{"id":3619,"date":"2017-11-06T00:00:00","date_gmt":"2017-11-05T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/radiosendung-komponist-und-alchemist-das-werk-des-legendaeren-grafen-von-saint-germain\/"},"modified":"2025-06-22T16:01:23","modified_gmt":"2025-06-22T14:01:23","slug":"radiosendung-komponist-und-alchemist-das-werk-des-legendaeren-grafen-von-saint-germain","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/de\/radiosendung-komponist-und-alchemist-das-werk-des-legendaeren-grafen-von-saint-germain\/","title":{"rendered":"Radiosendung: Komponist und Alchemist &#8211; Das Werk des legend\u00e4ren Grafen von Saint Germain"},"content":{"rendered":"<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-3619-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/StGermain_MONO_LOW.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/StGermain_MONO_LOW.mp3\">https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/StGermain_MONO_LOW.mp3<\/a><\/audio>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Um Leben und Werk des legend\u00e4ren Grafen von Saint Germain geht es in der folgenden Sendung unter dem Titel: \u201eAlchemist und Komponist\u201c. Im Studio begr\u00fc\u00dft Sie Thomas Senne.<\/p>\n<p><\/span><em><span class=\"fontstyle6\">Musik 1: <\/span><\/em><span class=\"fontstyle5\"><em>St. Germain (Komponist): \u201cSonata II Con Soli in B-Dur, Andante Affectuosissimo\u201d, aus \u201cSix Sonatas For Two Violins With A Bass For The Harpsichord Or Violoncello\u201d. St. Germain: Arien und Instrumentalwerke. Ensemble Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, EHN\u00a0<\/em><em>84 054, Take 2\/II, 4.30.<\/em><\/p>\n<p>Er war virtuoser Geigenspieler und Komponist, Fabrikant, Friedenspolitiker und Geheimdiplomat, Chemiker und Alchemist, vielleicht Freimaurer und Rosenkreuzer, f\u00fcr Friedrich den Gro\u00dfen aber ein \u201eber\u00fchmter Abenteurer\u201c. Voltaire hielt ihn f\u00fcr \u201eunsterblich und allwissend\u201c, Madame d\u2019 Urf\u00e9 f\u00fcr einen \u201eMagier\u201c und Baron von Gleichen f\u00fcr einen \u201eGl\u00fccksritter\u201c. Manche allerdings denunzierten ihn als \u201eSchwindler\u201c, \u201eBetr\u00fcger\u201c oder \u201eScharlatan\u201c. Der Landgraf Carl von Hessen hingegen sah in ihm einen &#8230;.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle5\">\u201e&#8230; der gr\u00f6\u00dften Weltweisen, welche je gelebt haben\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Mit Witz begegnete der Graf von St. Germain, von dem hier die Rede ist, geldgierigen Potentaten. Der sensationsl\u00fcsternen High Society hielt er gerne den Spiegel vor. Er war eloquent, ein charmanter Unterhalter von h\u00f6fischer Eleganz, verbl\u00fcffte durch Phantasie, Scherz und Ironie. Auf\u00a0<\/span><span class=\"fontstyle5\">jeden Fall muss der Graf Charisma und Humor besessen haben, wie zahlreiche Anekdoten belegen \u2013 Esprit.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em><span class=\"fontstyle6\">(Sch\u00f6ler): <\/span><\/em><span class=\"fontstyle5\"><em>\u201eFriedrich der Gro\u00dfe hat das immer als Spa\u00df von sich gegeben, jemand h\u00e4tte den St. Germain gefragt: Sie sind so alt \u2013 kann das sein, dass Sie vielleicht schon 2000 Jahre alt sind, oder so. Er hat einen Trick dann verwandt, St. Germain. Er sagte nie \u201aNein\u2019. Erl\u00e4chelte und lie\u00df offen. Er begann einen Satz und hat ihn zur H\u00e4lfte gesprochen und lie\u00df die anderen raten. So dass die anderen, die geraten haben, immer glaubten: Ah, das wird schon so gewesen sein. Und dasselbe mit der biblischen Geschichte auf die Frage: Ja sind Sie dann m\u00f6glicherweise sogar Jesus Christus begegnet? Aber selbstverst\u00e4ndlich, sagte St. Germain, bin ich ihm begegnet und hab ihm nur gesagt: Guter Freund, das wird nicht gut enden. Dann hat man einen Diener gefragt von St. Germain: Sagen Sie, sind Sie wohl auch so alt? Sagte er: Nein, das kann ich nicht sagen. Ich bin erst seit 300 Jahren bei ihm\u201c.<br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Und Casanova? Der begegnete dem Grafen von St. Germain, wie sich dieser nannte, sogar pers\u00f6nlich.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle5\">\u201eSein Gesicht war angenehm, vornehm sein Auftreten. Er war ein guter Erz\u00e4hler, wenn er auch manchmal aufschnitt, sprach alle Sprachen gut. Dazu war er ein gro\u00dfer Chemiker, ein gro\u00dfer Musiker,\u00a0<\/span><span class=\"fontstyle5\">besa\u00df die Formen der guten Gesellschaft, zeigte sich selten, war zur\u00fcckhaltend, h\u00f6flich, witzig, geistvoll\u201c.<\/span><\/p>\n<p><em><span class=\"fontstyle6\">Musik 2: <\/span><\/em><span class=\"fontstyle5\"><em>St. Germain (Komponist): \u201cSonata III in c-moll, Adagio, aus \u201cSeven Solos For A Violin\u201d,. St. Germain: Ausgew\u00e4hlte Werke. Ensemble Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, EHN 84 061,Take 7\/III, 3.03. 