{"id":3626,"date":"2018-03-18T00:00:00","date_gmt":"2018-03-17T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/vortrag-ueber-mindful-thinking-teil-2\/"},"modified":"2025-06-22T15:46:25","modified_gmt":"2025-06-22T13:46:25","slug":"vortrag-ueber-mindful-thinking-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/vortrag-ueber-mindful-thinking-teil-2\/","title":{"rendered":"Vortrag \u00fcber mindful thinking &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Zum ersten Teil des Vortrags <a title=\"Vortrag \u00fcber mindful thinking - Teil 1\" href=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/vortrag-ueber-mindful-thinking-teil-1\/\">bitte hier klicken<\/a>.<\/p>\n<p>Nun ist es nat\u00fcrlich so, dass man, wenn man ein Aufmerksamkeitstraining durchmacht, so dass man mit einer gewissenhaften, ruhigen, nicht urteilenden, nicht strebenden Aufmerksamkeit <em>in dem Moment <\/em>ist, sich eigentlich auch fragen m\u00fcsste: Was ist eigentlich die Bedeutung der Vergangenheit, und was ist die Bedeutung der Zukunft?<\/p>\n<p>Es ist deutlich, dass wir sehr stark aus dem Momenterleben weggezogen werden, indem wir in Gedanken sind. Dadurch ist man nicht wirklich dabei. Man k\u00f6nnte sagen: Das sind immer Gedanken, die aus der Vergangenheit kommen. Manchmal auch sehr konkret, indem ein Gespr\u00e4ch, das man kurz zuvor gehabt hat, noch nachzirkuliert und nicht enden will, das ist wirklich die Vergangenheit.<\/p>\n<p>Aber wir kennen nat\u00fcrlich auch diejenigen ablenkenden Gedanken, die mit dem zu tun haben, was wir alles noch machen werden. Das ist die Zukunft. Da hat man mehr mit den Aktivit\u00e4ten zu tun, die man noch verrichten wird. Im Denken steckt man mehr in der Vergangenheit, und wenn die Aktivit\u00e4ten, die man noch verrichten muss, in die Gedanken kommen, liegt man zu weit voraus. In beiden F\u00e4llen vers\u00e4umt man den Moment.<\/p>\n<p>Angenommen, man h\u00e4tte das Problem weitgehend gel\u00f6st und es gel\u00e4nge einem, im Leben wirklich da zu sein. Immer besser und besser. Was ist <em>dann <\/em>die Bedeutung von Vergangenheit und Zukunft?<\/p>\n<p>Man kann sagen, dar\u00fcber haben sich die Philosophen den Kopf zerbrochen. Aber es gibt auch Menschen, Br\u00fcder und Schwestern, die tiefer schauen k\u00f6nnen als ein Philosoph, und sie brauchen sich nicht so sehr den Kopf zu zerbrechen \u2013 da bricht vielleicht mehr das Herz.<\/p>\n<p>Die, die tiefer blicken als ein Philosoph, wissen, das Denken, das pure Denken, sehr konkret mit der Vergangenheit zu tun hat. Damit meine ich, dass man, wenn man darin eine Reise in die Vergangenheit machen k\u00f6nnte \u2013 nicht wie der Psychologe, sondern in spirituellem Sinne \u2013, man wirklich in die Art des Denkens untertauchen k\u00f6nnte und dann gleichsam auf dem Strom der Zeit in die Vergangenheit zur\u00fcckreisen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dann w\u00fcrde man fi nden, dass alles, was Denken ist \u2013 nicht das Haben von Gedanken, sondern wirklich Denken \u2013, schon da war, bevor man geboren wurde. und dass es sogar schon vor der Empf\u00e4ngnis da war. Dass es etwas ist, was aus einer Zeit kommt, die man das vorgeburtliche Dasein nennen k\u00f6nnte. Das w\u00e4re f\u00fcr jeden, der sich die M\u00fche machen wollte, auch nachvollziehbar. Nicht unmittelbar, nicht von heute auf morgen. Aber wenn man viel Zeit \u2013 mit einem Nicht-Urteilen, mit