
Vor dreißig Jahren, im Jahr 1994, wurde Mieke Mosmullers erstes Buch veröffentlicht: Suche das Licht, das im Abendlande aufgeht.¹ Es wurde vom Occident Verlag herausgegeben, der eigens von Jos Mosmuller, Miekes Ehemann, zu diesem Zweck gegründet wurde. Er wollte Suche das Licht… selbst herausgeben, da er von dessen Wert und Wirkung überzeugt war. Jos war jedoch kein Verleger, sondern ein angesehener praktizierender Arzt, genau wie Mieke. Er musste also anfangen, das Handwerk zu lernen und entschied sich deshalb für einen einjährigen Teilzeitkurs im Verlagswesen bei der „Vereniging ter Bevordering van de Belangen des Boekhandels“ in Utrecht. Der Lehrplan konzentrierte sich auf alle wesentlichen Aspekte des Verlagsberufs wie Redaktion, Produktion, Marketing und Vertrieb und beinhaltete auch eine Reise zur Buchmesse in Frankfurt, die Mieke ebenfalls besuchte. Im Frühjahr 1994 gründete er den Verlag und ließ ihn bei der Handelskammer eintragen. Jetzt ging es darum, das Gelernte in die Praxis umzusetzen, wobei er anfangs etwas Hilfe für den administrativen Teil brauchte. Das war natürlich eine Entdeckungsreise, aber im Herbst 1994 führte sie dazu, dass das Buch bei „Veenman“ gedruckt wurde, einer Druckerei, die für die Herausgabe akademischer Bücher und Bibeln bekannt war. Das Buch erschien auf Niederländisch und Deutsch.
Die Präsentation fand am 12. November 1994 im Pulchri Studio an der Lange Voorhout in Den Haag statt, dem Ort, an dem auch Rudolf Steiner 1913 bei seinem Besuch in den Niederlanden einen Vortrag gehalten hatte. Was Mieke und Jos damals nicht wussten, sie kannten Diligentia auf der Lange Voorhout als einen Ort, an dem Rudolf Steiner gewesen war.
Nach der Veröffentlichung des Buches wurde Mieke eingeladen darüber zu sprechen, unter anderem von einer Gruppe von Menschen, die hellsichtig waren und sich von hier aus weiterentwickeln wollten. Sie fanden das Buch Suche das Licht… schwierig und fragten, ob Mieke nicht etwas schreiben könne, das leichter zu verstehen sei.


Die Einladung zur Präsentation

Mieke während der Präsentation

Jos beim Bücherverkauf

Mieke und Jos vor Pulchri Studio
Mieke schrieb daraufhin das Buch Mutter eines Königs, in dem sie die Prozesse, die in Suche das Licht… philosophisch behandelt werden, anschaulich beschreibt. Dieses Buch wurde 1995 als zweites Buch im Occident Verlag veröffentlicht. Nach Mutter eines Königs kam jedes Jahr ein Roman hinzu: Gardevias, Lotus und Lilie und Ballade in g-Moll. Diese Romane zeigen jeweils aus der Sicht einer der Hauptfiguren in Mutter eines Königs, wie sich ihr innerer Entwicklungsweg entfaltet. Es werden dieselben Ereignisse beschrieben, die aus einem anderen Blickwinkel erlebt werden. So kann der Leser in ein lebendiges Denken und Fühlen eintreten, von wo aus er selbst auf seinem inneren Entwicklungsweg unterstützt wird.
Schon nach einem Jahr erhielt Jos Mosmuller von seiner Schwester Monique Hilfe beim Verkauf.
In den Jahren 1998-2002 folgten die Bücher: Ethischer Individualismus versus kommunikatives Handeln, Meditation und drei Romane: Der Mann im Vondelpark, Haus ohne Fenster und Der deutsche Geist.
In den Jahren 1995-1998 unterhielt sich Mieke regelmäßig mit Toon Hermans. Er war einer der beiden Menschen, denen sie das gerade erschienene Buch Suche das Licht…, das Wissenschaft und Religion miteinander verbindet, anbot. Obwohl sie den Weg des Denkens geht und es nicht der seine war, fanden sie sich auf eine tiefsinnige, einfühlsame Weise. Es stellte sich heraus, dass Toon Hermans den Wunsch hatte, seine Ideen über Gott und den Glauben in Worte zu fassen. Er war gewillt mit Mieke über die Dinge zu sprechen, die er so gerne aufschreiben wollte. Das Ergebnis dieser Gespräche war, dass Mieke mit ihm das Buch Einfach Gott schrieb. Zunächst wurde es vom Verlag „De Fontein“ veröffentlicht, aber ab 2007 wurde es von Occident herausgegeben.
Durch die Zusammenarbeit mit Toon Hermans wurde Miekes Arbeit in breiteren Kreisen bekannt, und das geschah auch, wenn auch auf andere Weise, mit der Veröffentlichung des Buches Die Weisheit ist eine Frau im Jahr 2002. Nachdem ein Flyer zusammen mit den Frauenzeitschriften Libelle und Margriet verschickt worden war, wurden überraschend viele Exemplare verkauft.
Die Verkaufszahlen waren also erfreulich gut, aber gleichzeitig war 2002 eine schwierige Zeit für Occident. Jos Mosmuller erkrankte und musste seine Tätigkeit einstellen. Zu seiner Genesung ging er in ihr Ferienhaus in Baarle-Nassau. Es wurde beschlossen, die Praxis aufzulösen und das Verlagsgeschäft weiterzuführen. Dann bot sich die Gelegenheit, nach Baarle-Nassau zu ziehen, und dieser große Schritt wurde getan. Monique, Jos’ Schwester, zog mit ihnen um.
Seit 2004, als der Roman Köningsweg in Schloss Oost in Valkenburg vorgestellt wurde, reiste Monique mit einem Büchertisch zu jeder Buchpräsentation, jedem Vortrag oder Seminar von Mieke Mosmuller, zunächst nur in den Niederlanden und ab 2008 auch in Deutschland, Dänemark, der Schweiz und Frankreich. Monique wurde regelmäßig von ihren Töchtern oder von Hadewych van Sleeuwen oder Martijn Huisman unterstützt. Letzterer kam 2010 zu Occident und erledigte alle möglichen logistischen Aufgaben.

