{"id":3623,"date":"2018-03-04T00:00:00","date_gmt":"2018-03-03T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/die-anthroposophische-bewegung\/"},"modified":"2025-06-22T15:52:14","modified_gmt":"2025-06-22T13:52:14","slug":"die-anthroposophische-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/die-anthroposophische-bewegung\/","title":{"rendered":"Die anthroposophische Bewegung"},"content":{"rendered":"<p>Die Ank\u00fcndigung dieses Tagesseminars machte mich neugierig zu erfahren, was Mieke Mosmuller zu diesem Thema zu sagen hat. Ich war bereits regelm\u00e4\u00dfiger Teilnehmer ihrer Veranstaltungen in der Schweiz und auch in Baden-Baden in Deutschland. Der Tiefgang und Aufbau ihrer Darstellungen, die immer die Spiritualisierung des Denkens als Grundthema haben, hatte mich von Anfang an \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><a title=\"Die Anthroposophische Bewegung\" href=\"https:\/\/occident-media.com\/de\/boeken\/die-anthroposophische-bewegung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" style=\"display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Anthroposophische_Bewegung.jpg\" alt=\"Anthroposophische_Bewegung\" width=\"212\" height=\"313\" \/><\/a>Die Anthroposofische Bewegung<\/em>, Occident 2017<\/p>\n<p>Und so erwartete ich auch dieses Mal in Z\u00fcrich eine tiefgreifende Darstellung zum Begriff \u201eanthroposophische Bewegung\u201d. In Ermangelung besserer R\u00e4umlichkeiten fand die Veranstaltung in einem recht engen Kellerraum statt. Der Raum war mit Klappst\u00fchlen bestuhlt, und eine elektrische Heizung verbreitete warme, aber trockene Luft. Die eher bescheidenen \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde taten der erwartungsfrohen Haltung der ca. 35 Teilnehmer jedoch nicht den mindesten Abbruch. Der Occident-Verlag hat das Seminar 2017 auch als Buch ver\u00f6ffentlicht und so einer breiteren Leserschaft zug\u00e4nglich gemacht. F\u00fcr Teilnehmer des Seminars ist das Buch hervorragend geeignet, noch einmal tief in die Materie einzutauchen. Es bildet auch die Grundlage dieses Textes. Zitate aus dem Buch sind als solche kenntlich gemacht. Die Quelle kann dem Buch entnommen werden. Zitate von Mieke Mosmuller selbst sind kursiv gesetzt.<\/p>\n<p>Mieke Mosmuller stellt zun\u00e4chst dar, wie ihre Erkenntnis zur anthroposophischen Bewegung entstanden ist. Sie ist nicht irgendwie konstruiert oder ausgedacht, sondern im Verlauf ihrer 30-j\u00e4hrigen intensiven Besch\u00e4ftigung mit der Anthroposophie nach und nach entstanden. <em>\u201eUnd sie entstand vor allem dadurch, dass ich diese drei\u00dfig Jahre hindurch die Gesamtausgabe meditierend gelesen habe und sich dann St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck etwas auftut, wovon man sagen kann: Ja, das ist die anthroposophische Bewegung\u201d.<\/em><\/p>\n<p>Und sie sagt gleich, dass diese Erkenntnis ziemlich radikal ist und sie es so sieht, dass anthroposophische Bewegung etwas ganz von der anthroposophischen Gesellschaft Verschiedenes ist und dass die beiden heute nicht mehr vereinigt sind. Dies will sie im Verlauf dieses Tagesseminars begr\u00fcnden und vor allem, wie f\u00fcr sie im Laufe der Zeit ganz deutlich geworden ist, was die anthroposophische Bewegung ist. Und wie eine \u00dcberw\u00f6lbung des Themas f\u00fcr diesen Tag und die weitere Arbeit der Teilnehmer, bringt sie ein Zitat aus der Er\u00f6ffnungsansprache Rudolf Steiners zur Neubegr\u00fcndung der Anthroposophischen Gesellschaft w\u00e4hrend der Weihnachtstagung 1923\/24, das der Wichtigkeit halber auch hier gebracht