Geduld, endlosem neuem Beginnen, Vertrauen, Nicht-Streben, Akzeptanz, Loslassen \u2013 f\u00fcr dieses Zur\u00fcckgehen in der Zeit aufbringen k\u00f6nnte, w\u00fcrde jeder letztendlich zu einem Punkt kommen, wo man sagt: Ja, hier h\u00f6rt eigentlich meine gew\u00f6hnliche Erinnerung auf, und dies ist das Ende einer spirituellen Erinnerung. Diese spirituelle Erinnerung f\u00fchrt mich zum Vorgeburtlichen zur\u00fcck, und wenn ich imstande bin, sehr weit zur\u00fcckzugehen, dann f\u00fchrt diese Besinnung in der Zeit mich sogar zu einer vorherigen Inkarnation zur\u00fcck. Man ist dann nat\u00fcrlich nicht im Jetzt bewusst. Sondern man ist dann zunehmend in dem bewusst, wo man eigentlich herkommt.<\/p>\n<p>Man kann sich auch auf das besinnen, was man eigentlich macht, wenn man mit den Sinnen wahrnimmt. Man richtet seine Aufmerksamkeit also nicht so sehr auf die Wahrnehmung an sich \u2013 was man in der Mindfulness sehr wohl tut \u2013, man schaut eigentlich nicht so sehr, aber man schaut auf das, was man macht, wenn man wahrnimmt. Was genau ist die Seelenaktivit\u00e4t, wenn ich es so nennen darf? Womit richtet man seine Aufmerksamkeit auf das Sehen, auf das H\u00f6ren, auf das Tasten, auf das Riechen, Schmecken etc.? Was ist es genau, was ich dann tue?<\/p>\n<p>Und wenn man dem auf die Spur kommt, entdeckt man, dass dies eine entgegengesetzte Bewegung zur Denkbewegung ist. Hier gibt es nun \u00fcberhaupt keine Neigung zur Vergangenheit zur\u00fcckzugehen. Sondern das ist eine Bewegung, von der man sagen k\u00f6nnte, sie ist gerichtet auf etwas.<\/p>\n<p>Da setzt man eine bestimmte Kraft ein, wodurch man seine Aufmerksamkeit richtet. Wodurch man mit dem Auge hierhin oder dorthin schaut. Wodurch man auf das lauscht, was man an Ger\u00e4uschen h\u00f6rt. Und wodurch man vielleicht den Rosen- oder den Lilienduft riecht&#8230;<\/p>\n<p>Das Riechen des Duftes ist die Erfahrung der Gegenwart. Aber das Richten der Aufmerksamkeit ist Zukunftsbewegung. Das ist eine Bewegung, die im Jetzt beginnt und auf die Zukunft vereist. Das kann man f\u00fchlen, erleben lernen. Wenn man dann den Moment erlebt, in dem man mit der vollen Aufmerksamkeit darinnen ist &#8230; wobei man die Gewahrwerdung hat, dass man mit seinem ganzen Wesen wirklich da ist, dann kann man in dem Moment f\u00fchlen, wie der Strom aus der Vergangenheit sich gleichsam in diesen Moment einrollt und wie auf der anderen Seite der Zeitstrom aus der Zukunft sich auch in den Moment einrollt, aber in einer umgekehrten Bewegung. Und man f\u00fchlt sich in einem Wirbelpunkt der Zeit, wo der Moment lebt \u2013 der in dem Moment, wo man sich bewusst wird, dass es der Moment ist, schon nicht mehr dieser Moment ist.<\/p>\n<p>Der Mensch hat die M\u00f6glichkeit, viel weiter in der Selbsterkenntnis vorzudringen, als es durch die Natur gegeben ist. Damit folgt man einem alten Aufruf, der zu Sokrates\u2019 Zeit schon von diesem ge\u00e4u\u00dfert wurde: O Mensch, erkenne dich selbst!<\/p>\n<p>Und das bedeutet, dass man nicht nur bei dem Moment stehenbleibt, dem ein anderer Moment folgt, sondern dass man sich selbst als stehend, als werdend, im Zeitverlauf erleben lernt, als ein Ineinandergreifen, -Rollen, -Str\u00f6men dessen, was aus der Vergangenheit kommt und was man war &#8230; und dessen, was in die Zukunft geht, was man werden wird, was man sein wird. Man hat also nicht nur die Gnade des Moments, sondern man hat eine gewissenhafte, aufmerksame Bewusstheit f\u00fcr das, was aus der Vergangenheit man war. Und f\u00fcr alles, was mit einem zusammenh\u00e4ngt und was in der Zukunft <em>man <\/em>sein wird.