Monique am Büchertisch
Jedes Jahr wuchs die Fülle der von Mieke Mosmuller geschriebenen und von Occident veröffentlichten Büchern. Ab 2006 arbeiteten die Tochter Ruth und später ihr damaliger Ehemann Martijn Franssen im Betrieb mit, wobei letzterer sich um die IT kümmerte. Die Arbeit fand in der obersten Etage des Wohnhauses statt.
Ab 2011 konnte ein Geschäftsraum auf der anderen Straßenseite des Hauses angemietet werden. Dadurch kam viel Arbeitsfläche hinzu, mitunter auch Lagerraum, und ein guter Raum, um Seminare abzuhalten und Eurythmie zu machen. Das passte natürlich sehr gut zum Ideal von Occident, die Anthroposophie, das Werk von Mieke Mosmuller, in die Welt zu tragen. Aber finanziell ist ein solcher Schritt eine weitere große Aufgabe. In einem Interview (2013) mit Jos Mosmuller sagte er dazu:
„In diesem Verlag sind wir sehr spezialisiert, denn die Anthroposophie ist die Grundlage, auf der wir das machen. Dafür braucht man einen gewissen Antrieb, ein gewisses Feuer, weil man so mit der Anthroposophie verbunden ist, dass man Dinge tut, die ein anderer Verlag oder ein anderes Unternehmen nie tun würde. Dass du Schritte unternimmst, Risiken eingehst, weil du denkst: Es muss kommen, und dann wird es auch kommen. Und das ist im normalen Geschäftsleben nicht üblich, dass man so ein großes Engagement eingeht, obwohl man eigentlich eine ziemlich schmale Basis hat, auch finanziell, und es dann trotzdem tut. Und man weiß das von Rudolf Steiner, es kommt dann doch zurück. Du musst den Mut und die Überzeugung haben, dass, wenn du es von dort aus tust, dann überlebt dein Unternehmen letztendlich. Das liegt natürlich auch daran, dass andere Menschen die Arbeit anerkennen, durch die sie Hilfe geben, und das ist nicht nur im Kreis von Anthroposophen, das merkst man auch bei anderen Menschen, dass etwas zurückkommt, dass Menschen die Arbeit anerkennen.“ (…) „Obwohl man in finanzieller Hinsicht oft ziemlich verzweifelt sein kann, sollte man darauf nicht achten, wenn man diese Arbeit macht. Aus normaler Sicht ist diese Arbeit heutzutage gar nicht mehr machbar, woher nimmt man den Mut, zu glauben, dass es machbar ist? Die Frage ist: Warum tut man es? Ja, weil etwas in einem geweckt wird, das rein menschlich ist, das das Beste in einem wachruft, lass es mich so ausdrücken.“
2021 verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Jos Mosmuller erneut, so dass Ruth und ihr Mann die Leitung des Verlags übernehmen mussten. Martijn Huisman blieb glücklicherweise als unverzichtbare Unterstützung für die logistische Arbeit erhalten. Seine Frau Edith, die neben ihrer Arbeit als Ärztin schon seit vielen Jahren die englischen Bücher für Occident verkauft hatte, arbeitete von da an Vollzeit bei Occident. Seit 2023 arbeitet Thomas Kaspers, der jetzige Ehemann von Ruth Mosmuller, als Manager bei Occident Media.
Natürlich gab es den Wunsch, dass jemand zu Occident kommt, der deutscher Muttersprachler ist, und im Oktober 2021 wurde dieser Wunsch erfüllt. Florian Bauer kam dann zusammen mit Raphaela Kühne das Team verstärken. Auch sie haben vorher schon einige Zeit bei Occident gearbeitet. Raphaela ist Eurythmistin und bringt damit etwas Neues bei Occident zum Entstehen – die Bewegungskunst, bei der lebendige Gedanken sichtbar gemacht werden. Zusammen mit Ruth Mosmuller hat sie 2019 die Logos-Eurythmie gegründet. Sie bieten Eurythmie auf Seminaren an, geben Kurse und machen Eurythmie-Videos (in 6 Sprachen vertont).