1.01<\/em><\/p>\n<p>Das Adagio aus der Sonata III in c-Moll der Saint-Germain-Komposition \u201eSeven Solos For A Violin\u201c, interpretiert vom Ensemble \u201ePhoenix\u201c. Als bislang einzige Gruppe hat es Werke des Grafen auf CD ver\u00f6ffentlicht. Die Herkunft dieses Adeligen liegt im sagenhaften Dunkel, ist geheimnisumwittert. War er \u00fcberhaupt ein Graf, Marquis, Chevalier oder Comte? Oder nur ein Spr\u00f6ssling des Apothekers und Steuereinnehmers Rotondo aus St. Germiano in Savoyen, wie manche meinen? Oder vielleicht gar ein Sohn des F\u00fcrsten Franz II. Rakoczy von Siebenb\u00fcrgen? Am 28. Mai 1696 in Klausenburg geboren, in Transsylvanien also? Wurde er als Kind eines rebellischen Vaters, der gegen die Habsburger opponierte, f\u00fcr tot erkl\u00e4rt und &#8211; um ihn vor Nachstellungen zu sch\u00fctzen &#8211; in die Obhut der Medici gegeben und in Florenz aufgezogen? Viele widerstreitende Theorien, Vermutungen und Ger\u00fcchte gibt es, aber keiner wei\u00df es genau, sagt der St.Germain-Experte und langj\u00e4hrige Richter am Kieler Landgericht, Hartmut Verf\u00fcrden.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle5\">(Verf\u00fcrden): \u201eSt. Germain ist ja ins Licht der Geschichte erst eingetreten im Jahre 1745. Das war die Zeit, in der er drei Arien f\u00fcr die Oper \u201aL\u2019Inconstanza Delusa\u2019 in London komponiert hat. Das war im Fr\u00fchjahr des Jahres 1745. Zu Zeiten Georg II. hat die alte Jakobiten-Dynastie versucht, wieder in England Fu\u00df zu fassen. Es hat dort eine Art B\u00fcrgerkrieg gegeben. Das war gerade im Jahr 1745. Und ein Augenzeuge, der sp\u00e4tere Musikhistoriker Chareles Burny, der schreibt, man habe im Jahr 1745 die Opernh\u00e4user geschlossen und es gab nur ganz wenige Auff\u00fchrungen. Eine dieser Auff\u00fchrungen war eben diese Oper, von der Charles Burny schreibt, dass der Prinz Lobkowitz damals in England zu Gast gewesen ist und zusammen mit dem ber\u00fchmten und r\u00e4tselhaften Grafen von St. Germain diese Oper besuchte. Also es war eine \u00f6ffentliche Veranstaltung, f\u00fcr die man \u2013 wie heute auch \u2013 Eintritt bezahlte.\u201c<\/span><\/p>\n<p><em><span class=\"fontstyle6\">Musik 3: <\/span><span class=\"fontstyle5\">St. Germain (Komponist): \u201cDigli Digli Ch\u2019\u00e8 Un Infedele\u201d, aus der Oper \u201cL\u2019Inconstanza Delusa\u201d. St. Germain: Arien und Instrumentalwerke. Ensemble Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, EHN 84 054, Take 13\/II, 1.00; 7.07. 1.01\u00a0<\/span><\/em><span class=\"fontstyle7\"><em>(Musik ab 0.37)<\/em><\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Die Arien St. Germains, wie der gerade geh\u00f6rte Ausschnitt aus der Oper \u201cL\u2019Inconstanza Delusa\u201d, waren in aller Munde und erschienen 1745 im Londoner I. Walsh Verlag unter dem Titel \u201eFavourite Songs From The\u00a0<\/span><span class=\"fontstyle5\">Opera L\u2019 Inconstanza Delusa\u201c, also \u201eLieder \u00fcber den \u201eentt\u00e4uschten<br \/>\nWankelmut\u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Engel): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eDie Oper ist in der sogenannten, damals sehr \u00fcblichen Pasticcio-Technik geschrieben. Wir kennen das von der Pastete \u2013 haben mehrere Schichten \u2013 und diese Pasticcio-Technik besagt, dass durchaus mehrere Komponisten an so einem Werk arbeiteten und ihre Arien mit einbrachten. Diese Arien haben oft sehr banale Texte. Was darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass sie &#8211; sagen wir mal \u2013 eine Art Moduleigenschaft besitzen m\u00fcssen, damit man sie beliebig kombinieren kann\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Der Cellist Matthias Hahn-Engel hat sich intensiv mit dem musikalischen Oeuvre von St. Germain auseinandergesetzt, das Ensemble \u201ePhoenix\u201c gegr\u00fcndet, um mit ambitionierten Kollegen die erhaltenen Werke des Grafen aufzuf\u00fchren. Inzwischen gibt die Gruppe international Konzerte und hat sogar drei CDs eingespielt &#8211; damit die Kompositionen nicht in Vergessenheit geraten.<br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle6\"><br \/>\n<em>Musik 4: <\/em><\/span><em><span class=\"fontstyle5\">St. Germain (Komponist): \u201cSonata II in E-Dur, Prestissimo\u201d, aus \u201cSeven Solos For A Violin\u201d. St. Germain: Arien und Instrumentalwerke. Ensemble Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, EHN 84 054, Take 10\/II, 3.52.<\/span><\/em><br \/>\n<span class=\"fontstyle4\"><br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle5\">Ob Christoph Willibald Gluck die eben geh\u00f6rte Sequenz aus \u201eSeven Solos for a violin\u201c in London live erlebt hat, ist nicht \u00fcberliefert. Immerhin soll es zwischen dem deutschen Komponisten und dem Grafen von St. Germain zu einer Begegnung gekommen sein, berichtet Hartmut Verf\u00fcrden.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Verf\u00fcrden): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eAuch das ist ein ganz spannendes Thema, was erst am Anfang seiner Aufkl\u00e4rung steht. Man wei\u00df noch nicht genau, wann Gluck nach England gekommen ist. Er hat jedenfalls Anfang 1746 in London eine Oper komponiert, die dann auch aufgef\u00fchrt worden ist. Zu der Zeit war er also schon da. St. Germain war \u2013 jedenfalls im Dezember 1745 \u2013 noch da. Er kannte Lobkowitz. Und es gibt einen Satz eines franz\u00f6sischen Gluck-Biographen, der sagt so sinngem\u00e4\u00df: Man pr\u00e4sentiert uns gemeinschaftlich Gluck, Lobkowitz und den Grafen von St. Germain. Was im einzelnen davon stimmt, das m\u00fcssen wir in der Zukunft erst noch herausbekommen\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Dass St. Germain als Musiker und Komponist in London re\u00fcssieren konnte, steht fest. Als Autodidakt ohne eine fundierte musikalische Ausbildung w\u00e4re das allerdings kaum m\u00f6glich gewesen.