<\/p>\n<p>In dieser Weise kann man eine solche ,Stuhl\u2019-Meditation, eine Wahrnehmungsmeditation oder eine Rosenmeditationmachen und dann versuchen, sich immer intensiver bewusst zu werden, dass der Moment nicht das Einzige ist, was z\u00e4hlt, sondern dass in dem Moment fortw\u00e4hrend ein Strom von Weisheit ausbl\u00fcht.<\/p>\n<p>Das Denken geht nicht weiter als bis zum jetzigen Moment. Und im n\u00e4chsten Moment ist es nat\u00fcrlich wieder weiter, aber dann ist es auch schon dieser n\u00e4chste Moment. Das Denken an sich als Zeitgeschehen, als Zeitstrom &#8230; bl\u00fcht nicht \u00fcber den Moment hinaus. Was es sehr wohl tut, ist, sich zu dem Haben von Gedanken aufzublasen. Und das ist etwas, wodurch man das Denken selbst nicht gewahr wird. Wenn man aber eine solche Wahrnehmungsmeditation macht und diesen Strom des Denkens aus der Vergangenheit bis ins Jetzt als sinngebendes Element in sich kennenlernt, kann man auch dazu kommen, die Blickrichtung umzukehren.<\/p>\n<p>Wenn man das Denken als ein gewissenhaftes, aufmerksames, sinngebendes Wissen, als Weisheit, kennengelernt hat, die sich in einem unter eigenem Mitwissen vollzieht, kann man sich auch umschauen. Umschauen nach dem, der dies alles tut. Dann richtet man den wahrnehmenden Blick, der dann zugleich Denken ist, nicht auf eine \u00e4u\u00dfere Wahrnehmung. Sondern dieser richtet sich auf einen selbst. Auf das Selbst! Auf den, dessen Namen man fortw\u00e4hrend ausspricht, wenn man von sich selbst spricht. Man richtet den Blick mindful, denkend, wahrnehmend auf ,Ich\u2019!<\/p>\n<p>Wenn man eine Vorbereitung getroffen hat, als Meditation, in der man das Denken in der Wahrnehmung findet, dann wird diese Wahrnehmung des eigenen Ich etwas ganz anderes, als man sie hat, wenn man ein Selbstgef\u00fchl hat, wozu man auch ,ich\u2019 sagt.<\/p>\n<p>Man lernt, genau wie man die Rose und die Lilie in dem Moment wahrnehmen kann, ohne zu urteilen, in aller Geduld, in aller Akzeptanz, ohne Streben, ohne Meinungen, wie man also mit der Mindfulness eine Rose wahrnehmen kann, ebenso lernt man, weil man das Denken darin gefunden hat, auch auf das zu blicken, was <em>Ich <\/em>ist.<\/p>\n<p>Und dann wird das eigene Selbst, das eigene Ich, ein <em>Ph\u00e4nomen<\/em>. Ich meine damit ein Etwas, das erscheint. Nicht etwas, was man bedenkt. Auch nicht etwas, was man beurteilt oder wovon man sagen muss: Nun ja, das ist mein Ego, davon muss ich weg.<\/p>\n<p>Es ist ein Ph\u00e4nomen. Ph\u00e4nomenal k\u00f6nnte man sagen. Und das gilt f\u00fcr jedes Ich! Wenn man dazu kommen k\u00f6nnte, mit dieser aus der Wahrnehmung destillierten reinen Denkaktivit\u00e4t, die immer da ist und derer man sich nicht bewusst ist, sein Ich, dasjenige, wozu man Ich sagt, anschauen zu k\u00f6nnen \u2013 was dann wirklich ein Befolgen des Aufrufes w\u00e4re: Mensch, erkenne dich selbst \u2013, wenn man das tun w\u00fcrde, dann w\u00fcrde man etwas sehr Sonderbares entdecken. Man w\u00fcrde n\u00e4mlich entdecken, dass alles, was man bis dahin wahrgenommen hat, mit seiner gewissenhaften denkenden Aufmerksamkeit, gleichsam fix und fertig f\u00fcr einen da ist. Und wenn wir hier diese Rose anschauen oder diesen Stuhl betrachten, dann brauchen wir diese nicht erst