Ruth und Raphaela
Glücklicherweise erholte sich Jos Mosmuller und schrieb in den Jahren ‘23/’24 selbst zwei Bücher über sein Fachgebiet:
Die sieben Metalle und Ein Krankenhaus, das als Bauwerk heilt.
In diesen Jahren schrieb Mieke Mosmuller eine Reihe von leicht zugänglichen Büchern „für die Allgemeinheit“, zum Teil mit einem schönen Aquarell von Ruth Mosmuller auf dem Einband: Lerne Denken!, Lerne Fühlen!, Tun! und Freundschaft. Schließlich führte die Corona-Zeit dazu, dass Mieke durch ihre Videos einem immer größer werdenden Publikum bekannt wurde.
Und dann gäbe es noch viel mehr über die Veröffentlichungen von Occident zu sagen, aber das würde hier zu weit führen, dafür kann die Website besucht werden: www. occident-verlag.de
Dreißig Jahre Occident, dreißig Jahre Suche das Licht, das im Abendlande aufgeht. Das Cover des Buches zeigt ein Gemälde von Ad Kroese, einen Kelch, einen Gral.

Aquarel von Ad Kroese
Neun Jahre nach Suche das Licht…, im Jahr 2002, schrieb Mieke das Buch Der Heilige Gral und darin sagt sie etwas über diese beiden Bücher:
„Der moderne Mensch braucht, um ihn [den heiligen Gral] zu finden, keine Pilgerfahrt in ferne Länder mehr zu machen, braucht keine äußerlich unbegehbaren Pfade mehr begehbar zu machen. Wohl aber ist dem Gral noch immer nicht mit physischen Schritten nahezukommen. Er ist ein menschumfassendes christliches Geheimnis, ein Impuls, ein Prinzip, das im Menschen selbst gesucht werden muss. Es ist das Licht, das im Abendlande aufgeht, nicht am Horizont, sondern im Menschen selbst.
Vor zwölf Jahren beschrieb ich die Suche nach dem Licht, das im Abendlande aufgeht.
Jetzt, zwölf Jahre später, habe ich beschrieben, was, wer mit diesem Licht gefunden wird. (…)
Was gefunden wurde, entschlüpft einem immer wieder; man soll sein Leben lang aktiv bleiben um das Erworbene zu erneuern, zu festigen, aufs neue zu finden. Lässt man im Suchen und immer wieder Finden einige Zeit nach, dann verliert man mehr, als man gefunden hatte. Nicht mehr kann man ruhen, nach getaner Arbeit. Man findet den Frieden in der fortwährenden innerlichen Aktivität, im bleibenden Suchen und stets wieder Finden, weiter und weiter, stärker, kräftiger, heiliger…“
Warum hat mich dieses Zitat an Occident denken lassen? In den letzten 30 Jahren sind mehr als 70 Titel bei Occident erschienen, oft in mehreren Sprachen.
Es ist beeindruckend zu erleben, wie diese Bücher den Weg zum Heiligen Gral weisen und zu erkennen, dass sich diese Wirkung durch die Einsatz von Occident weltweit ausbreiten kann, bis nach Australien, Südafrika und Nord- und Südamerika.
Danke, Jos Mosmuller, für deine Initiative – und danke an dich und dein Team für den jahrelangen, unermüdlichen Einsatz!
Danke an Mieke Mosmuller für das mehr als dreißigjährige Schenken spirituellen Reichtums!
Und alle guten Wünsche für die Zukunft für das aktuelle Team unter der Leitung von Ruth Mosmuller!
1 Da es den Freunden der Arbeit von Mieke Mosmuller bewusst war, dass finanzielle Unterstützung nötig war, wurden in der Vergangenheit die Initiativgruppe „Freunde der Arbeit von Mieke Mosmuller“ (www.freundemiekemosmuller.de), die „Stichting Koningsweg“ (www. stichtingkoningsweg.nl) und der „Königsweg e.V.“ gegründet.