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Engel): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eEr muss eine musikalischeAusbildung gehabt haben, zumindest auf seinem Instrument. Wenn die sehr fundiert gewesen ist \u2013 was man annehmen kann, wenn man den\u00a0<\/span><span class=\"fontstyle5\">Beschreibungen glaubt, die es gibt, dass er also wirklich, dass er also wirklich virtuos sein Instrument beherrscht \u2013 dann ergibt sich daraus die M\u00f6glichkeit, dass eine F\u00e4higkeit, selber zu komponieren daraus entstanden ist. Das kann man sich denken. Es ist meines Wissens aber keine schriftliche Beschreibung irgendeiner Ausbildung bekannt\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Cornelius Kellner, Musikwissenschaftler aus Schleswig-Holstein, kann dem nur beipflichten.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Kellner): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eIch glaube sicher, dass er sogar eine sehr gute musikalische Ausbildung gehabt haben muss. Wo allerdings wei\u00df man nicht. Vermutlich in Italien. Also H\u00e4ndel hat ihn sicher nicht gepr\u00e4gt. H\u00e4ndel, das war ja schon fast Sp\u00e4tbarock. Er hat also wirklich einen sehr leichten gef\u00e4lligen Stil, den die Neapolitaner verfolgt haben, besonders Giovanni Battista Pergolesi\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Auch wenn Georg Friedrich H\u00e4ndel St. Germain nicht gepr\u00e4gt hat, liegen Kontakte zwischen beiden doch im Bereich des M\u00f6glichen. Das macht eine kleine Geschichte deutlich, auf die der St. Germain-Forscher Hartmut Verf\u00fcrden bei einem Besuch in London gesto\u00dfen ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Verf\u00fcrden): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eEs gibt dort in der N\u00e4he des Schlosses in Richmond gro\u00dfe H\u00e4user. Es sind vier St\u00fcck. Maiden House of Honour hei\u00dfen die und eines der H\u00e4user kaufte zur damaligen Zeit\u00a0<\/span><span class=\"fontstyle5\">H\u00e4ndels Manager. Der hie\u00df Heidegger. Und dieses Haus kam im letzten Jahrhundert in den Besitz von Edward Croft-Mary. Der hatte eine Funktion als Oberverwalter der k\u00f6niglichen Gem\u00e4lde, kaufte dieses Haus und sah am Eingangsbereich des Hauses \u00fcber dem T\u00fcrsturz Noten gemalt und hat sich nat\u00fcrlich gedacht, das muss was von H\u00e4ndel sein, hier wohnte Heidegger, hat lange geforscht und schlie\u00dflich herausbekommen, dass es Noten sind, die St.Germain-Musik wiedergeben &#8230;\u201c<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">&#8230; Noten aus der Pasticcio-Oper \u201eL\u2019 Inconstanza Delusa\u201c und zwar die ber\u00fchmteste Arie daraus \u201ePer Piet\u00e0 Bell Idol mio\u201c, aus der wir jetzt ein paar Takte h\u00f6ren.<br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle6\"><br \/>\n<em>Musik 5: <\/em><\/span><span class=\"fontstyle5\"><em>St. Germain (Komponist): \u201ePer Piet\u00e0 Bell Idol mio\u201c, \u201cLarghetto\u201d, aus der Oper \u201cL\u2019Inconstanza Delusa\u201d. St. Germain: Arien und Instrumentalwerke. Ensemble Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, EHN 84 054, Take 4\/II, 9.44.<\/em><\/p>\n<p>Die Aufnahme in die gehobene Gesellschaft Londons war f\u00fcr St. Germain nach dem Erfolg seiner Pasticcio-Oper kein Problem. Weitere Arien folgten.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Kellner): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eEr selbst war Adliger, hat wohl aucxh haupts\u00e4chlich in Adelskreisen verkehrt. In den Adelskreisen war es ja \u00fcblich \u2013 schon von der Erziehung her -, dass man sich mit der Musik befasste, dass man also zumindest ein Musikinstrument spielen lernte.\u00a0<\/span><span class=\"fontstyle5\">M\u00f6glicherweise ist er auch am englischen K\u00f6nigshof gewesen. London war damals schon ein \u2013 kann man schon sagen \u2013 um 1740 ein Zentrum der Musik. Da waren also sehr viele bedeutende Komponisten. Und es war die \u00c4ra \u2013 Ja H\u00e4ndel lebte zu dieser Zeit noch, der war wohl der Gipfel. Aber es waren auch andere William Boyce z.B.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">&#8230; sagt der Musikwissenschaftler Cornelius Kellner \u00fcber eine Zeit, in der Unruhen f\u00fcr Verunsicherung sorgten und man \u00fcberall Verrat witterte.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Verf\u00fcrden): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eDas n\u00e4chste, was wir dann von Horace Walpole erfahren, aus einer Korrespondenz, mit einem Horace Man in Florenz, dass er schreibt, wir haben diesen St. Germain verhaftet. Es war wohl so, dass alle, die s\u00fcdl\u00e4ndische Musiker waren als Katholiken galten und deshalb als Feinde oder m\u00f6gliche Spione galten. Und in diesem Zusammenhang wurde St. Germain auch f\u00fcr einen Tag nur verhaftet und dann wieder freigelassen. Dar\u00fcber schreibt nun dieser Horace Walpole. Und in dem Zusammenhang schreibt er auch, dass Srt. Germain hervorragend Violine spielt, dass er singt und komponiert\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Was die Auff\u00fchrung der Instrumentalst\u00fccke des Grafen anbelangt, finden sich n\u00e4here Informationen in der \u201eGeschichte der Musik\u201c von Charles Burny.