zu erschaffen, um sie wahrnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Ich zeigt sich auch als gegebenes. In diesem Sinne k\u00f6nntem an also sagen, dass es keinen Unterschied gibt. Denn wenn man den Blick nach innen richtet, trifft man das Ich da an. Man wei\u00df, dass man da ist. Und man schaut nun mit einem etwas klareren Blick, als wenn man sich nur f\u00fchlt oder auf gew\u00f6hnliche Weise gewahr wird, denn man hat sein Denken erleuchtet, buchst\u00e4blich, und das erleuchtete Denken richtet sich nun auf das Ich.<\/p>\n<p>Man bemerkt, dass es also offenbar da ist, und man vergisst alle philosophische Betrachtungen, die behaupten, dass das Ich eine Illusion sei oder dass es nur eine Vorstellung sei oder dass das Ich eine Art Ausscheidung des Leibes sei oder dass das Ich aus der geistigen Welt, aus dem Himmel komme. Man vergisst das! Man denkt also auch seine eventuellen Begriffe nicht, man wendet dem Ich nur den denkenden Blick zu, um das Ich da wahrzunehmen.<\/p>\n<p><em>Das Ich ist da, was es auch sei.<\/em><\/p>\n<p>Doch die sonderbare Entdeckung ist, dass es zwar da ist, dass man aber nicht so au\u00dferhalb dessen steht, wie wenn man die Rose denkend betrachtet. Da, bei der Rose, hat man den Eindruck: Sie ist au\u00dferhalb meines Zutuns gewachsen und sogar au\u00dferhalb meines Zutuns in diese Vase gekommen. So, wie sie jetzt in diesem Moment ist, ist dies au\u00dferhalb meines Zutuns zustande gekommen.<\/p>\n<p>Und nun schaue ich auf das Ich. Wenn man dies als Ph\u00e4nomen betrachten kann, dann wird man mit Sicherheit gewahr: Hier liegt ein Freiheitsmoment. Hier ist es nicht so, dass es fertig ist, was ich da anschaue. Ich schaue etwas an, von dem ich genau wei\u00df, was es ist, obwohl ich es viel schwerer beschreiben oder zeichnen k\u00f6nnte als die Rose. Aber ich wei\u00df, ich bin sehr intim damit verbunden, und ich wei\u00df, dass es nicht seine letztendliche Gestalt hat. Ich wei\u00df, dass es unterwegs ist. Dies ist auch eine Momentaufnahme. Es gibt eine Vergangenheit f\u00fcr dieses Ich. Und es gibt eine Zukunft, die sich aus der Ferne auf dieses Ich zubewegt, daran kann ich nicht so viel \u00e4ndern. Aber die Antwort, die ich auf alles gebe, was mir begegnet? Und auch begegnet ist?<\/p>\n<p>Darin liegt ein Freiheitsmoment. Man k\u00f6nnte sagen: Da hat man die M\u00f6glichkeit, in Freiheit zu bestimmen, wer ich weiter werden will. Man kann nat\u00fcrlich nicht von dem absehen, was schon da ist&#8230; Aber man kann einen gewissenhaften Ausblick f\u00fcr dieses Ich haben. Durch die aufmerksame, gewissenhafte Anschauung dieses Ph\u00e4nomens, das man selbst ist, kann man wissen: So will ich eigentlich sein! So will ich werden, so bin ich noch nicht. Aber so m\u00f6chte ich werden. Und man wei\u00df, dass es eine M\u00f6glichkeit ist, das, was man will, auch einigerma\u00dfen realisieren zu k\u00f6nnen. Das ist das Sonderbare, was man entdeckt, wenn man das eigene Ich gewissenhaft, aufmerksam denkend anschaut. Es besteht wirklich eine M\u00f6glichkeit zur Selbstbestimmung im Ich.