das f\u00fcr mich Liebe bei der ersten Begegnung. Ich brauchte keine zwei Seiten \u2013 ich las als erstes Buch die <em>Theosophie\u2013<\/em>, um zu erleben, dass dies die Begegnung meines Lebens war. Worauf diese feurige Liebe, die da auf noch nicht einmal zwei Buchseiten aufflammte, beruht, habe ich ausf\u00fchrlich in meinem Buch <em>Der lebendige Rudolf Steiner<\/em> beschrieben.<\/p>\n<p>Das, was diese Individualit\u00e4t der Menschheit gebracht hat und noch bringen wird, war die Quelle des feurigen Enthusiasmus und der Liebe zu dem Werk Rudolf Steiners. Anfangs war es, als ob sich ein Tor zu einer anderen Welt \u00f6ffnete, aber im Lauf der Jahre f\u00fchlte ich die Hand, die gereicht wird, um selbst in diese andere Welt einzutreten. Das intensive Studium der Anthroposophie, aber vor allem das Erleben dessen f\u00fchrte dazu, dass ich die Individualit\u00e4t Steiners immer besser kennenlernte, aber auch die Erscheinung dieser Individualit\u00e4t auf Erden in der Person Steiners. Das gilt zweifellos f\u00fcr alle Anthroposophen, die mit Herz und Seele die Anthroposophie erkennen. Das Immer-besser-Kennenlernen der Pers\u00f6nlichkeit Rudolf Steiners anhand seines Werkes \u2013 die Anthroposophie \u2013, aber nat\u00fcrlich auch anhand aller Beschreibungen von Zeitgenossen, auch kritischen Beschreibungen, f\u00fchrte dazu, dass ich eine Pers\u00f6nlichkeit kennenlernte, die durch ihr tiefgehendes Schauen in die geistige Welt gezeigt hat, dass er selbst alle Regeln, die existieren, wenn man zur Erleuchtung und Einweihung und schlie\u00dflich zum Durchschauen der verschiedenen Inkarnationen kommen will, sowohl im Sinne der Entwicklung des Erkenntnisverm\u00f6gens als auch in der Entwicklung des Erlebens der Seele und der Entwicklung der Moralit\u00e4t, erf\u00fcllt hat.<\/p>\n<p>Daneben gibt es die &#8218;Gesamtausgabe&#8216; mit den geschriebenen B\u00fcchern und den gesprochenen Vortr\u00e4gen, wobei es verbl\u00fcffend ist, zu bemerken, dass selbst die zeitlich weit auseinanderliegenden Aussagen \u00fcber dasselbe Thema immer in Harmonie miteinander stehen \u2013 auch wenn ein scheinbarer Widerspruch bestehen kann. Dieser Widerspruch erweist sich immer als nur scheinbar, als vor\u00fcbergehend. Bei einem tieferen Nachdenken und einem Sich Vertiefen in das Thema findet man einen eindrucksvollen Zusammenhang. Man muss nat\u00fcrlich in Begriffen denken k\u00f6nnen, in gr\u00f6\u00dferen Zusammenh\u00e4ngen, und nicht bei jedem Detail, das einen entt\u00e4uscht, entmutigt werden. Aber gerade dieser gro\u00dfe Zusammenhang beweist, dass hier ein Mensch aus einer Quelle geschrieben und gesprochen hat, in der das Ganze seines geistigen Werkes als eine Totalit\u00e4t beschlossen lag. Die verschiedenen Werke sind die verschiedenen Strahlen, die aus dieser besonderen Quelle differenziert nach au\u00dfen getreten sind. Es ist kein oberfl\u00e4chliches Werk, das er gebracht hat, auch keine Ansammlung minuti\u00f6ser Details, die er in einer scharfsinnigen Konstruktion so zusammengestellt hat, dass die Illusion einer umfassenden Geisteswissenschaft entst\u00fcnde. Eine solche Meinung kann nur jemand haben, der mit den Gedanken, die er bildet, selbst v\u00f6llig an der Oberfl\u00e4che bleibt und der es mit der Wahrhaftigkeit nicht allzu genau nimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><img decoding=\"async\" style=\"display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/MiekeMosmuller_jung.jpg\" alt=\"MiekeMosmuller_jung\" \/>Mieke Mosmuller in der Zeit des Abschieds<\/em><\/p>\n<p>Anhand des Werkes von Rudolf Steiner entdeckt man im Lauf der Jahre eine Geisteswissenschaft, die unbeschreiblich detailliert ist, die aber, was diese Details betrifft, dennoch aus einer Einheit des Schauens hervorgeht. Als ich so allm\u00e4hlich zugleich zu einem differenzierten Erleben des Wesens und der Pers\u00f6nlichkeit Rudolf Steiners kam, gingen f\u00fcr mich daraus zwei deutliche Einsichten hervor. Die erste Einsicht ist: Steiner ist zwar ein, um es in alten Worten zu sagen, spiritueller Meister, aber ein Meister des Abendlandes, Europas. Aber andererseits d\u00fcrfen wir ihn nicht wie einen Gott verherrlichen.