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Verf\u00fcrden): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eEr sagt n\u00e4mlich, dassdie ersten Privatkonzerte von Adeligen in ihrem Hause bei der Lady Brown stattfanden und und dass diese geleitet wurden von dem Grafen St. Germain. Da hat man eigentlich bis vor kurzer Zeit nicht viel dr\u00fcber gewusst und erstaunlicherweise ist es ein texanischer Archivar gewesen, der vor wenigen Jahren bei seinem Studium von englischen Archivalien etwas Neues gefunden hat: eine Lady Genina Grey, die dar\u00fcber berichtet, wie St. Germain dieses Konzert gibt. Sie lobt sehr sein Geigenspiel und sagt, er spielt mit einer Sanftheit und S\u00fc\u00dfe wie mit einer Fl\u00f6te, aber mit einer St\u00e4rke des lautesten Streichinstrumentes &#8211; so in etwa\u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Kellner): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eSein Stil &#8211; wahrscheinlich von der sogenannten \u201aNeapolitanischen Schule\u2019 beeinflusst. Die war gekennzeichnet durch sehr melodi\u00f6se Oberstimmen-Melodik, sehr einfach gehaltene B\u00e4sse. Also, es war kein Barock mehr, sondern ein v\u00f6llig neuer Stil, der so um 1730 etwa entstanden ist und hat sich dann fortgesetzt in Deutschland in der sogenannten \u201aMannheimer Schule\u2019. Manche seiner Triosonaten beginnen noch auf barocke Weise, fast wie eine Fuge, d.h. dass eine Stimme die andere imitiert. Aber es gibt nur eine sogenannte \u201aDurchf\u00fchrung\u2019 und danach ergeht sich das Ganze in melodi\u00f6sen Terzen, Quarten und Quinten. Also, das ist kein Barock mehr.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle6\"><em>Musik 6: <\/em><\/span><em><span class=\"fontstyle5\">St. Germain (Komponist): \u201cSonata II in E-Dur, Adagio\u201d, aus \u201cSeven Solos For A Violin\u201d. St. Germain: Arien und Instrumentalwerke.\u00a0<\/span><\/em><span class=\"fontstyle5\"><em>Ensemble Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, EHN 84 054, Take 9, 4.06.<\/em><\/p>\n<p>Ende der 1750er Jahre taucht St. Germain in Frankreich auf und kann in Paris Fu\u00df fassen, durch einen Zufall &#8211; einen \u201eZaubertrank\u201c. Wohl eher eine Art Abf\u00fchrmittel, wie es noch heute in Eckernf\u00f6rder Apotheken als \u201eSaint-Germain-Tee\u201c verkauft wird. Damit konnte er die Lieblingsm\u00e4tresse Ludwigs XV. von qu\u00e4lenden Stuhlproblemen befreien: Madame Pompadour.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle5\">\u201eEr hatte die Gunst der Frau von Pompadour zu erlangen gewusst, die ihm eine Unterredung mit dem K\u00f6nig verschaffte, und diesem hatte er ein h\u00fcbsches Laboratorium eingerichtet. Denn der liebensw\u00fcrdige Monarch, der sich \u00fcberall langweilte, glaubte etwas Unterhaltung oder doch Zerstreuung beim Herstellen von Farben zu finden. Der K\u00f6nig hatte ihm eine Wohnung im Schloss Chambord angewiesen und ihm 100 000 Franken zum Bau eines Laboratoriums gegeben. Wie Saint-Germain behauptete, wollte der K\u00f6nig durch seine chemischen Produkte die franz\u00f6sischen Fabriken in Bl\u00fcte bringen\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">&#8230; schreibt Casanova in seinen Erinnerungen \u00fcber entsprechende Experimente zur Herstellung haltbarer Farben f\u00fcr Textilien. Eine T\u00e4tigkeit, die St. Germain bis zu seinem Tod besch\u00e4ftigen sollte. Der Graf musizierte und komponierte nicht nur, sondern scheint im Auftrag des franz\u00f6sischen\u00a0<\/span><span class=\"fontstyle5\">K\u00f6nigs in Den Haag sogar in einer geheimen Friedensmission unterwegs gewesen zu sein. Was in der Zeit des Siebenj\u00e4hrigen Krieges bald zu ernsthaften Verwicklungen f\u00fchren sollte: zur Flucht von Saint Germain nach England und sp\u00e4ter dann zu seiner R\u00fcckkehr &#8211; incognito, erz\u00e4hlt Hartmut Verf\u00fcrden.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Verf\u00fcrden): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eInteressant ist, dass Friedrich der Gro\u00dfe in einem seiner Briefe schreibt, es sei eigentlich belanglos, ob St. Germain einen Auftrag gehabt habe oder nicht. Sein Auftreten h\u00e4tte jedenfalls die Friedenspartei in Versailles doch deutlich gest\u00e4rkt\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle6\"><em>Musik 8: <\/em><\/span><span class=\"fontstyle5\"><em>St. Germain (Komponist): \u201cSonata V in Es-Dur, Adagio\u201d, aus \u201cSeven Solos For A Violin\u201d. St. Germain: Arien und Instrumentalwerke. Ensemble Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, EHN 84 054, Take 5\/II, 3.22.<\/em><\/p>\n<p>Matthias Hahn-Engel, der heute als einer der Wiederentdecker der Musik des Grafen gilt, hatte von dessen Kompositionen keine Ahnung. Er kam damit erst 1994 in Ber\u00fchrung und erhielt nach langwierigen Recherchen in Bibliotheken schlie\u00dflich Ablichtungen der Noten &#8211; auf Mikrofilm. Sp\u00e4ter konnte Hahn-Engel in einem Antiquariat sogar eine rare Original-Edition mit Werken des Grafen von St. Germain erwerben.