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist ein ziemlicher Teil bereits bestimmt. Man wei\u00df: Wenn man gleich aus der T\u00fcr hier geht und vielleicht denkt, nun muss ich zum Parkhaus bei der Oper &#8230; aber ich laufe erst einmal zur Ecke, ich gehe nicht sofort die Stra\u00dfe entlang und \u00fcber die Br\u00fccke, sondern ich gehe noch kurz auf die andere Seite, wo fr\u00fcher dieses eine Gasthaus war, und da will ich noch kurz gucken gehen. Und dann stolpert man \u00fcber einen Stein und bricht sich den Arm, zum Beispiel. Wenn man auf der anderen Seite gegangen w\u00e4re, h\u00e4tte man diesen Stein nicht vor den F\u00fc\u00dfen gehabt. Man kann nicht sagen, dass man in allem die Selbstbestimmung realisiert, denn man tut bestimmte Dinge, ohne dass man genau wei\u00df, warum, man wei\u00df nur: Ich will das so, und dann geschehen Dinge oder es geschehen Dinge nicht. Es kann auch sein, dass man, wenn man auf der anderen Seite gegangen w\u00e4re, ins Wasser gefallen w\u00e4re. Nun l\u00e4uft man auf dieser Seite, und es geschieht nichts, und dann wei\u00df man nicht, dass man ins Wasser gefallen w\u00e4re, wenn man auf der anderen Seite gegangen w\u00e4re. Es ist also gewiss nicht so, dass der Mensch imstande ist, von dem Punkt aus, wo er das Ich als gewisses Freiheitsmoment erkennt, alles in der eigenen Hand zu haben. Das ist nat\u00fcrlich Unsinn.<\/p>\n<p>Aber es gibt einen Aspekt im Ich, der wesentlich anders ist als in allen anderen Dingen im gesamten Dasein. Und das k\u00f6nnte man den <em>Sinn des Ich<\/em>, die Bedeutung des Ich, nennen. Dass es sich bis zu einem gewissen Grade auch selbst gestalten darf.<\/p>\n<p>Es gibt eine gro\u00dfartige Schrift eines Menschen aus der Renaissance-Zeit, Pico della Mirandola. Sie hat den Titel ,Die W\u00fcrde des Menschen\u2019. Er lebte im 15. Jahrhundert. Er erkannte: Der Mensch unterscheidet sich innerhalb der Sch\u00f6pfung von allen anderen geschaffenen Wesen, weil er im Ich die Freiheit der Selbstbestimmung hat.<\/p>\n<p>Das lernt man kennen, wenn man von der ,mindful\u2019 Wahrnehmung aus zu einem ,mindful\u2019 Denken in der Wahrnehmung kommt und dann das, was man da findet, auf denjenigen richtet, der man ist.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr braucht man keine \u00e4u\u00dferen Sinne. Es ist ein innerer Sinn, der dann in die Wahrnehmung gebracht wird. Eine Art ,Sinn\u2019, den man in sich selbst hat, den man fortw\u00e4hrend verwendet. Denn man wei\u00df fortw\u00e4hrend, dass man <em>man <\/em>ist. Und nun wird in dieses Wahrnehmen das klare Bewusstsein gebracht.<\/p>\n<p>Das ist eine andere Weise, den Egoismus zu \u00fcberwinden. Einer der gro\u00dfartigen Ausspr\u00fcche von Rudolf Steiner ist: Die Selbstsucht ist Sucht nach dem Selbst.<\/p>\n<p>Und diese Sucht nach dem Selbst ist befriedigt, wenn das Selbst gefunden ist. Dann hat diese Selbstsucht keine Funktion mehr. Das ist eine ganz andere Art, den Egoismus zu \u00fcberwinden, als zu versuchen, vom Ich abzusehen.<\/p>\n<p>Das Ich hat eine unnachahmliche Impulsivit\u00e4t in sich, sich immer wieder zu erheben. Man kann sich also sehr viel M\u00fche geben, sich vom Egoismus zu befreien, das Ich wird sich doch immer wieder an einem anderen unerwarteten Punkt pl\u00f6tzlich erheben, weil es sich erkannt f\u00fchlen will und weil es gefunden werden will.<\/p>\n<p>Auch hier gilt nat\u00fcrlich: Wenn man <em>einmal <\/em>den Blick ph\u00e4nomenal auf das Ich gerichtet hat, bedeutet das nat\u00fcrlich nicht, dass man kein Egoist mehr w\u00e4re \u2013 aber etwas davon ist dann trotzdem ,abgefallen\u2019.