<\/p>\n<p>2005 hielt S.O.Prokofieff einen Vortrag im Geb\u00e4ude der IONA Stichting in Zeist. Ich war dabei nicht anwesend, aber ich habe den ver\u00f6ffentlichten Text gelesen[1] und bin \u00fcber die Tatsache geschockt, dass die Anthroposophen darin aufgerufen werden, die Individualit\u00e4t Rudolf Steiners zu verehren, als w\u00e4re er ihr h\u00f6heres Ich. Das muss f\u00fcr Rudolf Steiner etwas Unertr\u00e4gliches sein \u2013 f\u00fcr den Mann, der sagte: Ich will nicht verehrt werden, ich will verstanden werden!<\/p>\n<p>Das ist die zweite sichere Einsicht, die ich erworben habe: dass Rudolf Steiner seine Geisteswissenschaft an Menschen \u00fcbertr\u00e4gt, die diese nur aufgrund des in ihnen selbst lebenden Verm\u00f6gens zum Erkennen ihrer Wahrheit, G\u00fcltigkeit und Konsistenz annehmen sollen. Alles andere muss Steiner abweisen, denn es w\u00fcrde das von ihm so klar beschriebene Prinzip der Freiheit besch\u00e4men.<\/p>\n<p>Mit diesen zwei Einsichten h\u00e4ngt eine dritte zusammen: Will ein menschliches Wesen so weit in seinem Erkenntnisverm\u00f6gen entwickelt sein, wie wir das bei Rudolf Steiner gefunden haben, durch schauen konnten, dann brauchen wir ihn nicht wie einen Heiligen zu verehren, sondern dann wissen wir sehr gut aus eigener Einsicht, dass dieser Mensch, um so weit zu kommen, sich selbst in seinen Meinungen, seiner Subjektivit\u00e4t und seiner Eigensinnigkeit v\u00f6llig hat \u00fcberwinden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich gab und gibt es daher noch immer <em>zwei S\u00e4ulen<\/em>, wodurch die Anthroposophie f\u00fcr mich Gold wert ist. <em>Die erste<\/em> ist die Konsistenz des Inhaltes, wodurch das von mir erlebte Wahrheitsgef\u00fchl vom allerersten Moment an und dann im Lauf der Jahre nur immer wieder best\u00e4tigt wurde. <em>Die zweite<\/em> S\u00e4ule ist der moralische Untergrund, auf dem diese Wissenschaft ruht. Das ist etwas, was in der Naturwissenschaft \u00fcberhaupt nicht n\u00f6tig ist. Naturwissenschaft betreibt man mit einer m\u00f6glichst gl\u00e4nzenden Intelligenz, und die Moralit\u00e4t spielt hierbei keine Rolle. Die Geisteswissenschaft aber kann nur auf der Grundlage einer entwickelten freien Moralit\u00e4t erworben werden. Das ist in <em>Die Philosophie der Freiheit<\/em> philosophisch dargestellt, im Buch <em>Wie erlangt man Erkenntnisse der h\u00f6heren Welten? <\/em>aber wird dies sehr konkret, indem minuti\u00f6s beschrieben wird, wodurch die hellsichtigen Gaben zur Entwicklung kommen. Es ist die Ausbildung einer feinen, sich weit verzweigenden Moralit\u00e4t.<\/p>\n<p>So erwarteten wir, mein Mann und ich \u2013 ich war noch jung, 33 Jahre alt \u2013, bei unserem Eintreten in die Anthroposophische Gesellschaft, in einen Kreis von Menschen hineinzukommen, in dem das Bewusstsein dieser zwei S\u00e4ulen der Anthroposophie entwickelt w\u00e4re. Dass nicht alle Menschen Geisteswissenschaftler sein konnten, dass nicht alle Menschen einen hohen moralischen Entwicklungsstand haben konnten, ist nat\u00fcrlich deutlich. Aber ich erwartete in jedem Fall das <em>Streben<\/em> danach, ich erwartete, einer Vereinigung von Menschen beizutreten, die als eine spirituelle Bruderschaft das Wahrhaftigste, das Sch\u00f6nste und das Beste gemeinsam suchen und teilen wollten. Stattdessen wurde bei unserem Eintritt unangek\u00fcndigt eine Art &#8218;Hazing&#8216; vollzogen \u2013 daf\u00fcr war ich wiederum bereits zu alt. In einer Studentenvereinigung wei\u00df man wenigstens, dass man dies zu erwarten hat.<\/p>\n<p>Es wurde uns deutlich gemacht, dass man nicht auf uns gewartet hatte, dass wir nicht erw\u00fcnscht waren, dass wir \u00fcberhaupt nicht hineinpassten, dass wir einen langen Weg vor uns h\u00e4tten, um uns an den Verhaltenskodex, den Kleidungskodex und was wei\u00df ich noch f\u00fcr Kodizes anzupassen h\u00e4tten, wie sie von den Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft gepflegt w\u00fcrden.[2] Ein Streben nach dem Wahren, Sch\u00f6nen und Guten schien in eine Illusion umgeformt worden zu sein, einen Schein bereits erreichter Heiligkeit oder einen Schein von Bescheidenheit auf diesem Gebiet.