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Engel): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eWelche Auflage gedruckt wurde \u2013 kann ich nicht sagen. Es ist jetzt so, dass dieses Antiquariat mir sagte, bei den Violinsonaten sei es, glaube ich, eines von drei bekannten Exemplaren, weltweit\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Und dann kam eines Tages eine Anfrage der Stadt Eckernf\u00f6rde, aus dem Ort also, wo St. Germain im 18. Jahrhundert das Zeitliche gesegnet hatte. Ob man nicht zum 700j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Kommune ein Konzert mit Werken des Grafen geben k\u00f6nnte? Der Musiker sagte spontan zu: es war die Geburtsstunde des Ensembles \u201ePhoenix\u201c. In der Eckernf\u00f6rder St. Nicolai Kirche, in der St. Germain bestattet worden war, erklang seine Musik kurz nach der Jahrtausendwende wieder: \u00fcber 200 Jahre nach dem Ableben des Komponisten und Wundermannes. Dessen Musik erstaunt den 1. Geiger von \u201ePhoenix\u201c, Hans-Christian Jaenicke, noch immer.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(J\u00e4nicke): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eGrenzg\u00e4nge interessieren mich sehr. Deshalb interessiert mich auch die Figur des Grafen von St. Germain, weil der glaube ich auch ein sehr Umtriebiger war, der viele Dinge zusammengebracht hat, die eigentlich erst mal so gar nicht zusammen geh\u00f6ren. Ganz musikalisch gesehen sind es oft einfach rhythmische Muster, die innerhalb eines Taktes wechseln und die erst mal sich so lesen \u2013 wenn man den Text zum ersten Mal in der Hand hat \u2013 als h\u00e4tte er im zweiten Takt vergessen, was er im ersten sagen wollte. Und dann stellt man aber im Laufe des St\u00fccks fest, dass das nicht so ist, sondern dass\u00a0<\/span><span class=\"fontstyle5\">er das ganz kunstvoll durchdekliniert und ebenso eine Kombinatorik \u2013 ich glaube, das hat was mit der alchemistischen Denkweise zu tun (Lachen)\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Beim renommierten \u201eFestival Mitte Europa\u201c, einer grenz\u00fcberschreitenden Veranstaltungsreihe zwischen B\u00f6hmen, Sachsen und Bayern war die Musik ebenso zu h\u00f6ren: wie letztes Jahr im bayerischen Ansbach bei den dortigen \u201eKaspar Hauser Festspielen\u201c.<br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle6\"><br \/>\n<em>Musik 10: <\/em><\/span><span class=\"fontstyle5\"><em>St. Germain (Komponist): \u201ePadre perdona, oh! Pene\u201c, Arie; Ensemble Phoenix (Interpreten), S\u00e4ngerin: Miriam Sabba, Reporterband, autorisierter Mitschnitt, 123\/14.<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr die S\u00e4ngerin Miriam Sabba, die zur Zeit an der Dresdner Semper Oper engagiert ist und im Ensemble \u201ePhoenix\u201c immer wieder singt, sind die Arien St. Germains, wie die gerade geh\u00f6rte Arie \u201ePadre perdona, oh! Pene\u201c etwas Besonderes.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Sabba): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eEs ist schon anders. Ich kann\u2019 s nicht beschreiben. Also, ich habe immer gedacht, na ja, wie erkl\u00e4re ich mir das \u2013 ein Bachzeitgenosse? Nee, ich wei\u00df auch nicht. Aber: Es ist etwas Spezielles, erkl\u00e4ren kann ich das schwer.\u201c<\/span><\/p>\n<p><em><span class=\"fontstyle6\">Musik 11: <\/span><\/em><span class=\"fontstyle5\"><em>St. Germain (Komponist): \u201cSonata I in F-Dur, Andante Amorosissimo\u201d, aus \u201cSix Sonatas For Two Violins With A Bass For The Harpsichord Or Violoncello \u201d. St. Germain: Ensemble Phoenix spielt Graf Saint Germain. St. Nicolai. Ensemble Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, Ehn 84 053, Take 3\/I, 2.53.<\/em><\/p>\n<p>Die \u201cSonata I in F-Dur, Andante Amorosissimo\u201d, aus \u201cSix Sonatas For Two Violins With A Bass For The Harpsichord Or Violoncello \u201d, gespielt vom Ensemble Phoenix. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Nach seinem Englandaufenthalt, bei dem Saint Germain \u201ein polizeilichen Gewahrsam\u201c gebracht wurde, wie der \u201eLondon Chron\u00edcle\u201c am 9. Mai 1760 schreibt, h\u00e4lt sich der Graf incognito in Holland auf: unter dem Namen eines \u201eGrafen von Cea\u201c. Dass er seine Namen wechselt wie andere Handt\u00fccher, sich mal \u201eConte de Belle mare\u201c nennt, mal \u201eBaron Gugomos\u201c oder \u201eChevalier Welldone\u201c war seinerzeit nichts Ungew\u00f6hnliches: sogenannte \u201eAliasnamen\u201c waren damals im Hochadel gang und g\u00e4be.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">In der N\u00e4he von Nijmwegen erwirbt der frischgebackene \u201eGraf von Cea\u201c dann ein Gut. In den damals \u201e\u00d6sterreichischen Niederlanden\u201c lernt er den Botschafter der Kaiserin Maria Theresia, kennen. Der Adelige ist von St. Germain begeistert. Der \u00f6sterreichische Kanzler Graf Kaunitz hingegen bleibt skeptisch. St. Germain, der sich jetzt \u201eGraf Surmont\u201c nennt, schafft\u00a0<\/span><span class=\"fontstyle5\">es aber trotzdem im \u00f6sterreichisch-belgischen Ort Tournai eine Farbenmanufaktur zu gr\u00fcnden. Dort besucht ihn Casanova.