wird:<\/p>\n<p>\u201eDenn mehr als je k\u00f6nnen wir dessen eingedenk sein, dass eine solche geistige Bewegung, wie diejenige ist, die wir mit dem Namen anthroposophische Bewegung umschlie\u00dfen, keine aus irdischer Willk\u00fcr heraus geborene ist. Und damit m\u00f6chte ich gleich im Anfange unserer Tagung beginnen, darauf aufmerksam zu machen, dass es eben das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts war, wo auf der einen Seite die Wogen des Materialismus hoch gingen, und wo in diese Wogen des Materialismus hineinschlug von der anderen Seite der Welt eine gro\u00dfartige Offenbarung: die Offenbarung eines Geistigen, die derjenige, der eine empf\u00e4ngliche Gem\u00fctsauffassung hat, empfangen kann von M\u00e4chten des Geisteslebens. Er\u00f6ffnet hat sich die Erfahrung eines Geistigen f\u00fcr die Menschheit. Und nicht aus irdischer Willk\u00fcr, sondern aus der Befolgung des Rufes, der aus der geistigen Welt erklungen hat, nicht aus irdischer Willk\u00fcr, sondern im Anblick der gro\u00dfartigen Bilder, die aus der geistigen Welt heraus sich als die neuzeitlichen Offenbarungen ergaben f\u00fcr das Geistesleben der Menschheit, daraus ist der Impuls f\u00fcr die anthroposophische Bewegung erflossen. Diese anthroposophische Bewegung ist nicht ein Erdendienst, diese anthroposophische Bewegung ist in ihrer Ganzheit mit allen Einzelheiten ein G\u00f6tter-, ein Gottesdienst. Und als einen solchen wollen wir sie in unsere Herzen aufnehmen im Beginne unserer Tagung, wollen in unsere Herzen tief einschreiben, dass diese anthroposophische Bewegung die Seele eines jeden Einzelnen, der sich ihr widmet, verbinden m\u00f6chte mit den Urquellen alles Menschlichen in der geistigen Welt, dass diese anthroposophische Bewegung den Menschen hinf\u00fchren m\u00f6chte zu jener letzten, f\u00fcr ihn vorl\u00e4ufig in der Menschheitsentwickelung der Erde befriedigenden Erleuchtung, die sich \u00fcber die begonnene Offenbarung kleiden kann in die Worte: Ja, das bin ich als Mensch, als gottgewollter Mensch auf Erden, als gottgewollter Mensch im Weltenall.\u201d<\/p>\n<p>Es ist gut, die Bedeutung dieser von Rudolf Steiner aus tiefstem Herzen gesprochenen Worte ruhig und tief empfindend in sich aufzunehmen und im ganzen weiteren Verlauf in sich anwesend zu haben.<\/p>\n<p>Der Tag ist dann im Wesentlichen in zwei Teile gegliedert: der Vormittag ist der Zusammenschau des die Grundlage bildenden Inhaltlichen gewidmet, der Nachmittag dem konkreten meditativen Er\u00fcben der Erkenntnis der anthroposophischen Bewegung. Zur Darstellung kommen aufeinander aufbauend:\u00a0die Vorbereitung in der geistigen Welt, d.i. das himmlische Konzil im 15.\/16. Jahrhundert und die Gr\u00fcndung der \u00fcbersinnlichen Michael-Schule zu Beginn des 19. Jahrhunderts; weiterhin ein erstes Durchkommen dieser Vorbereitung in Goethes M\u00e4rchen von der gr\u00fcnen Schlange und der sch\u00f6nen Lilie, und schlie\u00dflich Rudolf Steiner, der zutiefst in dieser Vorbereitung darinnen steht und nun als Ausf\u00fchrender, als Verwirklicher wirkt.\u00a0Wie die Verwirklichung f\u00fcr jeden, der es wirklich will, erlebt werden kann, beschreibt er in dem Aufsatz &#8222;Philosophie und Anthroposophie&#8220;. In diesem Aufsatz wird der konkrete \u00dcbergang von der Philosophie zur Anthroposophie gezeigt.<\/p>\n<p>Und nun ist es ungeheuer erhellend, im Verlauf der Darstellung zu erleben, wie auch dieser Vorbereitung schon Dinge, Ereignisse, Biographien und Taten vorausgehen; in welch umfassendem Beziehungsgef\u00fcge das alles steht.