<\/p>\n<p>Aber es war deutlich, dass wir dieselben Worte benutzten, dieselben S\u00e4tze lasen und von demselben Werk und demselben Autor doch in gewissem Sinn begeistert waren. So fanden wir innerhalb der Gesellschaft doch eine Reihe von Menschen, mit denen wir gut auskamen, mit denen wir zusammenarbeiten konnten. Aber im \u00dcbrigen schien der Unterschied nur noch zu wachsen: Ich erlebte eine v\u00f6llig andere Perzeption der Anthroposophie, als ich sie selbst hatte, und ich habe mir jahrelang immer wieder die Frage gestellt: Wer hat auf all dies nun eigentlich den richtigen Blick? Die &#8218;andere&#8216; Anthroposophie war so etwas wie eine bei fast Allen zur Gewohnheit gewordene Lebenshaltung \u2013 die ich nicht annehmen wollte. Dar\u00fcber hinaus schien Steiner zu einem Portrait im B\u00fccherschrank geworden zu sein: zum Gl\u00fcck ist er nicht bei lebendigem Leibe anwesend, denn dann m\u00fcssten wir ihm zuh\u00f6ren&#8230; Es geht hier nicht um den individuellen Menschen, mit dem ich meistens gut auskommen kann, egal ob Anthroposoph oder nicht. Es geht um das &#8218;Kollektivwesen&#8216;, an dem die Anderen teilnehmen wollten und wir nicht.<\/p>\n<p>In dem Ma\u00dfe, in dem ich mehr Wissen \u00fcber das Leben Rudolf Steiners erwarb, \u00fcber sein Wirken in der Anthroposophischen Gesellschaft, den Brand des Goetheanums, das schwere Jahr 1923, die Gr\u00fcndung einer neuen Anthroposophischen Gesellschaft, das \u00dcbernehmen ihres Vorsitzes, die neun Monate intensiver Wirksamkeit, die Schwierigkeiten zwischen Marie Steiner und Ita Wegman, die anderen Schwierigkeiten zwischen anderen Menschen, den Tod Rudolf Steiners und das menschliche Chaos danach \u2013 wurde es mir schmerzlich deutlich, dass es unm\u00f6glich sein musste, dass Rudolf Steiner noch dasselbe Verh\u00e4ltnis in Bezug auf die Anthroposophische Gesellschaft haben sollte, wie es bestand, als er den Vorsitz \u00fcbernahm und noch lebte. Er war schlie\u00dflich f\u00fcr die anthroposophische Bewegung der esoterische Zug, der durch die Gesellschaft geht. Nun kann man sich zwar vorstellen, dass dieser Zug nach Steiners Tod dennoch weiter durch die Gesellschaft h\u00e4tte gehen k\u00f6nnen, wenn diese Vereinigung gleichsam eine Gralsgemeinschaft von Menschen gewesen w\u00e4re, die miteinander eine Schale geformt h\u00e4tten, in die der esoterische Zug h\u00e4tte eintreten k\u00f6nnen. Das muss unmittelbar nach Steiners Tod die Hoffnung von Ita Wegman gewesen sein \u2013 w\u00e4hrend Marie Steiner mehr die ebenfalls berechtigten Empfindungen hatte, dass es nun vorbei w\u00e4re und dass bescheiden und hart innerlich gearbeitet werden m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Es gibt okkulte Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, so wie es auch nat\u00fcrliche Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten gibt. Es steht dem Menschen frei, seiner Phantasie freien Lauf zu lassen und zu phantasieren, dass diese okkulten Gesetze auch gebrochen werden k\u00f6nnten und dass dann dennoch alles gleich bliebe. Es steht Menschen aber andererseits auch frei, tief von dem Bewusstsein durchdrungen zu sein, dass diese okkulten Gesetze wirklich existieren und dass gegen sie nicht ges\u00fcndigt werden kann, ohne dass dies weitreichende Folgen hat. Was mich betrifft, war es deutlich, dass \u2013 als ich in die Gesellschaft kam \u2013 der esoterische Zug nicht da war, dass es eine exoterische Vereinigung war und ist. Das bedeutet nat\u00fcrlich nicht, dass Rudolf Steiner sich von den Anthroposophen abgewendet hat; auch nicht, dass er sich von der Gesellschaft als einer Gesellschaft von Menschen, die begeistert von seinem Werk und seiner Individualit\u00e4t als Tr\u00e4ger dieses Werkes sind, abgewendet h\u00e4tte. Aber dass die Verbindung unverbr\u00fcchlich esoterisch erhalten bleiben k\u00f6nnte, wenn solche Dinge geschehen, die mit Unwahrheit und L\u00fcgen auf allen Seiten zusammenh\u00e4ngen, wie sie sich nach Rudolf Steiners Tod vollzogen haben und schlie\u00dflich zum Beispiel zum Ausschluss von zwei Vorstandsmitgliedern gef\u00fchrt haben, die von Rudolf Steiner selbst ausgew\u00e4hlt worden waren, zusammen mit einer gro\u00dfen Zahl zu ihnen geh\u00f6render Mitglieder \u2013 das ist <em>spirituelle Phantasie<\/em>.