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle5\">\u201eIch &#8230; fand ihn mit einem zwei Zoll langen Stoppelbart. Er hatte eine Anzahl Retorten voller Fl\u00fcssigkeiten im Zimmer. Einige machten einen chemischen Prozess durch; sie lagen auf Sand bei\u00a0nat\u00fcrlicher W\u00e4rme\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Casanovas \u201eMemoiren\u201c waren es auch, die Hartmut Verf\u00fcrden, dazu brachten, sich n\u00e4her mit dem Alchemisten und Komponisten St. Germain zu besch\u00e4ftigen. Kaiserin Maria Theresia kann der nicht von seinen Farbversuchen \u00fcberzeugen und verl\u00e4sst schlie\u00dflich Belgien.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Verf\u00fcrden): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eDann ist er zun\u00e4chst 12 Jahre weg, wahrscheinlich in Italien und \u2013 spricht einiges daf\u00fcr, dass er in einer bestimmten Funktion am t\u00fcrkisch-russischen Seekrieg teilgenommen hat und dort Bekanntschaft machte mit dem Grafen Orlow, einer davon fr\u00fcher Liebhaber von der Zarin gewesen. Und so taucht er in Ansbach auf &#8230; \u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">&#8230; zun\u00e4chst jedoch in: Schwabach: in russischer Generalsuniform unter dem Namen Graf Tsarogy, in einem Geb\u00e4ude, in dem heute das Evangelische Vereinshaus untergebracht ist, sagt der Historiker Eugen Sch\u00f6ler bei einer kleinen F\u00fchrung.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Sch\u00f6ler): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eWir wissen, dass St. Germain im Jahre 1774 nach Schwabach gekommen ist. Das wissen wir vom Minister von Gemmingen, der Minister vom letzten Markgraf Alexander. Und zwar hat er sich in diesem Haus eingemietet. Dieses Haus, das genutzt wurde, als markgr\u00e4fliches J\u00e4gerhaus. Hier wohnten also Piqueurs \u2013 das waren Parforce-J\u00e4ger. Hier waren Hofbedienstet zugange und vor allem: Hier wohnte auch das Soldatenkommando, das aufzupassen hatte auf das Arbeits- und Zuchthaus auf der andere Stra\u00dfenseite &#8230;\u201c<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">In Schwabach erregte St. Germain als angeblich russischer General nat\u00fcrlich Aufsehen. Er reiste standesgem\u00e4\u00df mit Kutsche, manchmal vielleicht mit einem Pferd, seltener wohl auf Schusters Rappen. In N\u00fcrnberg soll er dann einen der beiden Br\u00fcder Orlow getroffen haben, die Katharina der Gro\u00dfen geholfen hatten, den Zarenthron zu besteigen. Das Schwabacher Domizil war f\u00fcr St. Germain eine Art Kontaktb\u00f6rse.<br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle6\"><br \/>\n<em>Musik 12: <\/em><\/span><span class=\"fontstyle5\"><em>St. Germain (Komponist): \u201cSonata VI in A-Dur, Cantabile Lento\u201d, aus \u201cSix Sonatas For Two Violins With A Bass For The Harpsichord Or Violoncello\u201d. St. Germain: Ensemble Phoenix spielt Graf Saint Germain. St. Nicolai. Ensemble Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, Ehn 84 053, Take 13\/I, 5.25.<\/em><br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle4\"><br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle5\">Ob St. Germain in Schwabach komponiert hat, ist nicht \u00fcberliefert. Wenn \u00fcberhaupt Musik von ihm in der Markgrafschaft zu h\u00f6ren war, dann wahrscheinlich im ehemaligen Gesandtenhaus in Ansbach, direkt gegen\u00fcber vom Schloss, in dem Markgraf Alexander residierte.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Sch\u00f6ler): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eHier in diesem Raum findet dann die Begegnung statt. Alexander ist hier drinnen und die Madame Clairant stellt ihm diesen St. Germain vor, allerdings als General Tsarogy. Ja, der Name war ja noch nicht bekannt. Hier ist dabei: Baron Gemmingen, der Minister des Markgrafen. Und der beschreibt uns, wie St. Germain ausgesehen hat. Zitat: \u201aEr schien zwischen 60 und 70 Jahre alt zu sein, war von mittlerer Gr\u00f6\u00dfe, mehr hager als stark, verbarg seine grauen Haare unter einer Per\u00fccke und sah aus wie ein alter Italiener. Sein Aussehen verk\u00fcndete nichts au\u00dfergew\u00f6hnliches. Er unterhielt sich mit dem Markgrafen Alexander in franz\u00f6sischer Sprache und zwar mit deutlich italienischem Akzent\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Szenenwechsel. Triesdorf, eine l\u00e4ndliche Gemeinde in der N\u00e4he von Ansbach. In dem Ort, in dem sich heute landwirtschaftliche Lehranstalten befinden und Rindviecher in St\u00e4llen versorgt werden, traf sich fr\u00fcher der\u00a0<\/span><span class=\"fontstyle5\">Hochadel. St. Germain besa\u00df f\u00fcr seine Farbversuche und alchemistischen Experimente im linken Seitenfl\u00fcgel des Wei\u00dfen Schlosses sogar ein Labor, wei\u00df der Schwabacher Historiker und Heimatforscher Eugen Sch\u00f6ler.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Sch\u00f6ler): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eWir befinden uns jetzt in diesen R\u00e4umen, die nat\u00fcrlich heute anders ausschauen als im 18. Jahrhundert, inm denen St. Germain sein Labor hatte. Heute ist es ein sehr gro\u00dfes Klassenzimmer mit Tafel, mit allem, was dazu geh\u00f6rt \u2013 mit Tischen und St\u00fchlen. Das Besondere war: St. Germain, als er das Labor zugeteilt bekam, wenn man so will, von Alexander, und zwar von Ansbach aus: \u201aDu darfst nach Triesdorf kommen und darfst hier deine Versuche machen!