<\/p>\n<p>Es ist f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis notwendig, dies wenigstens in groben Z\u00fcgen auch hier darzustellen. Wir m\u00fcssen bei Plato beginnen, f\u00fcr den die unver\u00e4nderliche Ideenwelt die eigentlich wirkliche Welt, dagegen die irdische Erscheinungswelt mit ihren st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderungen nur der Schattenwurf der ewigen, best\u00e4ndigen Ideenwelt war. Sein Sch\u00fcler Aristoteles macht dann einen ganz entscheidenden Schritt sozusagen auf die Erde. Er setzt die irdische Erfahrungswelt an die erste Stelle. Zugleich ist ihm die Begriffswelt eine absolut reale, ganz im Gegensatz zur Zeit Steiners oder gar der heutigen. Aristoteles macht damit einen sehr wichtigen Schritt tiefer in die irdische Welt hinein, aber mit einem geistig-begrifflichen Ausgleich, der die Waage h\u00e4lt gegen\u00fcber der materiellen Erkenntnis der Erfahrung. Festzuhalten bleibt: die Ideen sind ihm Realit\u00e4ten! Sp\u00e4ter tritt dann Lord Bacon auf, der sozusagen einen umgekehrten Platonismus bringt, denn er weist wie Aristoteles auf die Wahrnehmungswelt hin, leugnet aber die Ideenwelt. F\u00fcr ihn hat die menschliche F\u00e4higkeit des Denkens lediglich subjektive Bedeutung und ist daher nicht geeignet, zu einer objektiven Erkenntnis zu kommen. Zitat Mieke Mosmuller: <em>\u201eIn dieser Situation hat Rudolf Steiner sich empfunden. Einerseits gab es einen machtlosen Platonismus, aber erf\u00fcllt von geistigem Reichtum, und andererseits gab es den &#8222;Baconismus&#8220; der in der Naturwissenschaft ganz stark geworden war, wo die Wahrnehmungswelt in alles beherrschender Weise ernst genommen wird und dasjenige, was der Mensch innerlich als Gedanken hat, eigentlich verspottet wird.\u201d<\/em><\/p>\n<p>In Goethes M\u00e4rchen steht die sch\u00f6ne Lilie f\u00fcr die von geistigem Reichtum erf\u00fcllte platonische Ideenwelt; der edle, aber kraftlose J\u00fcngling kann als die bereits abstrakte, wirklichkeitsferne Erkenntnis der Menschen gesehen werden. Er strebt danach, sich mit der sch\u00f6nen Lilie zu vereinen, f\u00e4llt dabei aber wie tot zu Boden. Die Bildsprache ist offensichtlich. Die an die \u00e4u\u00dfere Wahrnehmungswelt gekettete Erkenntnis findet, auch wenn sie danach strebt, nicht dazu, sich mit dem Reichtum der geistigen Welt zu verbinden, und wenn sie es versucht, endet es, wenigstens vorerst, desastr\u00f6s. In dem M\u00e4rchen wird das Problem der Spaltung von Geistigem und Irdischem in einer Gemeinsamkeit von Kr\u00e4ften schlie\u00dflich gl\u00fccklich \u00fcberwunden. Die Schlange opfert sich und bildet die Br\u00fccke zwischen beiden Welten, die nun frei und in jeder Richtung beschritten werden kann.<\/p>\n<p>Was in dem M\u00e4rchen schlie\u00dflich gelingt \u2013 wie kann es in der Realit\u00e4t gelingen? Wie kann in der gegenw\u00e4rtig so gewaltig wirkenden abstrakten Intellektualit\u00e4t, die zugleich v\u00f6llig ver\u00e4u\u00dferlicht ist, der Weg zum Erleben der Idee gegangen werden? Zu einem Erleben der Idee, das gerade mindestens so stark ist wie das Erleben der Sinneswelt? Man k\u00f6nnte erwarten, dass es mit einem solch starken Ideenleben m\u00f6glich sein m\u00fcsste, den Reichtum der geistigen Welt wahrzunehmen, ohne sich daran, wie sonst, mit einer abgel\u00e4hmten Erkenntnis wie zerschmettert zu f\u00fchlen. So stehen wir vor der Frage: Gibt es einen Punkt der Umkehr? Kann er verstanden, eingesehen, als Realit\u00e4t erlebt werden?