<\/p>\n<p>Obwohl also die Gesellschaft von Anthroposophen nicht das war, was ich erwartete, aber theoretisch ein Gef\u00fchl von Br\u00fcderlichkeit, von Geschwisterlichkeit bestand, weil wir uns mit demselben Thema besch\u00e4ftigten, blieben mein Mann und ich vierzehn Jahre lang Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft. Ich habe diese Mitgliedschaft nie als eine Verpflichtung gegen\u00fcber Rudolf Steiner erlebt. Ich erlebte ihn schlie\u00dflich nicht als esoterisch mit der Gesellschaft verbunden, es war f\u00fcr mich in diesem Sinne eine &#8218;gew\u00f6hnliche&#8216; Gesellschaft, nur mit einem besonderen Ausgangspunkt. Dennoch erwartete ich von dem Vorstand, dass die Vorstandsmitglieder ein Gef\u00fchl esoterischer Verantwortlichkeit h\u00e4tten und dass sie die okkulten Gesetzen kennen und respektieren w\u00fcrden, weil man erwarten durfte, dass wenigstens der Vorstand um diese wusste. Es war nur unsere feurige Liebe zur Anthroposophie \u2013 auch wenn es eine &#8218;andere&#8216; zu sein schien \u2013 und zu ihrem Begr\u00fcnder, die dazu f\u00fchrte, dass wir Mitglied blieben.<\/p>\n<p>Etwa Mitte der neunziger Jahre kam es in den Niederlanden zu einem Medientumult, entstanden durch eine Mutter, die sich gegen einen als rassistisch erlebten Unterricht in einer Waldorfschule gewandt hatte und damit schlie\u00dflich zur Zeitung gegangen war. Die Zeitung griff dies gerne auf. Der Artikel rief gro\u00dfe Emp\u00f6rung hervor, die sich gegen Rudolf Steiner wandte, weil von ihm diese rassistischen Ansichten kommen sollten. Wenn man diese Artikel liest, kann man sich vorstellen, dass die betreffende Mutter dies aus Ratlosigkeit ins Rollen gebracht hat. Sie bekam es von allen Seiten mit dem pseudo-anthroposophischen Wesen, mit seinen festen Antworten zu tun, wodurch sie sich missachtet und misshandelt f\u00fchlte. Es ist wie bei einem Arzt, der von einem Patienten angeklagt wird. Das geschieht meist, wenn es bei einem medizinischen Fehler kein Gespr\u00e4ch mit dem Patienten gibt, in dem der Arzt sein Verst\u00e4ndnis zeigt. Hier war der betreffende Waldorflehrer derjenige, der den Fehler machte.<\/p>\n<p>Ich verstehe nat\u00fcrlich sehr gut, dass es f\u00fcr den Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in den Niederlanden ein gro\u00dfes Problem war. Aber ein okkultes Gesetz ist, dass der Sch\u00fcler der Geistesschulung dem Lehrer v\u00f6llig vertraut. Nicht ein blindes Vertrauen darf dies sein, es muss ein Vertrauen sein, das auf Einsicht beruht. Von Vorstandsmitgliedern durfte das erwartet werden. Wer an der &#8218;moralischen Sch\u00f6nheit&#8216; des Lehrers zweifelt \u2013 auch wenn dies auf mangelnder Einsicht beruht \u2013 kann nicht sein Sch\u00fcler sein. Aber der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in den Niederlanden musste mit der Unruhe, die dieser Tumult in den Niederlanden verursachte, etwas tun und man leitete eine Untersuchung der Gesamtausgabe ein, bei der nach Zitaten mit Aussagen Rudolf Steiners gesucht wurde, die nach modernen Ma\u00dfst\u00e4ben als rassistisch beurteilt werden m\u00fcssten[3]. Schlie\u00dflich wurde ein allgemeiner Bericht in den Medien gesetzt, dass sich der Vorstand von solchen Aussagen Steiners distanziere.<\/p>\n<p>Diese Untersuchung ging f\u00fcr mich schon einen Schritt zu weit. Wenn man jedoch schon eine solche Untersuchung machen wollte, m\u00fcsste man nicht nur die rassistischen Aussagen sammeln, sondern auch alle Aussagen, die antirassistisch sind, man m\u00fcsste ein ausgewogenes Urteil bilden k\u00f6nnen, nicht ein quantitatives Resultat: sound-so-viel Aussagen sind nach modernen Ma\u00dfst\u00e4ben nicht in Ordnung.<\/p>\n<p>Das Einzige, worauf das Vertrauen in diesen geistigen Lehrer beruhen kann, ist der <em>Zusammenhang<\/em> der ausgesprochenen Gedanken, nicht der isolierte Gedanke. Wenn man die Gedanken aus ihrem Zusammenhang rei\u00dft \u2013 ob sie nun rassistisch oder antirassistisch klingen \u2013, hat man der Wahrheit schon Gewalt angetan, und damit wird dann zugleich dem, der gesprochen oder geschrieben hat, Gewalt angetan. Dies wurde auch der Mutter vorgehalten, die \u00fcber die Aussagen Steiners so beunruhigt gewesen war. Doch das hat nat\u00fcrlich keinen Sinn, ist auch nicht ehrlich gegen\u00fcber dieser Frau, denn sie kann das nicht so einfach verifizieren. Es gilt jedoch sehr wohl f\u00fcr die Vorstandsmitglieder, sie m\u00fcssen sehr wohl einen solchen Standpunkt einnehmen k\u00f6nnen, der \u00fcber Sympathie und Antipathie erhaben ist.