\u2019 Dann hat er hier begonnen, erst mal die Fenster alle zuzukleben, damit niemand von au\u00dfen reinschauen konnte. Ein einziges Mal ist es gelungen, dass jemand zur T\u00fcr reinspitzte, was er hier macht. Da habe er St. Germain gesehen v\u00f6llig eingeh\u00fcllt mit schwarzen T\u00fcchern und lauernd \u00fcber einem Projekt, das er da also versuchte zu kl\u00e4ren \u2013 wahrscheinlich Farbversuche. Er war dar\u00fcber sehr erz\u00fcrnt, dass jemand irgendwie es schaffte, ihm zuzuschauen\u201c<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Rund vier Jahre verbrachte St. Germain auf dem Territorium des Ansbacher Markgrafen. Als der bei einer Reise allerdings erfuhr, dass sich hinter dem Namen Tsarogy eigentlich der ber\u00fchmte Wundermann St. Germain verbarg, war er erz\u00fcrnt und k\u00fcndigte ihm die Freundschaft auf. Dennoch f\u00e4llt das Urteil des Ansbacher Ministers Freiherr Reinhard von\u00a0<\/span><span class=\"fontstyle5\">Gemmingen-Guttenberg auf Bonfeld \u00fcber den in Ungnade Gefallenen \u00fcberraschend milde aus.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle5\">\u201eLieblos w\u00fcrde es sein, diesen Mann f\u00fcr einen Betr\u00fcger zu erkl\u00e4ren. Hierzu geh\u00f6ren Beweise, und diese hat man nicht. Solange er im Verh\u00e4ltnis mit dem Markgrafen stand, hat er nie etwas begehrt, nie etwas von dem mindesten Wert erhalten, nie sich in etwas eingemischt, das ihn nicht anging. Bei seiner \u00e4u\u00dferst einfachen Lebensart waren seine Bed\u00fcrfnisse sehr eingeschr\u00e4nkt. Hatte er Geld, so teilte er\u2019 s den Armen mit. Dass er irgendwo Schulden hinterlassen hat, ist nicht bekannt.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle6\"><em>Musik 13: <\/em><\/span><span class=\"fontstyle5\"><em>St. Germain (Komponist): \u201cSonata VI in A-Dur, Andante\u201d, aus \u201cSeven Solos For A Violonin\u201d. St. Germain: Ensemble Phoenix spielt Graf Saint Germain. St. Nicolai. Ensemble Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, Ehn 84 053, Take 11\/1, 3.21.<\/em><br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle7\"><br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle5\">Einige Zeit sp\u00e4ter taucht Saint Germain in Hamburg auf und begegnet in Norddeutschland dem Landgrafen Carl von Hessen. Und die Musik? Welche Rolle spielte sie im letzten Lebensabschnitt von St. Germain. Der Musikwissenschaftler Cornelius Kellner:<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Kellner): <\/span><span class=\"fontstyle5\">Dar\u00fcber ist also leider gar nichts bekannt. Bekannt ist also nur, dass er 1778 den Landgrafen in Altona, das\u00a0<\/span><span class=\"fontstyle5\">damals noch zu Holstein geh\u00f6rte, kennen gelernt hat. Und offenbar hat der ihn so beeindruckt, dass er ihn hier nach Gottdorf, nicht nach Eckernf\u00f6rde, eingeladen hat. M\u00f6glicherweise haben sie in Gottdorf \u2013 das ist aber nur eine Vermutung von mir \u2013 zusammengewirkt. Also, der Landgraf Carl von Hessen soll ein gewandter Klavierspieler gewesen sein. Er war also vor allen Dingen ein ganz gro\u00dfer Freund des Theaters, der Landgraf Carl von Hessen, hatte eine eigene Theatertruppe zum Schluss und hat das Schlosstheater auf Gottdorf zu einer der besten B\u00fchnen Deutschlands gemacht um 1780\/90. Von Mozart die \u201aZauberfl\u00f6te\u2019, die wurde so oft gegeben, dass die Kinder in Schleswig sogar die Melodien gepfiffen haben sollen\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">Seine letzten Jahre verbrachte St. Germain in Schleswig-Holstein und wohnte vor seinem Tod an der Ostsee: in Eckernf\u00f6rde. In der Stadt also, in deren N\u00e4he heute der Musiker Matthias Hahn-Engel lebt und mit seinem Ensemble \u201ePhoenix\u201c die Erinnerung an den Komponisten aufrechterh\u00e4lt.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Engel): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eLetztendlich ist immer mein Anspruch gewesen, alles, was komponiert ist, auf CD zu bringen. Das kann aber noch dauern und recherchieren mit denen, die es ohnehin tun, um eventuell noch Neues zu finden. Nat\u00fcrlich will ich auch gerne weiterm Konzerte veranstalten, weil das lebendige Spielen der Musik letztendlich im Vordergrund stehen soll &#8230;\u201c<\/span><\/p>\n<p><em><span class=\"fontstyle6\">Musik 14: <\/span><\/em><span class=\"fontstyle5\"><em>St. Germain (Komponist): \u201eJove, when he saw my Fanny\u2019s face\u201c, aus \u201cA New Song\u201d. St. Germain: Arien und Instrumentalwerke. Ensemble Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, EHN 84 054, Take 15\/II, 4.39.<\/em><br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle7\"><br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle5\">Das bislang bekannte Gesamtwerk des Grafen von St. Germain, das von 1745 bis 1760 in London ver\u00f6ffentlicht wurde, umfasst 46 Arien, vier englische Lieder, St\u00fccke, die vielleicht fr\u00fcher auch in Pubs erklangen &#8211; Songs wie das gerade von der Sopranistin Antje Bitterlich gesungene \u201eJove, when he saw my Fanny\u2019s face\u201c &#8211; , sechs Trio-Sonaten und sieben Violinen-St\u00fccke. Mehr nicht. Einige Noten sind inzwischen im Handel erh\u00e4ltlich.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Engel): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eBis jetzt gibt\u2019 s die nur bei mir. Es gibt sie nat\u00fcrlich auch in den Buchhandlungen, die sie bei mir bestellen. Es gibt derzeit aber nur die ersten drei Violinsonaten als Neudruck mit ausgesetztem Generalbass, da nicht davon auszugehen ist, dass jeder Generalbass spielen kann. Und es gibt sie als Faksimile.