<\/p>\n<p>In Karl Julius Schr\u00f6er lernte Rudolf Steiner den gro\u00dfen Goethekenner an der Universit\u00e4t in Wien kennen und erlebte an ihm, wie er ganz hingegeben an den Inhalt von Goethes Werk nicht in der Lage war, selbst die fehlende Verbindung der platonischen Geistesart (die sch\u00f6ne Lilie) mit der irdischen Realit\u00e4t herzustellen. Das w\u00e4re m\u00f6glich gewesen, h\u00e4tte Schr\u00f6er, in dem Rudolf Steiner den wiederverk\u00f6rperten Plato erkannte, sich dazu finden k\u00f6nnen, die Geistesart Goethes in erkennend-beschreibender Art, also als Erkenntnistheorie, zu erfassen.<\/p>\n<p>Rudolf Steiner erfasste, dass hier etwas geschehen m\u00fcsse. Die platonische Geistesart war zu schwach, in die Wirklichkeit befruchtend hineinzuwirken, und auch im Aristotelismus war die Kraft, den Ideen Leben zu geben, im Verschwinden begriffen. So entschloss sich Rudolf Steiner, diese Aufgabe, die \u00fcberhaupt nicht in seinem eigenen Schicksal veranlagt war, f\u00fcr Schr\u00f6er, aber bei weitem nicht nur f\u00fcr Schr\u00f6er, auf sich zu nehmen.<\/p>\n<p>Ein sehr erhellendes Licht auf unsere Frage wirft ein Gespr\u00e4ch, das Walter Johannes Stein mit Rudolf Steiner hatte.<\/p>\n<p>Zitat W. J. Stein:<\/p>\n<p>\u201eSo waren in Rudolf Steiners Leben zwei Str\u00f6mungen der Geschichte verwoben, eine durch ihn selbst, eine durch all das repr\u00e4sentiert, was in Karl Julius Schr\u00f6ers Individualit\u00e4t weste. Gerade indem Rudolf Steiner das eine dem anderen in freier Entschliessung hinopferte, entstand ihm die Anthroposophie.\u201d<\/p>\n<p>Er (Rudolf Steiner) sagte: \u201eIn jedem Freiheiterlebnis sind drei Dinge miteinander verwoben. Sie erscheinen als Einheit in dem Moment, wo das Erlebnis sich ereignet, aber der nachherige Gang des Lebens l\u00e4sst sie getrennt bewusst werden. Man erlebt das, was man zu tun hat, als inneres Bild, das in freier moralischer Phantasiet\u00e4tigkeit vor einem aufsteigt. Als eine wahre Imagination erscheint, was man zu tun sich entschlie\u00dft, weil man es liebenswert finden muss. Das zweite, was in dem einheitlichen Erlebnis enthalten ist, ist der Impuls, dass man von h\u00f6heren M\u00e4chten ermahnt wird, dem im Inneren aufkeimenden zu folgen. &#8222;Tue es&#8220; sagen die inneren Stimmen, und das Gewahrwerden derselben ist eine wahre Inspiration. Aber noch ein drittes Element ist in dem einheitlichen Erlebnis einverwoben. Man stellt sich durch die Tat in eine \u00e4u\u00dfere Schicksalsumgebung, in die man ohne das Freiheitserlebnis niemals eingetreten w\u00e4re. Man begegnet jetzt anderen Menschen, wird an andere Orte gef\u00fchrt, dadurch, dass das innere intuitiv Erfasste nun zur schicksalhaft von au\u00dfen herantretenden Umgebung wird. Die Situation einer wahren Intuition ergibt sich.\u201d \u201eSehen sie\u201d, fuhr Rudolf Steiner fort, diese drei ineinander verwobenen Erlebnisse haben sich nachher auseinandergelegt, sind isoliert bewusst geworden, so dass die Imagination, die Inspiration und die Intuition als Erkenntnisakte bewusst wurden.\u201d \u2013 Und dieses nachtr\u00e4gliche Bewusstwerden dessen, was im Moment der Freiheitstat Schr\u00f6er gegen\u00fcber erlebt wurde, indem Rudolf Steiner sich in das Schr\u00f6ersche Schicksal hineinstellte, das ist die Anthroposophie. \u201eDie Anthroposophie\u201d, sagte er, \u201eist ein Mensch. Es ist dieser Mensch, der durch die Freiheitstat geschaffen wurde.