<\/p>\n<p>Wer wie ich praktisch die ganze Gesamtausgabe gelesen hat, wei\u00df aus dem Zusammenhang der Gedanken, dass diese Aussagen, die aus ihrem Zusammenhang genommen wurden und dann rassistisch klingen, dies in keinster Weise sind, auch wenn sie noch so furchtbar klingen. Man kann daran sehr leicht verzweifeln, denn man hat es mit einem Geisteswissenschaftler zu tun, der durch den Umfang seine geistigen Kenntnis bereits gezeigt hat, dass er kein Rassist sein <em>kann<\/em>, denn Rassismus ist nicht moralisch, und ein Mensch mit einer derart weitreichenden Einsicht in die geistige Welt <em>ist<\/em> moralisch, denn die Einsicht beruht darauf, ist eins damit. Weiterhin hat man es mit einem sehr umfangreichen Werk zu tun, das teilweise auch aus Vortr\u00e4gen besteht, die urspr\u00fcnglich nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit gedacht waren, sondern f\u00fcr Eingeweihte, f\u00fcr Menschen, die verstanden, worum es sich handelte. Man hat es mit einem umfangreichen Werk zu tun, das sich selbst tr\u00e4gt, als ein Wahrheitsorganismus. Selbst wenn man in diesem Werk einen ganzen Vortrag liest, der einen rassistischen Eindruck machen k\u00f6nnte, wei\u00df man als Leser, der dies wirklich beurteilen kann, unmittelbar, wo man den Gleichgewicht bringenden Gegengedanken finden kann. Nochmals: das kann man nicht als Argument in einer Diskussion verwenden, dann wirkt es wie Verachtung gegen\u00fcber den dummen Menschen, die nichts von Anthroposophie wissen. Aber auch das Denken der Vorstandsmitglieder ist offenbar nicht nuanciert genug gewesen, um in die feinen Verzweigungen des Denkens eines Menschen wie Rudolf Steiner vordringen zu k\u00f6nnen. Der pragmatische Ansatz w\u00e4re sonst unm\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>Statt sich kr\u00e4ftig, taktvoll, verstehend zu wehren, den Spuren Rudolf Steiners folgend, wurde aus politischen \u00dcberlegungen beschlossen, schlie\u00dflich zuzugeben, dass sich im Werk Rudolf Steiners tats\u00e4chlich bestimmte Aussagen finden, die nach den Ma\u00dfst\u00e4ben der modernen Zeit als rassistisch angesehen werden w\u00fcrden. Es wurde eine Zahl genannt, und es wurde ein Bericht in die Medien gesetzt, dass sich der Vorstand von diesen Aussagen distanziere. Viele Menschen atmeten erleichtert auf: Ha, dieser Rudolf Steiner war also nicht perfekt! Oder: Ha, dieser Steiner war also ein Rassist! Ha, endlich brauchen wir ihn nicht so ernst zu nehmen.<\/p>\n<p>Dass dieses Vorgehen von Dornach unterst\u00fctzt wurde, hat sich gezeigt: Paul MacKay, der damals Vorsitzender der Niederl\u00e4ndischen Landesgesellschaft war, ist seit 1996 Vorstandsmitglied am Goetheanum; Christof Wiechert, der damalige Vizevorsitzende, wurde Leiter der P\u00e4dagogischen Sektion am Goetheanum.<\/p>\n<p>Damit ist aber das Band zwischen der Anthroposophischen Gesellschaft und Rudolf Steiner <em>nat\u00fcrlich<\/em> definitiv zerbrochen, aufgrund eines okkulten Gesetzes. Dar\u00fcber ist nicht zu diskutieren. Es spielt keine Rolle, ob man diese oder jene Meinung hat. Man konnte gleichsam <em>sehen<\/em>, wie Rudolf Steiner sich umdrehte und sich abwandte \u2013 nat\u00fcrlich noch immer nicht von den Anthroposophen als Personen, aber sehr wohl von dieser organisierten Institution, die Anthroposophische Gesellschaft hei\u00dft und deren Vertreter \u00f6ffentlich erkl\u00e4rt haben, dass diskutabele bzw. fragw\u00fcrdige Aussagen im Werk Rudolf Steiners zu finden sind und dass sie sich davon distanzieren. Dieser Prozess begann 1995 und war dann 1998 f\u00fcr mich und meinen Mann unmittelbar Anlass, der Gesellschaft, ich m\u00f6chte sagen zusammen mit Rudolf Steiner definitiv den R\u00fccken zu kehren. Ich wei\u00df, dass ich damit als Fundamentalist betrachtet werde. Doch