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">In diesem Jahr sollen au\u00dferdem die Violinsonaten IV &#8211; VI des Grafen von Saint Germain als Notenmaterial herauskommen.<\/span><br \/>\n<span class=\"fontstyle4\"><br \/>\n<\/span><em><span class=\"fontstyle6\">Musik 7: <\/span><\/em><span class=\"fontstyle5\"><em>St. Germain (Komponist): \u201cSonata III Con Soli in Es-Dur, Adagio\u201d, aus \u201cSix Sonatas For Two Violins With A Bass For The Harpsichord Or Violoncello\u201d. St. Germain: Ausgew\u00e4hlte Werke. Ensemble\u00a0<\/em><em>Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, EHN 84 061, Take 1, 0.42<\/em><br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle7\"><br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle5\">Ab 1779 lebte der Komponist in Schleswig-Holstein. Zusammen mit demLandgrafen Carl von Hessen, einem \u00fcberzeugten Freimaurer, machte er gerne alchemistische Versuche im Freimaurer-Park \u201eLouisenlund\u201c bei Eckernf\u00f6rde: im sogenannten \u201eAlchemistenturm\u201c. Experimente, die schlie\u00dflich zur Entdeckung des sogenannten \u201eCarlsmetalls\u201c f\u00fchrten. Auch eine Fabrik, die Carl von Hessen St. Germain in Eckernf\u00f6rde in der Kieler Stra\u00dfe zur Verf\u00fcgung gestellt hatte, entwickelte sich allm\u00e4hlich, sagt Hartmut Verf\u00fcrden.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Verf\u00fcrden): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eEr wollte, die haltbaren Farben, die sich die einfachen Leute nicht leisten konnten, weil die auswaschbar waren, ersetzen durch preiswerte Farben, die dann auch hielten. Es gibt halt Berichte dar\u00fcber, dass er Farben erfunden hat, die wesentlich besser waren als die g\u00e4ngigen Farben zum gleichen Preis.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">In einem Seitentrakt der Eckernf\u00f6rder Fabrik, wo St. Germain bescheiden gewohnt hatte, starb der Graf auch: am 27. Februar 1784.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span class=\"fontstyle6\">(Verf\u00fcrden): <\/span><span class=\"fontstyle5\">\u201eSein Tod ist im Kirchenbuch eingetragen. Wir wissen sogar von der Vorgeschichte aus den verschiedenen Schreiben seines G\u00f6nners, des Prinzen Carl von Hessen, dass der schon berichtet, es ginge St. Germain immer schlechter. Wir haben dann nicht nur die Eintragung im Kirchenbuch. Es gibt eine Rechnung \u00fcber das L\u00e4uten der Glocken. Es gibt eine Nachlassliste, in der aufgelistet worden ist, welche Gegenst\u00e4nde in St. Germains Wohnung aufgefunden wurden. Es gibt einen Aufruf an die unbekannten Erben, ver\u00f6ffentlicht in den Schleswig-Holsteinischen Anzeigen. Und daran sieht man hat, dass es eigentlich keinen Zweifel gibt &#8230;\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"fontstyle5\">&#8230; dass St. Germain tats\u00e4chlich in Eckernf\u00f6rde gestorben ist. Auch wenn es Stimmen gibt, die ihn sp\u00e4ter noch &#8211; kurz vor der Franz\u00f6sischen Revolution &#8211; am Hof von Marie Antoinette gesehen haben wollen. Aber das wundert nicht bei einem Mann, \u201eder niemals stirbt\u201c, wie Zeitgenossen l\u00e4sterten. Trotz dieser Ger\u00fcchte muss der Graf am 2. M\u00e4rz 1784 in der St. Nicolai Kirche von Eckerf\u00f6rde beerdigt worden sein, wie eine Rechnung belegt. Obwohl Touristen in dem Gotteshaus immer wieder nach Erinnerungsst\u00fccken St. Germains suchen \u2013 es gibt sie nicht: durch eine Sturmflut und die anschlie\u00dfende Restaurierung der Kirche wurden alle Spuren beseitigt. Au\u00dferdem ist der \u201eWundermann\u201c, der \u00fcberall unterwegs war, aber nirgends wirklich zu Hause, nach Voltaires Meinung ja sowieso \u201eunsterblich\u201c. Zumindest in seiner Musik.<\/span><br \/>\n<span class=\"fontstyle4\"><br \/>\n<\/span><em><span class=\"fontstyle6\">Musik 11: <\/span><\/em><span class=\"fontstyle5\"><em>St. Germain (Komponist): \u201cSonata I in F-Dur, Andante Amorosissimo\u201d, aus \u201cSix Sonatas For Two Violins With A Bass For The Harpsichord Or Violoncello \u201d. St. Germain: Ensemble Phoenix spielt Graf Saint Germain. St. Nicolai. Ensemble Phoenix (Interpreten), LC 8629, Eichhorn Musicproduction, Ehn 84 053, Take 3\/I<\/em><br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle7\"><br \/>\n<\/span><span class=\"fontstyle5\">In unserem heutigen Musikforum im Deutschlandfunk stand das Werk des legend\u00e4ren Grafen von Saint Germain im Mittelpunkt. Sprecher war Wolfgang Feldkamp. Im Studio verabschiedet sich Thomas Senne.<\/p>\n<p><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vrienden-miekemosmuller.nl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Triosonate_web.jpg\" alt=\"Triosonate_web\" width=\"500\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um Leben und Werk des legend\u00e4ren Grafen von Saint Germain geht es in der folgenden Sendung unter dem Titel: \u201eAlchemist und Komponist\u201c. Im Studio begr\u00fc\u00dft Sie Thomas Senne. Musik 1: St. Germain (Komponist): \u201cSonata II Con Soli in B-Dur, Andante Affectuosissimo\u201d, aus \u201cSix Sonatas For Two Violins With A Bass For The Harpsichord Or Violoncello\u201d. 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