\u201d<\/p>\n<p><strong>Der Punkt der Umkehr und das Nadel\u00f6hr der Materie<\/strong><\/p>\n<p>In &#8218;Philosophie und Anthroposophie&#8216; zeigt Rudolf Steiner wie Aristoteles&#8216; Materiebegriff auch f\u00fcr das Denken gilt. F\u00fcr Aristoteles ist Materie einerseits der Tr\u00e4ger des Wesentlichen, andererseits kann sie selbst nicht begrifflich aufgel\u00f6st werden und insofern nicht in das Begreifen der Wirklichkeit aufgenommen werden. Wenn es aber m\u00f6glich w\u00e4re, auch die Materie in die denkende Form zu bringen, w\u00e4re die Kluft zwischen Subjektivit\u00e4t und Objektivit\u00e4t \u00fcberwunden. Das reine und aktuale Denken bringt dann zugleich mit seinem Tun, mit seiner Denkkraft seine eigene Materie, d.i. aber zugleich die Materie des Ich, hervor. Denn es ist ja das Ich selbst und nicht irgendeine, dem Ich fremde Macht, die das tut und es weiss sich daher mit Sicherheit selbst als das in diesem Prozess T\u00e4tige.<\/p>\n<p>So schafft das Ich, das sich aus Freiheit in T\u00e4tigkeit versetzen kann, sich als ein Unbedingtes und erkennt sich selbst auch als ein solches. Es ist unbedingt, da es keines Gegebenen bedarf welches ja bereits existieren m\u00fcsste und es ist frei, da es, um zu erkennen, keine Form zu einem bereits existierenden Etwas, also etwa einem sinnlichen Gegenstand hinzuf\u00fcgen muss. Es sch\u00f6pft diesen Gegenstand ja doch erst selbst. Und es weiss sich dann unmittelbar eins mit ihm.<\/p>\n<p>Die Scholastiker differenzierten die Form in die Begriffe: Universlia ante rem, in re und post rem. Das Ich, das seinen Begriff, noch vor jedem Bezug auf ein einzelnes Ich als die eben beschrieben sch\u00f6pferische Potenz erkennt, ist das Ich ante rem. Das Ich, das ein konkretes, ein bestimmtes Ich ist, ist das Ich in re und das Ich, das von sich selbst weiss, ist das Ich post rem. Im Ausf\u00fchren der Fichte&#8217;schen Tathandlung fallen diese drei Ich-Formen zusammen, sie werden erst danach als ein Gegliedertes bewusst. Walter Johannes Stein beschreibt Rudolf Steiners Aussage dazu sehr sch\u00f6n (am Ende des 1.Teiles dieses Aufsatzes).<\/p>\n<p><strong>Die Vereinigung von Platonismus und Aristotelismus<\/strong><\/p>\n<p>Damit hat das reine Denken aus sich heraus zu einer Wirklichkeit gefunden und als Wirklichkeit hat es auch die Kraft in der Wirklichkeit wirksam zu werden. Jetzt liegt es im Bereich des Machbaren, die unwirksamen platonischen Ideen zu verwirklichen und die naturwissenschaftliche Fixiertheit auf das Wahrnehmliche zu l\u00f6sen und damit die Wahrnehmung auf das Denken selbst zu richten, das damit ebenfalls wirksam werden kann. Das ist die Vereinigung von Platonismus und Aristotelismus durch die Fichte\u2019sche Tathandlung des Ich.<\/p>\n<p>Das tote, abstrakte Denken kann durch das das am meisten totgeglaubte, die Materie, wieder lebendig werden. Betrachtete nicht Aristoteles die Materie als Tr\u00e4ger des Wesentlichen oder des Wesens?<\/p>\n<p>Damit ist die Grenze zwischen Subjekt und Objekt innerhalb des Menschen \u00fcberwunden und er erlebt die dadurch gefundene Realit\u00e4t als das Ich , das sich durch diese Tat selbst hervorgebracht hat. Rudolf Steiner in dem Zitat von W.J. Stein: \u201eDie Anthroposophie\u201d, sagte er, \u201eist ein Mensch. Es ist dieser Mensch, der durch die Freiheitstat geschaffen wurde.\u201d<\/p>\n<p><strong>Die Erkenntnis des ICH in der Welt<\/strong><\/p>\n<p>Um diese Grenze auch zwischen dem Ich und allem \u00dcbrigen zu \u00fcberwinden, ist ein weiterer Schritt n\u00f6tig. Das Ich muss mit der Aussenwelt so in Verbindung gebracht werden, dass es ahnen kann, wie es in den Dingen selbst anwesend ist. Durch die \u00dcbung, die Icht\u00e4tigkeit auf die Gegenst\u00e4nde der Aussenwelt zu richten, kann man davon eine Ahnung erlangen. Dazu ein Zitat von Mieke Mosmuller:<\/p>\n<p><em>\u201eWenn wir dies erleben k\u00f6nnen d\u00fcrfen wir begreifen, wie mit der Weihnachtstagung ein esoterischer Zug mit der Gesellschaft verbunden wurde. Dieser Zug war ja die anthroposophische Bewegung selbst. Sie sollte von da an in der Gesellschaft lebendig sein. Damit das geschehen konnte, legte Rudolf Steiner den Grundstein in die Herzen der Mitglieder.