f\u00fcr mich ist das Unsinn. Ich folge nichts und niemandem, ohne selbst zu einer Einsicht gekommen zu sein, wie ich es oben dargestellt habe. Ein Fundamentalist folgt Dogmen, ohne sie zu pr\u00fcfen, und will sie forciert durchsetzen. Wir haben beide einen Brief an den Vorstand geschickt, in dem unsere Gr\u00fcnde standen, die Mitgliedschaft zu beenden. Das war 1998. Im M\u00e4rz 2008 berichtete mir ein Freund, dass die Rassismusfrage auch in Deutschland wieder aufgegriffen wurde, und ich hatte damals Gelegenheit, mich zwei Wochen lang von meinen Pflichten zur\u00fcckzuziehen und das Buch &#8218;Der lebendige Rudolf Steiner&#8216; zu schreiben \u2013 das inzwischen auch ins Englische \u00fcbersetzt worden ist. Darin habe ich das, was ich jetzt in K\u00fcrze dargestellt habe, so ausf\u00fchrlich wie m\u00f6glich in Worte gefasst. In den dazwischen liegenden zehn Jahren (1998 &#8211; 2008) habe ich nicht dar\u00fcber geschrieben. Ich werde niemanden dazu bringen, dasselbe zu tun und die Mitgliedschaft zu k\u00fcndigen. Das muss jeder selbst wissen. Und ich verurteile die Menschen nicht, die Mitglied bleiben. Aber ich kann es nicht \u2013 ich <em>will<\/em> es nicht. Die Begegnung mit Rudolf Steiner ist die wichtigste in meinem Leben. Die Begegnung mit der Gesellschaft die schwierigste.<\/p>\n<p>2010 haben wir ein Gespr\u00e4ch mit einer Reihe von Mitgliedern des &#8218;Vorstandes am Goetheanum&#8216; gef\u00fchrt, bei dem noch einige andere prominente Anthroposophen anwesend waren. Es war Prokofieff anwesend, Christoph Wiechert als Leiter der P\u00e4dagogischen Sektion, und auch Paul Mackay. In dem Gespr\u00e4ch ging es nicht \u00fcber die Rassismusfrage, es ging um mein Buch &#8218;Eine Klasse voller Engel&#8216;, und ich sollte in Worte fassen, was meinem Erleben nach der Gesellschaft fehlt, als Lebenselement. Es gelang mir nicht, es da auszusprechen, obwohl ich viel gesagt habe. Schlie\u00dflich kam von Prokofieff die Frage, ob wir, mein Mann und ich, nicht doch wieder die Mitgliedschaft in der Gesellschaft erw\u00e4gen wollten. Wir haben das abgewiesen, wodurch ein Gespr\u00e4ch \u00fcber die Motive in Gang kam. Ich erinnere mich, dass Heinz Zimmerman verstehen konnte, dass wir nicht zur\u00fcckkommen konnten, weil sich an den Gesichtspunkten des Vorstandes nichts ge\u00e4ndert hatte.<\/p>\n<p>Das \u00f6ffentliche Zugeben, dass die Anthroposophie auf dem Gebiet des Rassismus nicht ganz davonkomme, hat ein Tor f\u00fcr eine immer weitreichendere Verleumdung Rudolf Steiners ge\u00f6ffnet. So lernten wir die irref\u00fchrende, verleumdende Darstellungsart von Helmut Zander kennen. Und seit einigen Jahren kennen wir auch die pseudowissenschaftlichen Filettiermethoden von Christian Clement, wo hinter einer wissenschaftlichen Maske versucht wird, die Gediegenheit und Originalit\u00e4t der Anthroposophie und ihres Begr\u00fcnders herabzusetzen. Hier kann man bei Hegel Trost finden: &#8218;Das leichteste ist, was Gehalt und Gediegenheit hat, zu beurteilen, schwerer, es zu fassen, das schwerste, was beides vereinigt, seine Darstellung hervorzubringen.&#8216; Es ist leicht f\u00fcr Menschen mit mittelm\u00e4\u00dfigem Talent, ein Genie und sein Werk zu beurteilen.<\/p>\n<p><em>Warum sind die vermeintlich rassistischen Aussagen Rudolf Steiners nicht rassistisch? <\/em><\/p>\n<p>Nun will ich versuchen, in Worte zu fassen, warum auch inhaltlich gesehen Rudolf Steiner nicht Rassist genannt werden kann, trotz aller aufreizenden Zitate auf diesem Gebiet, deren Existenz ich nicht leugne. Es ist ein gewagtes Unternehmen, weil die Gem\u00fcter dar\u00fcber erhitzt sind und von einem vernunftvollen Denken dann bekanntlich kaum noch die Rede sein kann. Das Vorurteil wirkt wie ein Streichholz, eine Lunte im Pulverfass. Aber ich habe an verschiedenen Orten ausgesprochen, dass ich der Meinung bin, dass mit einem vern\u00fcnftigen Denken glaubhaft gemacht werden k\u00f6nnte, dass bei Rudolf Steiner keine Rede von Rassismus sein kann. Diese \u00dcberzeugungskraft w\u00fcrde dann auch f\u00fcr Menschen bestehen, die keine Liebe zu Rudolf Steiner haben, oder mehr noch, die wirklich eine Abneigung gegen ihn haben.