<\/p>\n<p>Auf diese Weise findet man eine andere Art des In-der-Welt- Stehens, die nach meiner \u00dcberzeugung noch reicher ist als die Art des <em>In-der-Welt-Stehens<\/em>, die aus dem Im-Moment- Sein besteht. Wenn man im Moment sein kann, aber zugleich dasjenige, was man aus der Vergangenheit geworden ist, in diesem Moment erkennen kann, und dasjenige, was einem aus der Zukunft entgegenkommt \u2013 was man noch werden willl \u2013 erkennen kann, dann ist dieser Moment kein Punkt, sondern wird ein ,All\u2019 an sich.<\/p>\n<p>Man w\u00fcrde doch eigentlich sagen: Wenn man das einmal einsieht, w\u00fcrde man unverz\u00fcglich, ohne noch irgendwie innezuhalten, damit anfangen. Aber dann zeigt sich, dass es in der Lebenspraxis so einfach nat\u00fcrlich nicht ist. Man braucht wieder sehr das Nicht-Urteilen, die Geduld, das endlose Von-neuem-Beginnen, das Vertrauen, das Nicht- Streben, die Akzeptanz und das Loslassen, um von Tag zu Tag diese Bewegung, die vielleicht eine halbe Stunde kostet und die man eigentlich zweimal am Tag tun m\u00fcsste, immer wieder mit allen Fehlschl\u00e4gen, die man in Kauf nehmen muss, aufzubringen.<\/p>\n<p>Aber man findet etwas, von dem man wei\u00df, wenn man es gefunden hat: Dies bin ich, der war und sein wird. Ich bin jetzt, und ich bin im Moment, und ich kann in dem Moment mit der vollen, gewissenhaften Aufmerksamkeit da sein. Nicht abgelenkt von allem Stress und aller Unsicherheit des Daseins. Und ich wei\u00df <em>auch<\/em>, dass ich, bevor ich in diesem sinnlichen Dasein, in diesem Leib, in dem ich bin, war, auch schon war. Das ist keine Auffassung mehr, das ist keine Meinung mehr, und das ist kein Glaube. <em>Das ist ein absolut sicheres Wissen<\/em>. Weil man selbst, als Ich, in der Zeit zur\u00fcckgehen kann und dann in die Erinnerung dessen kommen kann, dessen man sich mit der gew\u00f6hnlichen Erinnerung nicht erinnert, etwa die erste Zeit, in der man auf Erden war. Man kennt diese Ereignisse nur aus Erz\u00e4hlungen. Man geht sogar zur\u00fcck zu der Zeit vor der Geburt, der Zeit, bevor die Eltern einen empfangen haben. Und es entsteht sogar, wenn die Kraft stark genug wird, ein Bewusstsein vorheriger Inkarnationen. Und zur Zukunft hin: eine Sicherheit \u2013 weil man so sicher wei\u00df, dass das eigene Ich immer da ist, dass man das ist; so sicher wei\u00df man dann auch, dass das Ich mit dem Sterben des Leibes nicht mitstirbt. Man hat das Ich als ein selbstst\u00e4ndig wissendes Wesen kennengelernt. Eine Entit\u00e4t, die man ist, von der man wei\u00df: Sie hat den Leib \u00fcberhaupt nicht n\u00f6tig, um zu sein. Man kann das Bewusstsein des Ich eigentlich um so besser haben, je weniger der Leib mitspricht. Man wei\u00df sicher. Dieses Ich, das ich bin, braucht keinen Leib, um da zu sein.<\/p>\n<p>Ich beende diesen Vortrag mit einer Legende, die unmittelbar damit zu tun hat. Ich lese eine Legende von Jacobus de Voragine vor, mit dem Titel: Der heilige Christophorus.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Christophorus.jpg\" alt=\"Christophorus\" \/><br \/>\nDer heilige Christophorus<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum ersten Teil des Vortrags bitte hier klicken. Nun ist es nat\u00fcrlich so, dass man, wenn man ein Aufmerksamkeitstraining durchmacht, so dass man mit einer gewissenhaften, ruhigen, nicht urteilenden, nicht strebenden Aufmerksamkeit in dem Moment ist, sich eigentlich auch fragen m\u00fcsste: Was ist eigentlich die Bedeutung der Vergangenheit, und was ist die Bedeutung der Zukunft? 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