<\/em>\u201d Und weiter:<\/p>\n<p><em>\u2026, dass die Mitglieder in sich selbst das &#8211; Ich ante rem (&#8222;das eigene Ich im Gottes-Ich erweset&#8220;) ; das Ich in re (&#8222;das eigene Ich dem Welten-Ich vereinen&#8220;); und das Ich post rem (&#8222;Licht dem eigenen Ich zu freiem Wollen schenken&#8220;) suchen und verwirklichen sollten, damit sie in sich selbst, ein jedes Mitglied f\u00fcr sich und dann alle zusammen in einem Chor, die anthroposophische Bewegung in sich erwecken, zum Erwachen bringen w\u00fcrden. Wenn diese Handlung immer wieder getan wird, dann wird die Grenze durchdrungen, f\u00fcr das eigene Ich, f\u00fcr das Welten-Ich, f\u00fcr das Gottes-Ich<\/em>\u201d <em>(M. Mosmuller)<\/em><\/p>\n<p>In dem Verst\u00e4ndnis, das Mieke Mosmuller hier von der anthroposophischen Bewegung entwickelt, lebt f\u00fcr mich eine wirklich vom \u201eDurchgreifenden der Idee\u201d (Rudolf Steiner) durchdrungene Erkenntnis.<\/p>\n<p>Insbesondere das im 2. Teil dargestellte, wurde immer wieder in die Besinnung genommen, wurde meditiert, um die notwendige Vertiefung herzustellen. In dem Tages-Seminar wurde alles viel ausf\u00fchrlicher und in allen einzelnen, auf einander aufbauenden Schritten dargestellt und ist so in dem Buch wiedergegeben. Dieses Buch ist f\u00fcr jeden, der sich eine wirklich geistdurchdrungene Idee der \u201eanthroposophischen Bewegung\u201d erarbeiten und dann diese in die Lebenswirklichkeit \u00fcberf\u00fchren will, ein unverzichtbares Arbeitsbuch. Was in Goethes M\u00e4rchen gelingt, es ist an uns, die Br\u00fccke zu bauen und es Wirklichkeit werden zu lassen.<\/p>\n<p><a title=\"Die Anthroposophische Bewegung\" href=\"https:\/\/occident-media.com\/de\/boeken\/die-anthroposophische-bewegung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone\" style=\"display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Anthroposophische_Bewegung.jpg\" alt=\"Anthroposophische_Bewegung\" width=\"300\" height=\"313\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ank\u00fcndigung dieses Tagesseminars machte mich neugierig zu erfahren, was Mieke Mosmuller zu diesem Thema zu sagen hat. Ich war bereits regelm\u00e4\u00dfiger Teilnehmer ihrer Veranstaltungen in der Schweiz und auch in Baden-Baden in Deutschland. Der Tiefgang und Aufbau ihrer Darstellungen, die immer die Spiritualisierung des Denkens als Grundthema haben, hatte mich von Anfang an \u00fcberzeugt. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":2356,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[37],"tags":[],"class_list":["post-3623","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-buchbesprechung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3623","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3623"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3623\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3736,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3623\/revisions\/3736"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2356"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3623"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3623"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3623"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}