<\/p>\n<p>Dass es, \u00fcber die Erde verbreitet, verschiedene Rassen gibt, die Erkenntnis dessen, kann nicht Rassismus genannt werden. Ich erinnere mich meiner Grundschulzeit \u2013 nicht an einer Waldorfschule \u2013 wie wir im Erdkundeunterricht lernen mussten, dass es f\u00fcnf Rassen gibt, und diese wurden einfach mit einer Farbe benannt: gelb, braun, schwarz, wei\u00df und rot. In den Erdkundeb\u00fcchern wurden die verschiedenen Rassen auch noch kurz beschrieben, es wurden bestimmte deutliche Merkmale gegeben, zum Beispiel die Form der Augen. Diese Art von Unterscheidungen kann jeder Mensch, der mit seinen Augen sehen kann, wahrnehmen, und das Beschreiben dessen ist wirklich noch kein Rassismus. Man kann auch nicht sagen, dass diese Unterschiede nicht da w\u00e4ren. In diesem Sinne hat Rudolf Steiner, mehr von einem geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus, oft sehr deutlich diese Unterschiede beschrieben. Das ist jedoch etwas sehr Anderes als das <em>Verleihen eines Wertes<\/em> in Bezug auf die <em>Menschen<\/em>, die in den verschiedenen Rassen leben, wobei man eine Rangordnung aufstellt und dann auf Menschen in anderen Rassen als der eigenen herabblicken kann. Das ist Rassismus, und das wird nat\u00fcrlich noch schlimmer, wenn diese Werturteile zu einer Gewohnheit werden und im Umgang des einen Menschen mit dem anderen wirksam werden, als ein Volksstolz, ein Nationalismus kultiviert werden. Mit Hilfe von Zitaten wird dies Rudolf Steiner zwar zugeschrieben, aber das hat er niemals beschrieben, es sind immer kulturhistorische spirituelle Beschreibungen, die sich nicht auf den individuellen Menschen in einer Rasse anwenden lassen. Ich k\u00f6nnte auch noch auf die Qualit\u00e4t der Wiedergabe der gesprochenen Vortr\u00e4ge eingehen. Ich wei\u00df selbst, wie anders die Dinge, die ich sage, oft notiert werden. Aber ich finde vor allem, dass das aristotelische Prinzip gehandhabt werden muss: dass man von der Essenz ausgeht, die in dem Begriff lebt, und dann die Details ableitet \u2013 und nicht die Details mit Hilfe von Induktion zu einer Theorie zusammenflicken darf. Man w\u00fcrde mit dem ersten Grundsatz die Essenz von Rudolf Steiner und der Anthroposophie erfassen und von da aus <em>sicher wissen<\/em>, dass bestimmte Details in dem umfangreichen Werk nicht bestimmend f\u00fcr das Ganze sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich kann mich selbst, Anthroposophin und eine feurige Kennerin des Werkes Rudolf Steiners, auch nicht als eine Rassisistin betrachten. Ich habe in meiner fast zwanzigj\u00e4hrigen Praxis als \u00c4rztin in Den Haag Menschen aus allen Rassen in der Sprechstunde gehabt, und ich darf wohl sagen, dass ich die Differenzierungen, die Originalit\u00e4t, den Tiefgang, die Spiritualit\u00e4t verschiedener Rassen, die nicht zur wei\u00dfen Rasse geh\u00f6ren, genossen habe. Nie w\u00fcrde es mir einfallen, mich wegen meiner wei\u00dfen Hautfarbe \u00fcber Mitmenschen mit einer anderen Hautfarbe zu erheben. Wir haben zudem in der <em>wei\u00dfen<\/em> Rasse Exemplare wie Adolf Hitler erlebt&#8230; Es gibt \u00fcbrigens moderne wissenschaftliche Autoren, die sich, von ihnen selbst wahrscheinlich unbemerkt, sehr diskriminierend auslassen. Aber wenn man nicht Rudolf Steiner hei\u00dft, sondern zum Beispiel Habermas, dann macht es offenbar nichts aus, wenn man herablassend \u00fcber die verschiedenen Rassen und Volksst\u00e4mme spricht. Ich habe ein Studium der &#8218;Theorie des kommunikativen Handelns&#8216; von J\u00fcrgen Habermas betrieben, habe diese Theorie gelesen, studiert, und begegnete in dem Teil \u00fcber die Rationalisierung der Kultur bestimmten anthropologischen Forschungen. Da wird \u00fcber einen bestimmten Volksstamm mit dem Terminus &#8218;Wilde&#8216; gesprochen. Das sind also Menschen, die in dieser Zeit leben und die &#8218;wild&#8216; genannt werden. Das halte ich f\u00fcr ein Wort, das an Rassismus grenzt. Diese Menschen m\u00f6gen noch so &#8218;wild&#8216; geblieben sein, es steckt ein moralischer Unterton in dieser Benennung, der dann auch in dem betreffenden Text zum Ausdruck kommt: &#8218;Wir k\u00f6nnen zwar sagen, dass der gemeinsame Gehalt unseres Denkens \u00fcber den Regen wissenschaftlich ist und mit den objektiven Tatsachen \u00fcbereinstimmt, w\u00e4hrend der gemeinsame Gehalt des wilden Denkens unwissenschaftlich ist, da es nicht mit der Wirklichkeit \u00fcbereinstimmt und zudem mystisch ist, insoweit es die Existenz \u00fcbersinnlicher Kr\u00e4fte annimmt.'[4]<\/p>\n<p>Solche Worte wird man bei Steiner nie antreffen, er wird in diesen St\u00e4mmen, die dann sogenannte Wilde sind, die tiefere Weisheitskultur gesehen haben, die bei den &#8218;Nicht-Wilden&#8216; zugleich mit der &#8218;Wildheit&#8216; &#8218;\u00fcberwunden&#8216; wurde, wodurch wir diese Bev\u00f6lkerung geworden sind, die es in der Wissenschaft so gewaltig weit gebracht hat, einer Wissenschaft, die doch oft alle Weisheit g\u00e4nzlich verloren hat. Aber gerade das wird Steiner angekreidet, gerade das wird als herablassender Hochmut aufgefasst, dass er die alte Weisheitskultur hochsch\u00e4tzt und sie nicht als eine zuf\u00e4llige &#8218;Erziehungs-&#8218;Erscheinung eines Stammes oder Volkes betrachtet. Bei Steiner findet man eine entschiedene Abweisung jeder Beurteilung aufgrund des blo\u00df Leiblichen \u2013 was jedem Rassismus widerspricht.<\/p>\n<p>Eine Rassendiskriminierung, bei der an dem individuellen Menschen vorbeigegangen wird und ein Exemplar der Menschheit nach seinem \u00c4u\u00dferen, seiner physischen Erscheinung beurteilt wird, ist mit der Anthroposophie unvereinbar. Wenn man die letzten Vortr\u00e4ge liest, die Rudolf Steiner \u00fcber das Karma der anthroposophischen Bewegung gehalten hat, dann wird man darin lesen, dass die Anthroposophie mit einer Rasse, aber auch mit Nationalit\u00e4t \u00fcberhaupt nichts zu tun hat. Auch nicht mit dem deutschen Volk. In der Anthroposophie geht es um den michaelischen Charakter, und dieser michaelische Charakter ist kosmopolitisch. Er \u00fcbersteigt Nationalit\u00e4t und Rasse und vereinigt die Menschen aufgrund ihres Willens, die pers\u00f6nlich gewordene Intelligenz so zu spiritualisieren, dass diese Michael zur\u00fcckgegeben werden kann, der in alten Zeiten die kosmische Intelligenz repr\u00e4sentierte. Ich darf wohl sagen, dass ich es als eine absolute Verkennung betrachte, wenn von der Anthroposophie gesagt wird, dass sie rassistische Merkmale habe, wenn ihr Begr\u00fcnder als ein Rassist betrachtet wird, oder weniger scharf: als ein Mann, der in seinem Werk hier und da Ideen aufscheinen lasse, die in der modernen Zeit als rassistisch betrachtet werden w\u00fcrden. Dieser Mensch hat mit seinem Werk einen Impuls gegeben, der allen Nationalismus und allen Rassismus, aber auch allen Unterschied in der religi\u00f6sen \u00dcberzeugung, allen Fanatismus und Fundamentalismus \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>[1]Erschienen in &#8222;Anthroposophie&#8220;, 19.4.2016, als Autoreferat \u00fcber den Vortrag von 3.4.2005 unter dem Titel &#8222;Unsere Beziehung zu Rudolf Steiner heute&#8220;. &#8211; Erschienen auch in <em>Sergej O. Prokofieff,\u00a0<\/em>&#8222;Von der Beziehung zu Rudolf Steiner&#8220;, 4. Kapitel: &#8222;Ein Weg zu Rudolf Steiner&#8220;, 1. Auflage, Dornach, 2006.<br \/>\n[2] Als ich dies w\u00e4hrend meiner Begegnung in Dornach mit einer Reihe von W\u00fcrdentr\u00e4gern besprechen wollte, wurde mir zu verstehen gegeben, dass viele dies durchgemacht h\u00e4tten, dass es also nichts Besonderes sei \u2013 was es nur schmerzlicher macht. Diese Art, jemandem zu begegnen, ist bezeichnend f\u00fcr den Umgang unter Anthroposophen. Nie meine ich damit alle Individuen, sondern das kollektive Vereinigungswesen.<br \/>\n[3] Siehe: Anthroposophie und die Rassismus-Vorw\u00fcrfe, Kontext Band 1, Info 3 Verlag, 1998.<br \/>\n[4]E.E. Evans Pritchard.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oft werde ich gefragt, warum wir kein Mitglied der Anthroposophische Gesellschaft sind. Anfang 2016 wurde mir die Frage von dem Redakteur der Schweizer Zeitschrift &#8218;Ein Nachrichtenblatt&#8216; gestellt, ob ich je etwas dar\u00fcber geschrieben h\u00e4tte, oder vielleicht jetzt etwas schreiben k\u00f6nnte? Er w\u00fcrde den Artikel ver\u00f6ffentlichen. 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